Der Goldberg ist und bleibt das Aushängeschild des Hauses Prieler. Die Reben wurden bereits Anfang der 1970er von Georg Prielers Vater in echter Pionierarbeit gesetzt – auf einer Riede, die im Leithaberg eine Sonderstellung einnimmt: statt Leithakalk dominiert hier Schiefer. Ein karger, wärmespeichernder Boden, der dunkle, dichte Blaufränkisch-Typen mit enormem Druck hervorbringt. Die Bewirtschaftung erfolgt biologisch, gelesen wird streng selektiv per Hand. Spontangärung in offenen Bottichen, rund drei Wochen Maischekontakt, regelmäßig per Hand untergestoßen – genug Extraktion für Tiefe, aber nie zu viel. Danach 26 Monate im großen Holz: kein Barrique, keine Maskerade, reine Herkunft. 2022 wirkt bereits in der Nase extrem beeindruckend: noch einen Hauch dichter, konzentrierter und kirschfokussierter als der Vorgängerjahrgang. Ein Kern aus schwarzer und Herzkirsche, fast likörig verdichtet, dazu dunkle Waldbeeren, etwas Schlehe und eingekochte Zwetschge. Die Frucht steht klar im Mittelpunkt, wirkt satt, reif und doch kühl geführt. Begleitet wird sie von ätherischen Noten – Minze, schwarzer Tee, etwas Lakritz – und einem Hauch Graphit, feuchter Erde und leicht rauchigen, schieferigen Akzenten. Die Würze erinnert an geräucherten Pfeffer und gibt dem Wein einen straffen, tiefen Rahmen. 2022 bietet insgesamt mehr Druck und Tiefe, aber ohne jegliche Breite – alles präzise und fest umrissen. Am Gaumen zeigt sich der Jahrgang noch eindrucksvoller. Der Goldberg besitzt ein massives, aber ultrafeines Tannin, perfekt geschliffen, mit enormer innerer Spannung. Die konzentrierte, dunkle Kirschfrucht schiebt kraftvoll durch den gesamten Mundraum, saftig, dicht und mit einer fast süß wirkenden Reife, obwohl der Wein natürlich trocken ist. Die Säure ist reifer als 2021, eher in Richtung Blutorange und saftige rote Zitrusfrucht, bringt aber genau die nötige Frische und Präzision, um die Fülle einzufangen. Das Ergebnis ist ein permanentes Hin und Her zwischen Tiefe, Saftigkeit, Druck und kühler Mineralität – der Wein ist in Bewegung, wirkt vibrierend und ungemein lebendig. Der Abgang ist lang, dunkelwürzig und salzig-mineralisch, mit einer feinen Spur von bitterem Kakao und Schieferstaub. Alles an diesem Wein sitzt an der richtigen Stelle: Kraft, Eleganz, Herkunft und Intensität. Ein wirklich großartiger Blaufränkisch aus einem hervorragenden Jahr. 2022 liefert mehr Konzentration und kirschige Wucht, bleibt aber klar, fokussiert und ungemein fein.