Die Region Montsant ist geografisch um die Region Priorat herum gelegen und stand lange Zeit im Schatten des wesentlich bekannteren Nachbarn. Für Insider wurde das Montsant bereits vor drei Jahrzehnten zum verlässlichen Lieferanten für Weine gleichwertiger Qualität, aber zu bedeutend attraktiveren Preisen. Venus ist ein Weingut, das von zwei absoluten Ikonen des Priorat geführt wird, nämlich René Barbier – bekannt durch seinen Clos Mogador – und Sara Perez, der Chief-Winemakerin von Mas Martinet. Wer aufgrund dessen hier relativ klassische Weine erwartet, liegt falsch, denn dieser Stoff polarisiert! Die hochspannenden Weine sind ein wildes Erlebnis für erfahrene Weinfans, Liebhaber der oxidativen Weine aus dem Jura und mutige Abenteurer. Alle Weinberge werden aus Überzeugung biologisch bewirtschaftet. Die Trauben kommen von einem halben Hektar über 60 Jahre alter, knochiger Rebstöcke, die auf kalkhaltigem Lehm nahe Falset stehen. Cartoixa ist der dort typische Name für die Rebsorte Xarel-Lo, die auch in vielen Cava Weinen eine wichtige Rolle spielt. Sara und René verwirklichen ihre Vorstellung eines perfekten »Naturweins« in diesem Venus. Die Trauben werden abgepresst und in einem 600 Liter Fass über drei bis sechs Monate hinweg vergoren – das geht hier also echt im Schneckentempo! Anschließend bleibt Venus weitere 14-15 Monate in diesem Fass, dann folgen mindestens weitere zwei Jahre Flaschenlager. Ich empfehle den Wein zu karaffieren und bestenfalls in einem großen Burgunderglas zu servieren, denn die Entwicklung mit etwas Luft ist atemberaubend! Der Wein steht in zartem, wolkigem Altgold im Glas. Intensiv steinige Nase von Granit und frischem Gesteinsmehl auf reifen Aprikosen, Reineclauden, Orange Marmalade und würzigen, angeschnittenen, roten Weihnachts Äpfeln. Duftige weiße und gelbe Blüten, Lavendel, Zitronenmelisse, blühender Thymian, vielschichtige, aromatische auch dezent herbe mediterrane Kräuter mit einer attraktiven Kombination aus nussigen Aromen mit Orangenabrieb legen sich darüber. Insgesamt hat die steinige Mineralität hier dennoch das Sagen – dieser Wein hat schon beim Riechen unglaublich viel Charakter! Im Mund hat er dann burgundische Züge. Die Augenbrauen werden hochgezogen – wow, das ist eine geniale Entdeckung! Salziger Kalkstein geht mit viel Spannung und Frische in cremige, gelbe Frucht über. Gelbe Äpfel und saftiger Pfirsich mit intensiven braunen und weiße Gewürzen offenbaren eine aromatische Süße, die zugleich mit diesen zitrischen und nussigen Aromen spielt. Der Stoff ist definitiv eine spannende Alternative zu vielen Weinen aus dem Burgund und dem Jura. Ich bin sehr begeistert!
Der Winter 2020/2021 brachte zwischen Dezember und März sehr viel Regen und Schnee, auch etwas Frost. Die Böden waren vor dem Austrieb der Reben mit ordentlichen Wasserreserven gefüllt – ein guter Start in den Jahrgang 2021. Die Blüte verlief bis auf kleine Verrieselungen ziemlich normal, kein Frost, kein Mehltau. Dann folgten nach einem trockenen Mai noch vor der Blüte große Regenmengen im Juni. Nach der Blüte begann ein sehr trockener, warmer, teils heißer Sommer. Hitze- und Trockenstress waren die Folge, die Reben machten ab Mitte August total dicht, um sich zu schützen. Die Beeren waren zu diesem Zeitpunkt dickschalig und kerngesund, Sorge bereitet aber die phenolische Reife, die durch den Stillstand der Reben nicht erreicht werden konnte. Dieses Phänomen gab es in allen Regionen der nördlichen Hälfte Spaniens, also in allen Topregionen. Von Anfang September bis zum 25. September gab es einige Tage satten Regen. Durch die neue Wasserversorgung setzten Photosynthese und Reifung sofort ein. Ab dem 25. September war es trocken, extrem sonnig und warm, nachts sanken die Temperaturen deutlich. Fünf traumhafte Wochen mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nach und hochintensiver Sonne folgten. Diese große Kühle, ja Kälte der Nächte, nach dem letzten Regen vom 25. September, gilt als der Schlüssel zu diesem großen, reifen und zugleich frischen Cool-Climate-Jahrgang. Das Ergebnis waren überall hochgesunde, dickschalige Beeren mit sattem Tannin und hoher Säure vor der Lese im Herbst. Die Weine sind weniger extremreif und immens als 2019, aber deutlich aromatischer und reifer als 2018, mit einer Frische, die ihresgleichen sucht.