Weingut Eymann: Spätburgunder Mandelgarten 2022

Weingut Eymann: Spätburgunder Mandelgarten 2022

BIO

Zum Winzer

Spätburgunder 100%
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2029–2050
seidig & aromatisch
strukturiert
Lobenberg: 97–99/100
Suckling: 99/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Mandelgarten 2022

97–99
/100

Lobenberg: Der Mandelgarten ist sicherlich der beeindruckendste Pinot von Vincent Eymann. Gleich im ersten Ansatz einer dieser seltenen deutschen Pinots, die einen sofort in ihren Bann ziehen, nicht durch übermäßige Schwere oder Konzentration, sondern vielmehr wegen der vibrierenden Energie, Tiefe und einfach ordentlich Ernsthaftigkeit. Eymanns Weinberg an sich liefert dafür das perfekte Fundament: südlich von Gönnheim, ein sanft fallender Südhang, geprägt von schwerem, wärmespeicherndem Löss. Die extrem dichte Bepflanzung mit 10.000 Reben pro Hektar bringt eine ungewöhnliche Konkurrenzsituation in den Weinberg – die Stöcke wurzeln tiefer, arbeiten härter, ergeben winzige Erträge von enormer Konzentration. Spontane Maischegärung mit einem deutlichen Anteil Ganztrauben, anschließender Ausbau in Barriques und Tonneaux aus französischer Eiche. In der Nase unglaublich fein und gleichzeitig druckvoll. Würze von schwarzem Pfeffer, Wacholder und Piment, getrocknete Kräuter, dann viel schwarze Kirsche, dunkle Himbeernoten, Brombeere, alles kühl und tief verankert. Keine breite Frucht, sondern eine präzise, schneidende Aromatik, die sofort an große, sehnige Burgunder erinnert. Am Gaumen hebt er sofort ab – straff und mit einer strahlenden, glockenklaren Säure, die die Kirschfrucht in perfekte Form bringt. Die Tannine sind federleicht und doch messerscharf definiert, nahezu pudrig, unglaublich fein verwoben. Es ist dieser Kontrast aus Dichte und Leichtigkeit, aus Konzentration und schwebender Eleganz, der den Mandelgarten so unverwechselbar macht. Im Abgang baut sich nochmal eine stille Wucht auf: lang, mineralisch, salzig, mit einem enormen innersinnigen Druck, der erst ganz zum Schluss in eine vibrierende Kräuterwürze übergeht. Die Vitalität ist fast irre, der Nachhall bleibt minutenlang präsent. Ein präziser, kraftvoller, tiefensatter Pinot Noir mit echter Größe und grandiosem Zukunftsversprechen. Einer der wenigen pfälzer Pinots, die die internationale Benchmark ernsthaft mitbestimmen.

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

99
/100

Suckling über: Spätburgunder Mandelgarten

-- Suckling: Extremely spicy, herbal and rooty, this unbelievable German pinot noir has enormous concentration, dangerous energy and superfine tannins that give it terrific focus and drive. Mind-blowing vitality in the enormously long and intensely minerally finish. Limited production from biodynamically grown grapes with Demeter certification.

Mein Winzer

Weingut Eymann

Wer heute in der Pfalz von biodynamischem Weinbau spricht, kommt am Weingut Eymann kaum vorbei. Was Anfang der 1980er-Jahre hier und da noch als »Exotenprojekt« belächelt wurde, ist längst zu einem festen Bezugspunkt für naturverbundenen Spitzenwein geworden.

Spätburgunder Mandelgarten 2022