Bei Terroir Sense Fronteres in Montsant entstehen in unmittelbarer Nähe zum Priorat große Weine mit eigener, markanter Handschrift. Und trotz der großen Nähe zum schon legendären Priorat ist das Terroir im Montsant erstaunlich deutlich unterschiedlich. Kalkstein und Sand zum roten Ton und Gips ergeben eine im Priorat nicht erzielbare Finesse, schwarzer Schiefer ist hier nicht so dominant. Die auch hier tonangebende Garnacha ähnelt in ihrer abgehobenen Verspieltheit ansatzweise den Superstars aus Gredos (Comando G und Telmo Rodriguez) oder Aragon (Frontonio). Für manch einen subtilen Genießer ist das feinere Montsant spannender, burgundischer, und last not least auch preisgünstiger als das mit großen Namen arrivierte Priorat. Einfach noch unter dem Radar, die Superstars von morgen eben.
Terroir Sense Fronteres - Terroir ohne Grenzen! Das ist das Motto des besonderen Weinguts von Tatjana Peceric und Dominik Huber. Es versteht sich quasi als Schwester-Weingut des mittlerweile weltbekannten und legendären »Terroir Al Límit« im Priorat. Die beiden Weingüter teilen sich sogar den Keller in Torroja del Priorat. Wieso jetzt aber Terroir ohne Grenzen? Nun, die Reben für Terroir Sense Fronteres liegen direkt neben denen von Terroir al Límit, nur auf etwas anderem Untergrund und eben außerhalb der Grenzen des Priorat, eben im Montsant. Das Terroir ist klar vielfältiger. Auch durch die durchaus etwas lockereren Regeln der D.O. Montsant kann die extrem talentierte und langjährige Winemakerin Tatjana Peceric (inzwischen Dominiks Ehefrau und Partnerin), die auch einige der Priorat-Weine verantwortet, ihre eigene Vision für Wein genauer ausleben. Ausgebaut wird jedoch, wie bereits erwähnt, alles im gemeinsamen Keller im Priorat. Gegründet wurde das Montsant-Projekt 2015, wobei der erste Jahrgang erst im Jahr 2018 erschien. Hier, bei Terroir Sense Fronteres in Montsant, werden biodynamische Weine aus kleinteiligen Parzellen mit uralten Reben von bis zu 100 Jahren hergestellt. Es gibt zwar keine Angaben über den Gesamtbesitz des Montsant-Guts, jedoch wird es nicht allzu viel sein, wenn man sich die Gesamtproduktion von gerade einmal 30 000 Flaschen im Jahr anschaut.
Im Fokus steht wie so oft das Terroir: Montsant! Die Lagen von Sense Fronteres liegen teils nur wenige hundert Meter von den Spitzenlagen des Priorats, wie beispielsweise “Les Manyes”, entfernt. Somit teilen sich Montsant und Priorat auch viele Eigenschaften ihres Terroirs, und doch ist es auch ganz anders. Wir erleben neben viel Schiefer, wie auch im Priorat typisch, noch mehr roten Ton, Lehm, viel Kalkstein und Sand. Besonders markant ist im Montsant der »Guix Vermell«, also roter Gips, den wir vor allem im Weinberg »Els Montalts« finden. Die Gips- und Lehmböden haben eine besonders gute Wasserspeicher-Fähigkeit und verleihen den Weinen Saft und eine leicht kreidige Mineralität. Die Kalk- und Sandböden stehen für burgundische Eleganz. Natürlich muss auch erwähnt werden, dass wir uns hier in deutlichen Höhenlagen befinden: Bis zu 800 Höhenmeter und manchmal darüber stehen die Reben hier. Das Klima ist zwar auch mediterran, aber mit starker, trockenerer Kontinentalität, und durch die starken Höhenunterschiede erlebt das Montsant starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, welche die Trauben sehr langsam reifen lassen. Dies führt zu knackiger Säure und komplexer Beerenaromatik, ohne aber die Fruchtaromen gekocht oder überreif wirken zu lassen, dafür ist es hier zu kühl.
Was die Rebsorten angeht, sind wir bei Terroir Sense Fronteres fürs Montsant sehr klassisch unterwegs. Natürlich geht nichts am Garnacha vorbei. Diese Traube, die hier so unglaublich gut gedeiht. Auch wenn Spanien vom Ruf her für Tempranillo steht, ist die Garnacha in den Höhenlagen Spaniens mehr als gleichwertig, viele der weltbesten Weine stammen aus Spaniens Garnachas. Dazu kommt noch charakterstarke Carinena und im gemischten Satz oft von Alters her etwas Garnacha Blanca.
Mindestens genauso wichtig für die Weine von Terroir Sense Fronteres wie das Terroir des Montsant ist aber auch der Stil der vielleicht wichtigsten Person im Weingut: Tatjana Peceric. Die Serbin die bereits seit 2014 Teil von Terroir al Limit ist, sie hat sich zur Kellermeisterin mit unverkennbarem, eigenen Stil entwickelt. Sie ist die Weinseele beider Weingüter. Ihre Handschrift bricht radikal mit dem Image der schweren, überladenen und holzgeprägten spanischen Weinen. Im Keller herrscht für die Montsantweine absoluter Holz-Verzicht, der Ausbau erfolgt ausschließlich in Betontanks, Edelstahl oder Terracotta Amphoren. Das Ziel hierbei: Den reinen Ausdruck der Frucht und des Terroirs auf die Flasche zu bringen.
Desweiteren werden die Trauben komplett mit Stielen verarbeitet und mit Füßen gestampft, um eine sanfte Pressung zu gewährleisten. Zum Stil von Peceric gehört auch die frühe Lese, um den Alkoholgehalt trotz des oft heißen Klimas moderat zu halten. Dadurch bleibt der Trinkfluss und die Eleganz gegeben, ohne dabei Körper einzubüßen. Peceric, die selbst einen Hintergrund als Tänzerin hat, vergleicht ihre Weine dabei oft mit Ballett. Die Weine sollen Balance, Leichtigkeit und Präzision haben. Im Ergebnis erleben wir helle, ätherische und duftige Weine mit einer Menge Präzision, die das Terroir und Klima der Region und ihre besonderen Eigenschaften wirklich unverkennbar in Wein ummünzt. Weinliebhaber, vor allem Garnacha-Fans und Finesse-Interessierte sollten Terroir Sense Fronteres unbedingt auf dem Schirm haben!


