Wittmann: Spätburgunder Gundersheimer Aus Ersten Lagen 2022

Wittmann: Spätburgunder Gundersheimer Aus Ersten Lagen 2022

BIO

VDP

Limitiert

Zum Winzer

Spätburgunder 100%
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2025–2037
seidig & aromatisch
pikant & würzig
Lobenberg: 95/100
Parker: 91/100
Deutschland, Rheinhessen
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Gundersheimer Aus Ersten Lagen 2022

95
/100

Lobenberg: Erst seit wenigen Jahren ist Philipp Wittmann in Gundersheim unterwegs. Die zerklüfteten, leicht hängigen Weinberge sind super spannend und Philipp hat lange damit geliebäugelt in der Großen Lage Höllenbrand Parzellen zu übernehmen. Als sich die Chance ergab hat er zugeschlagen. Aus dieser Top-Lage wird dieser Spätburgunder und der Gundersheimer Riesling erzeugt, beide potenziell GG-Material. Sehr selektive Handlese, Sortierung der Trauben und dass Abbeeren von Hand sowie eine traditionelle Maischegärung mit behutsamen Unterstoßen des Maischekuchens von Hand, sind die Grundlage für diesen finessenreichen Pinot. Schon beim ersten Probieren war mir klar, dass wir diesen Wein brauchen! Die Nase ist eine Wucht, kraftvoll und tief, aber so fein dabei. Reiche, intensive, rote Frucht, alles vibriert und spielt, Sauerkirsche, Veilchen, ein Duft wie ein großer Burgunder. Erdig-würzig, kalkig, satt mineralisch. Ein traumhafter Duft! Nicht weniger betörend geht es im Mund zu, wo sich erst kreidige Frische mit Sauerkirsche und Johannisbeere ausbreitet, um dann von einer fest zupackenden Struktur und erdiger Würze pikant abgelöst zu werden im Nachhall. Ein super Spätburgunder und einer der besten, die Philipp bisher gemacht hat. Exzellent! 95/100

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

91
/100

Parker über: Spätburgunder Gundersheimer Aus Ersten Lagen

-- Parker: From eight-year-old vines in the Höllenbrand site, Wittmann's 2022 Gundersheimer Spätburgunder 1G opens with a deep, pure, fresh and toasty bouquet of sour cherries, black berries and crushed salt. It becomes significantly finer and more aromatic with aeration. Silky, fresh and juicy on the palate, this is a medium to full-bodied, intense and charmingly round and tender Pinot with good fruit intensity, remarkably fine tannins and a long, intensely aromatic and vivacious finish with dark berry aromas. 13% stated alcohol. Natural cork. Tasted in October 2024.

Mein Winzer

Weingut Wittmann

Das Weingut Wittmann existiert seit vielen Generationen. Inzwischen führt Philipp Wittmann das Weingut in langer Familientradition. Unter seinen Händen ist Wittmann neben KP Keller heute ganz klar das renommierteste Weingut für trockenen Riesling in Rheinhessen. Die Eltern, Elisabeth und Günter,...

Spätburgunder Gundersheimer Aus Ersten Lagen 2022