Entgegen dem Trend in Bolgheri setzt das Weingut Argentiera mehr auf Merlot als auf Cabernet Sauvignon und erhöhte daher sogar den Anteil der Rebsorte in den letzten Jahren im Blend. Das liegt daran, dass das Weingut über das perfekte Terroir für die Rebsorte verfügt und seinen Merlot auf hochwertigen Tonböden in einer eher kühleren Nord-Exposition gepflanzt hat. In Bolgheri ist das ziemlich einzigartig. Die zudem recht hoch situierte Lage führt zu guter Säure und einem niedrigeren Alkoholgehalt im Vergleich zu anderen Merlots der Region Bolgheri. Daher wird hier sogar fast ein Monat später gelesen! Im finalen Blend sind 45 Prozent Merlot, 45 Prozent Cabernet Sauvignon und 10 Prozent Cabernet Franc. 12-monatiger Ausbau in Barriques, davon sind jedes Jahr ungefähr 35 bis maximal 50 Prozent neu, Winzer Nicolò Carrara nimmt tendenziell eher weniger Neuholz, weil der Wein das für seine Struktur gar nicht nötig hat. 2022 wurde kein Cabernet Franc aus der Einzellage Ventaglio gemacht, weil die Menge der gelesenen Trauben einfach viel zu klein war. Daher gingen die Trauben mit in diesen Bolgheri Superiore. Tiefes Rubinrot. Reife und konzentrierte dunkle Beeren, Pflaumen, auch Trockenpflaumen, Kirschen, Veilchen mit Bitterschokolade. Tiefe, mineralische Aromen von Blut und abgehangenem Fleisch verleihen dem Stoff seine Würze, Aromen dunkler Schokolade und einen Hauch Mokk. Das »Lecker-Gen« ist eingebaut. Dieser Wein ist in seiner Dichte erhaben und zugleich elegant. Im Mund gleitet er in schöner Spannung über die Zunge. Bereits im jungen Stadium ist der Wein runder und cremiger als der griffigere, kurz davor probierte Caccia al Piano. Die Tannine sind samtig und fein mit erstaunlich präziser, ausgleichender Frische, die laut Nicolo hier von den Merlot-Trauben der höheren Lagen kommt. Schwarzkirsche mit Brombeeren, dezent bitterer Lakritz und Bitterschokolade und erdiger, ätherischer Kräuterwürze im wohldosierten, ausgeglichenen Nachhall. Der Jahrgang ist sogar schon beinahe zugänglich. Ein echt schicker Bolgheri Superiore!
Der Jahrgang 2022 startete in Bolgheri mit einem relativ kühlen Winter, gefolgt von einem ebenfalls eher kühlen und trockenen Frühling, der zu einem späteren Austrieb der Reben führte. Ab Ende Mai stiegen die Temperaturen stark an. Es folgte mit etwa 75 Tagen eine relativ lange Zeit, die von Hitze und Temperaturen um die 35°C sowie von Trockenheit geprägt war. Die Reben mussten im Sommer zum Teil unter diesen gnadenlosen Bedingungen leiden. Glücklicherweise brachten die Sommergewitter Ende August eine Erleichterung und konnten das physiologische Gleichgewicht der Rebstöcke wiederherstellen. Im September sorgten ausgleichende, kühle Nächte dafür, dass die Trauben vollständig und gleichmäßig ausreifen konnten. Die Weinlese der Rotweine fand unter ausgezeichneten Bedingungen von Anfang September bis Mitte Oktober statt, und die Weingüter der Region Bolgheri konnten deshalb den perfekten Lesezeitpunkt jeder Parzelle in Ruhe bestimmen. Der Jahrgang 2022 ist ein Beweis dafür, wie Reben selbst unter anspruchsvollen Bedingungen Trauben von großer Qualität und eigenständigem Charakter hervorbringen können. Die Weine des Bolgheri-Jahrgangs 2022 sind konzentriert, druckvoll, samtig und von dichter, reifer Frucht mit beeindruckender Tiefe geprägt. Trotz ihrer zum Teil etwas früheren Zugänglichkeit haben die Rotweine zugleich eine einzigartige Konzentration ihrer Tannine, sowie eine sagenhafte Ausgewogenheit, die ein längeres Reifepotenzial verleiht.