Egal ob als unabhängige Region, oder als Teil von Spanien. Die Weinregion Katalonien gehört mit Priorat, Penedès und Montsant zu dem spannendsten, was das Land zu bieten hat!
Katalonien, auch »Catalunya« genannt, blickt auf eine lange und erfolgreiche Weinbaugeschichte zurück. Die Region liegt im äußersten Nordosten Spaniens, grenzt nur an Frankreich im Norden, das Mittelmeer im Osten und Aragon im Westen. Katalonien ist, nach Castilla La Mancha, die zweitgrößte Weinregion Spaniens mit knapp 80 000 Hektar an Rebfläche. Ungefähr 30 000 davon sind für die Cava Produktion vorgesehen, die restlichen 50 000 für die Produktion von Stillweinen. Aus diesen 80 000 Hektar werden, je nach Jahr, ungefähr 360 Millionen Liter Wein gemacht, davon knapp die Hälfte als Cava. Ein mediterranes Klima prägt die Region und zeigt sich durch warme Sommer und milde Winter, die die Trauben maßgeblich beeinflussen. Das Terrain lässt sich als sehr divers beschreiben: Küsten, Täler, Berge und Seen, Katalonien hat alles davon. Vor allem die Berge sind für den Weinbau besonders relevant: Die höchstgelegenen Regionen Priorat, Montsant und Alto Penedès liegen auf bis zu 800 m über dem Meeresspiegel. Auch der Niederschlag ist für spanische Verhältnisse mit 600 mm pro Jahr im Mittel recht hoch und bietet damit einzigartige Bedingungen für den Weinbau.
Eingeteilt ist die Region in 11 verschiedene DOs und sogar eine DOQ. Diese 11 sind: DO Alella, DO Cava, DO Conca de Barberà, DO Costers del Segre, DO Empordà, DO Montsant, DO Penedès, DO Pla de Bages, DOQ Priorat, DO Tarragona und DO Terra Alta.Der DOQ-Status (Denominació d’Origen Qualificada) stellt den höchsten Status des spanischen Weinbaus dar und wird neben dem Priorat in Katalonien nur noch von der Region Rioja besessen. Die größte der DOs ist die DO Cava, welche ausschließlich für Schaumweine genutzt werden darf. Diese besonderen Voraussetzungen plus der Erfindergeist und die Leidenschaft, den Katalonien schon lange innehat, machen die Region zu einer der spannendsten Weinbauregionen weltweit!
Angeblich waren es die alten Griechen, die den Wein nach Katalonien brachten, doch es waren Römer, die den Wein für Katalonien zur Wichtigkeit verhalfen.Für die Römer war der Wein ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und die Stadt Tarragona wurde durch ihn zu einer wichtigen Handelsmetropole der Antike. Nach dem Fall des römischen Reichs und die häufigen Invasionen der Region kam der Weinbau und seine kulturelle Bedeutung im 8. Jahrhundert fast zum Erliegen. Wie so oft sind es die Klöster und die Mönche, die den Weinbau wiederbeleben und den Wein bis zum 18. Jahrhundert wieder zu einem wichtigen Wirtschaftsgut machten. Doch die Reblausplage und die faschistische Diktatur im 19. und 20. Jahrhundert machten diese Arbeit quasi wieder zunichte. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges sind es einzelne Pioniere, die dem Weinbau in Katalonien neues Leben einhauchen, ihn weiterentwickeln und die Region zu dem spannenden Gebiet machen, das es heute ist!
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges dauerte es ungefähr bis in die 1970er, bis sich der Weinbau in Katalonien neu erfand. Diese Revolutionen hatten vor allem zwei Themen: Rebsorten und ökologischen Anbau. Es war Miguel Torres, der durch sein Studium im Burgund damit begann, im heimischen Familienweingut auf moderne Technologien und internationale Rebsorten zu setzen. Damit begann er in Katalonien quasi den Aufbruch in den modernen Weinbau, wie wir ihn heute kennen. Den großen Fokus auf ökologischen Weinbau hat Katalonien vor allem einer Person zu verdanken: Josep Maria Albet i Noya. Schon 1983 stellte er den Betrieb, den er von seinem Vater erbte, komplett auf Bio um. Was heute niemanden mehr überrascht, war damals eine absolute Neuheit, die ihm allerdings viel Spott von Kollegen einbrachte. Mittlerweile werden aufgrund seiner Pionierarbeit mehr als 50% der Rebfläche in Katalonien biologisch bewirtschaftet, was die Region damit global zu einem absoluten Vorreiter macht. Wie man sieht, braucht es für jede Revolution jemanden, der so fest davon überzeugt ist und mit wehender Fahne voraus geht.
