Nach dem Jahrgang 2018 ist dies der zweite Jahrgang, in dem Nick und Stefi (Stefania) einen einzigen Barolo aus einem Blend ihrer beiden Lagen erstellt haben, statt diese separat abzufüllen. Mehr Details zu den einzelnen Komponenten finden Sie im Jahrgangsbericht des Weinguts. Auf jeden Fall ist es ein großes finanzielles Zugeständnis für das junge Weingut, den jedes Jahr locker ausverkauften Rocche dell’Annunziata nicht separat abzufüllen. Eine unbestreitbare Bestätigung der kompromisslosen, hochklassigen Qualitätsschiene, die hier gefahren wird. Der Barolo La Morra 2022 besteht aus 82 Prozent Trauben der kühlen Hochlage Berri und 18 Prozent Trauben der warmen Lage Rocche dell’Annunziata. Die Reben im Berri sind relativ jung und wurden 2006 auf Kreide- und Kalksteinböden gepflanzt. Ein extremes Finesse-Terroir, das eigentlich perfekt für Pinot Noir wäre. Hochgelegen zwischen 350 und 420 Metern. Bis zu 8.000 Pflanzen pro Hektar stehen hier. Verschiedene Klone, dabei ein großer Anteil einer Selection Massale aus dem eigenen, alten Weinberg im Rocche dell´Annunziata. Der Ertrag liegt bei unter 40 Hektolitern pro Hektar. Der Großteil der Reben in Rocche wurde 1961 gepflanzt. Das heißt also über 60 Jahre alte Reben mit winzigem Ertrag. Ein kleiner Teil wurde 1989 gepflanzt und ein weiterer etwas früher, 1951. Ein Amphitheater mit Südost bis Südwest Ausrichtung, d.h. der Weinberg läuft komplett durch eine Südexposition hindurch in einem relativ warmen Mikroklima auf 240-280 Höhenmetern. Der Besitz des Weinguts liegt direkt neben der Parzelle von Roberto Voerzio und unterhalb derer von Bartolo Mascarello. Die Trauben wurden 2022 zum Großteil entrappt, nur in der Gärung des Berri sind 20 Prozent Ganztrauben enthalten, die direkt aus dem Korb in den Gärtank gekippt wurden. Dadurch beginnt die Vergärung innerhalb der Beeren, eine »Maceration Carbonique« also, die hauptsächlich durch die Beaujolais-Region Bekanntheit erlangte. Sie führt zu sehr puristischen, fruchtintensiven Aromen. Bevor die Gärung mit wilden Hefen spontan beginnt, wird eine Nacht lang eine Kaltmazeration bei 15 bis 16 Grad durchgeführt. Die Gärung wird mit ein paar Litern einer bereits laufenden Barbera-Gärung geimpft und angeregt, sie läuft dann langsam über zwei bis drei Wochen ab und findet komplett im Betontank statt. Danach verbleibt der Wein noch eine weitere Woche zur Mazeration auf den Traubenschalen. Dieses Jahr wurde nicht mit dem traditionell durch Holzbalken untergedrückten Trester (Cappello Sommerso) gearbeitet. Die Malo fand noch im Betontank statt. Nachdem der Wein sanft abgepresst wurde, ging er komplett in große Holz-Botti von 2.500 und 5.000 Litern Größe. Alles wurde separat gelesen und bis Mai 2025 auch separat ausgebaut, insgesamt verbrachte der Wein 25 Monate lang im Holz. Nachdem der Blend in Juni 2025 zusammengestellt wurde kam der Wein anschließend nochmal vier Wochen in den Betontank, dann wurde mit abnehmendem Mond abgefüllt. Leuchtendes, mittleres Rubinrot mit einem Hauch Orange. Im ersten Moment ist die Nase salzig und mineralisch gezeichnet mit Jod, frischem Blut, Fleisch, würzigem Teer und Salzlakritz. Die zarte, tänzelnde, schwebende, elegante Frucht in Form von roten Kirschen, auch etwas Johannisbeere und vielen ebenfalls feinen ätherisch würzigen Kräutern, wie Eisenkraut aber auch weißen Blüten und Veilchen. NIEMALS würde man hier auf einen heißen Jahrgang schließen! Dieser Barolo bebt vor Präzision, unendlicher Feinheit und Zartheit. Die Frucht ist nicht süß oder reif, sondern liegt in knackiger Frische präzise im Glas. Auch im Mund ist der Barolo La Morra ausdrucksstark und saftig, eher auf der frischen und rot-fruchtigen Seite mit Hagebutten und Erdbeeren mit ätherischem Orangenabrieb und etwas saftiger Nektarine. Die klassischen Nebbiolo-Tannine sind geschliffen und samtig fein, sie sind sogar mit der herrlich saftigen roten Frucht verschmolzen. Im Nachhall bleiben saftige, frische Erdbeeren auf der Zunge mit einem Hauch Lakritz und weißem Nougat. »This is the most Roagna-Style wine we have ever made!« Lächelt Nick zufrieden, als ich über diese schwebende, zarte Finesse ins Träumen gerate. Dieser Wein hat wie gesagt nichts mit dem Charakter eines heißen Jahrgangs zu tun. Die samtigen Tannine machen den Stoff schon enorm zugänglich, saftig und charmant. Zudem hat dieser Barolo La Morra eine wunderbare Länge. Was für eine großartige Überraschung des Jahrgangs! Ich bin von diesem jungen Winzer-Paar jedes Jahr mehr begeistert! Einer der besten Barolo Classico des Jahrgangs und ganz klar ein Wein, der eigentlich ein Chambolle-Musigny werden wollte. Absolut famos!