Weingut von der Mark: Diebskinzig Gemischter Satz 2023

Weingut von der Mark: Diebskinzig Gemischter Satz 2023

Zum Winzer

Chardonnay, Diverse, Grauburgunder, Savagnin, Viognier, Weißburgunder
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2025–2034
fruchtbetont
voll & rund
mineralisch
Lobenberg: 92–93/100
Deutschland, Baden
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Diebskinzig Gemischter Satz 2023

92–93
/100

Master of Wine Jürgen Von der Mark ist ein qualitätsbesessener, akribisch arbeitender Winzer, der seit 2003 im Markgräflerland, dem äußersten Südwesten Deutschlands, auf überschaubaren drei Hektar Weinbau betreibt. Nahezu alles Handarbeit, der Meister macht hier alles selbst vom Weinberg bis zum Keller. Kern der Produktion sind ganz klar die Spätburgunder, die fraglos zu den zartesten Versuchungen des Landes aus dieser Sorte zählen. Aber es gibt auch einen kleineren Anteil Weißwein im Weingut. Seit 2019 heißt der Wein jetzt Weißer Satz, weil Gemischter Satz ein geschützter Begriff Österreichs ist und die Weinkontrolle es Jürgen verboten hat. Diesen Gemischten Satz, der im Gewann Diebskinzig wächst, hat Jürgen von der Mark selbst angelegt. Er ist Ausdruck seiner Neugierde und Experimentierfreude, denn darin befinden sich auch viele für Deutschland durchaus exotische Rebsorten wie Aligote und Savagnin. Ein Gemischter Satz aus Südbaden, und dann noch so ein spezielles Teil? Insgesamt hat Jürgen 12 Sorten in diesem Blend. Das ist schon ein Kuriosum. Etwa 75 Prozent des Blends bestehen aus Chardonnay, Weißburgunder und Grauburgunder, dazu kommen Orleans, Aligoté, Savagnin, Petit Manseng und noch diverse andere. Eine ausgefallene Mischung also, sehr spannend, dementsprechend interessant ist auch der Wein. Orlean und Petit Manseng bringen Säure, sind aber extrem spät reifend, diese beiden Sorten muss Jürgen rund zwei Wochen nach den anderen ernten. Der Ausbau geschieht in zwei Betoneiern. Der Wein bleibt bis zur nächsten Ernte auf der Hefe liegen. Abgefüllt wird dann unfiltriert, mit nur ganz leichter Trübung. Wiesenkräuter, Grüntee, Kamille, Quittenschale, Algen, Zitronenmelisse, sehr kräutrig, frisch, würzig, herb. Durchaus eine gewisse Konzentration andeutend. Die große Überraschung ist die hohe Frische aus diesem warmen Jahr, das zieht sich dann auch durch den Gaumen. Dann kommt Mandarine, Orangenblüte, Quittenschale. Das ist ein sehr vielschichtiger Wein, der die Idee eines gemischten Satzes perfekt zum Ausdruck bringt. Sehr glockenklar, kristallin und safgtig. Jede Sorte bringt hier einen eigenen Charakter ein und lässt so einen komplexen, mehrdimensionalen Wein entstehen. Schönes Volumen, samtig-dichter Körperbau bei immerwährend hohem Frischeempfinden aus der reifen Säurestruktur, dem Salz und der griffigen Phenolik. Gute Länge im saftig-mineralischen Spiel und trotz der Fülle ein animierender, trinkfreudiger Antritt auf der Zunge.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

Mein Winzer

Weingut von der Mark

Mitte der Neunziger Jahre zog der studierte Geisenheimer Önologe Jürgen von der Mark von Landau nach Efringen-Kirchen im Markgräflerland, nahe der Schweizer Grenze. 1996 erlangte er dann als erster Deutscher in der Geschichte den renommiertesten Titel der Weinwelt: Master of Wine. Die nächsten Jahre...

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