Cava ist wahrscheinlich neben dem FC Barcelona das prominenteste Produkt aus Katalonien. Das auch nicht ohne Grund, in der DO Cava lässt sich sowohl Massenware für wenig Geld finden als auch Top-Schaumweine auf Weltklasse Niveau. Die meisten Cavas stammen aus der absoluten Herzkammer des spanischen Schaumweins, der D.O. Penedès. Die D.O. erstreckt sich über 26.000 Hektar von der Mittelmeerküste bis in die kühlen Hochlagen von über 600 Metern in den Kalksteinhügeln des Hinterlandes. Im Zentrum, rund um Sant Sadurní d'Anoia, dominiert der Cava, der nach der traditionellen Flaschengärung aus den autochthonen Sorten Xarel·lo, Parellada und Macabeo entsteht. Vor allem Xarel·lo und Parellada liefern dank ihrer Frische und Säure die perfekte Basis für den Schaumwein. Allerdings ist das Penedès mehr als nur Cava! Die Region zählt zu dem vielseitigsten, was das Land zu bieten hat. Vor allem die Familie Torres leistete hier sehr viel Pionierarbeit, indem sie Klassiker wie Chardonnay und Cabernet Sauvignon pflanzte. Mit großem Erfolg! Im Bereich der Schaumweine sind es Produzenten wie Gramona, Raventos i Blanc oder Recaredo, die mit langem Hefelager zeigen, dass spanische Schaumweine zu den besten gehören, was die Welt zu bieten hat. Auch die Produktion von Stillweinen im Penedès ist nicht zu vernachlässigen: Produzenten wie L’Enclos de Peralba, ein Projekte der Gramona Söhne Roc und Leo, oder Can Rafols dels Caus produzieren hier sowohl aus einheimischen Rebsorten, wie Xarel·lo,Macabeo oder Sumoll, als auch aus internationalen Rebsorten wie Chenin Blanc oder Viognier, Rot- und Weißweine mit Weltformat, die Penedès auch für Stillweine sehr interessant machen.
Das Priorat (DOQ) ist das spanische Synonym für Terroir-Extremismus und Spitzenqualität; es besitzt als einzige Appellation neben der Rioja den höchsten Qualitätsstatus Spaniens. Die Region ist ein glühender Kessel aus steilen Terrassen, deren Geheimnis im dunklen, kargen Llicorella-Schiefer liegt. Dieser Boden verleiht den Weinen aus Garnacha und Cariñena ihre legendäre, kraftvoll-mineralische Art, die von Kritiker-Höchstpunktzahlen (bis zu 100 Punkte!) geadelt wird. Die Weine sind voluminös, strukturiert und extrem langlebig. Wer Priorat erleben will, kommt an den Monumenten von Alvaro Palacios (L’Ermita) und den biodynamischen Meisterwerken von Terroir al Limit und Clos Mogador nicht vorbei.
Die D.O. Montsant umschließt das Priorat fast vollständig und wurde lange als dessen »kleiner Bruder« betrachtet – ein Irrtum, der längst korrigiert ist. Montsant ist der katalanische Shootingstar, der Rotweine von vergleichbarer stilistischer Nähe, jedoch zu deutlich attraktiveren Preisen liefert. Der entscheidende Unterschied liegt im Boden: Während der Schieferanteil geringer ist, dominieren hier mehr Kalk und Lehm, was die Weine eine Spur feiner und zugänglicher macht, ohne ihre Saftigkeit zu verlieren. Dieses immense Potenzial zieht junge Winzertalente an. Extrem spannend im Montsant sind unter anderem die packenden Rot- und Weißweine von Venus La Universal und die mineralischen und komplexen Weine von Terroir Sense Fronteres.
Aktuell entwickelt sich Katalonien wirklich zu einer sehr spannenden Region. Sehr deutlich lässt sich die ökologische Wende im Weinbau in Katalonien erkennen. Diese Standards werden von immer mehr Produzenten übernommen, was oft auch zu einer Steigerung der Qualität führt. Vor allem Entwicklung wie das »Classic Penedès« treiben diese Entwicklung noch rapider voran. Des Weiteren lässt sich auch ein Trend zur Rückkehr der heimischen Rebsorten erkennen. Immer mehr Winzer bekennen sich zum Erbe der Region und produzieren Top Weine aus alt-katalanischen Rebsorten wie Samsó oder Sumoll. Auch in der Cava Produktion versuchen sich Produzenten immer weiter zu differenzieren. Das neue Projekt »Classic Penedès« zeugt vom Trend, sich von der Massenware der DO Cava abzusetzen und einzelne bessere Appellationen zu schaffen. Dieser Trend setzt sich auch mit den Lagen- und Dörfer-Appellationen fort. Vor allen Dingen im Priorat wird das System des Vins de Vila weiter verfeinert, um kleinere Appellationen und Unterschiede zeigen zu können. Der letzte klare Trend ist der Aufstieg des Montsant! Die Region wurde sehr lange wirklich stiefmütterlich behandelt, aber in den letzten Jahren hat die Qualität dort so zugenommen, dass man für tolle Preis-Leistungs-Weine kaum noch an der Region vorbeikommt. Zurecht!






