Rioja Alavesa ist zwar die kleinste Teilregion des Rioja, deswegen sollte man sie aber auf keinen Fall unterschätzen. Dort entstehen mit die spannendsten, elegantesten und modernsten, ungeschminkt fruchtbetonten Weine aus Rioja.
Die Teilregion Rioja Alavesa ist etwa 300 Quadratkilometer groß, ungefähr 12 000 Hektar davon sind hier mit Reben bestockt. Das macht Rioja Alavesa zur kleinsten der Unterregion des Rioja. Jährlich werden hier knapp 60 Millionen Liter Wein produziert, gar nicht mal so viel! Rioja Alavesa beschreibt den nördlichen, baskischen Teil des Rioja, hier befinden wir uns stets nördlich des Ufers des Flusses Ebro und die Reben wachsen hier in Frieden, Stille und Ruhe am Fuße der Sierra de Cantabria Bergkette. Viele Reben auf der Hochebene sind hier toll angelegte kleinteilige Einzelparzellen. Manchmal über 800 Meter hoch. Das sorgt bei wunderschönem Panorama für gesunde und frische Trauben! Über 200 Weingüter arbeiten in dieser malerischen Landschaft und machen damit die dort ansässige »Ruta del Vino de Rioja Alavesa« (Weinstraße von Rioja Alavesa) zu einem beliebten Urlaubsziel in Spanien. Zu Recht, denn die Alavesa erinnert entlang der Grenze zur Rioja Alta mit ihren pittoresken, oft auf Bergzinnen gelegenen Dörfern, sehr an die Langhe im Piemont. Zwei der vielleicht schönsten und malerischsten Weinregionen der Welt.
Weinbau wird hier schon seit der Römerzeit betrieben, jedoch entwickelte sich die Region, und damit einhergehend auch der Weinbau, seit dem 18. Jahrhundert rasant durch die Nutzung moderner Handelswege im Baskenland. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Rioja Alavesa ohne die 1858 gegründete Herederos del Marqués de Riscal nicht zu ihrem heutigen Status gekommen wäre. Sie waren die ersten, die französische Techniken, wie Ausbau in Barriques und lange Flaschenreife im Rioja einsetzten. Auch nach dem Einfall der Reblaus machte sich Marqués de Riscal dafür stark, Rioja Alavesa zu einem Qualitätsweingebiet zu machen. Selbst heute zehren wir als Rioja-Trinker also noch von diesem Pioniergeist.
Besonders spannend ist auch das Terroir der Rioja Alavesa. Im Gegensatz zu seinem Nachbar Rioja Alta, indem Eisen den Boden prägt, finden wir hier einen höheren Anteil von Kalk im Boden. 95% der Böden bestehen hier aus Ton-Kalkstein, auch Kalkmergel genannt. Dieser Kalkanteil ist auch ausschlaggebend für den besonderen Charakter der Weine. Wie im ganzen Rioja haben wir auch in Rioja Alavesa ein außergewöhnliches Klima: Atlantische Einflüsse, die Nähe zum Fluss Ebro, große Höhenunterschiede, warme Tage und kühle Nächte bestimmen hier das Klima. Dazu kommt, dass es in jedem kleinen Tal, an jedem Hang und auch auf jeder Höhe noch eigene kleine Mikroklima-Faktoren gibt, absolut faszinierend! Nicht zu vernachlässigen ist auch der Einfluss der Sierra de Cantabria, der Bergkette im Norden, die gegen die kalten und feuchten Winde des Kantabrischen Meeres schützt und damit einen kleinen Föhn-Effekt bietet.
Bezüglich der Stilistik kann man schon seit Jahren behaupten, dass in Rioja Alavesa richtig die Post abgeht. Die Region hat sich in den letzten Jahren zu DEM Shootingstar überhaupt entwickelt. Top-Weingüter produzieren hier Rotweine, die unumstritten zur absoluten Weltspitze gehören! Hier dominiert natürlich, wie überall in der Rioja Alta und Alavesa, der Tempranillo, der rotfruchtige, oft auch schwarzkirschige, aber strukturierte und dichte bis kraftvolle Rotweine voller Eleganz erzeugt. Namen wie Remelluri, Artadi, Eguren, Dominio del Challao, Telmo Rodriguez Lanzaga, Artuke, Pujanza oder Oxer stehen hier stellvertretend für die Spitze des Rioja. Durch das kühle Klima der Sierra Cantabria entstehen hier mineralische und finnessereiche Weine, wie sonst kaum irgendwo auf der Welt. Fast alle Revoluzzer des Bio Weinbaus, der Ertragsreduktion, des Buschweins, der Spontanfermentation, der alternativer Ausbaumethoden in Beton, Amphoren und großem Holz sind in der Alavesa zu Hause, fast alle modernen Superstars der Rioja sind hier angesiedelt. Absurd gut, was hier zum Teil entsteht und definitiv eine Flasche oder Reise wert!

