Salwey: Oberrotweil Spätburgunder Ortswein 2022
- Spätburgunder 100%
- rot, trocken
- 13,5% Vol.
- Trinkreife: 2026–2037
- saftig
- seidig & aromatisch
- Lobenberg: 93–94/100
- Parker: 92/100
- Decanter: 96/100
- Deutschland, Baden
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Salwey GbR, Stephanie & Konrad Salwey, Kirchweg 11, 79235 Vogtsburg/Niederrotweil, DEUTSCHLAND
Heiner Lobenberg über:
Oberrotweil Spätburgunder Ortswein 2022
/100
Da es noch keine Erste Lage bei Salwey gibt, ist der Ortswein das direkte Bindeglied zu den GGs und wird mit extrem hochwertigem Traubenmaterial aus den besten Lagen und abgestuften Fässern der GGs garniert. Eine Cuvée aus den drei Großen Lagen Eichberg, Kirchberg und Henkenberg. Sozusagen ein »Village +«. Komplett entrappt. Die Nase zeigt wohin die Reise geht bei Salwey! Schwarze und rote Kirsche in reinster Form, dazu Blaubeere, ein Hauch Holunder. Schöne dunkelmineralische Vulkanunterlegung und etwas Holzwürze dazu. Der Mund ist konzentriert, kraftvoll und wartet mit einer für diese Kategorie so enormen inneren Kraft auf, dass man aus dem Staunen schwer herauskommt. Die Waldbeeren werden von zartschmelzenden, aber massig vorhandenen Tanninen begleitet. Die Säurestruktur ist animierend und griffig im 21er, schiebt nur so über den Gaumen. Sehr frisch, saftig, pikant, natürlich im knackigen Salwey-Stil, aber gleichermaßen so verführerisch und köstlich. Ein herausragend guter Spätburgunder mit vulkanischem Terroirabdruck in seiner dunklen Würze und gleichzeitig auch hedonistisch trinkig bei beeindruckender Länge. Ein toller Wert.
Jahrgangsbericht
All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.
/100
Parker über: Oberrotweil Spätburgunder Ortswein
The 2022 Spätburgunder Oberrotweil opens with a seductive, finely flinty and floral bouquet of ripe blackberries, black pepper and toasty notes. Silky, round and almost sweet on the palate, this is a fresh, refined and very charming but seriously structured and persistent Pinot from top sites in Oberrotweil. The finish reveals redcurrant and cassis notes and a refreshing and saline volcanic Kaiserstuhl character. It's not really cheap (30 euros ex-caller) but on an excellent quality level. It is stimulatingly saline and crisp on the finish yet with persistently intense and elegant fruit and very fine tannins. 13.5% stated alcohol. Natural cork. Tasted in October 2025.,,
/100
Decanter über: Oberrotweil Spätburgunder Ortswein
The Kaiserstuhl, where Salwey’s vines grow, is a small volcanic mountain range in the Rhine valley of Baden, in the far south of Germany. Its unique soil and warm climate shape the character of Salwey’s wines, making them softer and more hedonistic. In 2002, Konrad Salwey took over winemaking from his father, Wolf-Dietrich. ‘You can’t make Burgundy in the Kaiserstuhl,’ Konrad once said. His ideal: a German Pinot Noir with fruit character, vibrancy and the ability to age. The barrel regime supports this vision – one third new oak, one third second-use and one third older barrels. Caro Maurer MW: Intense and expressive nose, dark berries overlaid by the oak spices, touches of mint and green leaves. Ripe and fine tannins, acidity firm but with good flow. Impressive. Mark Dearing: The slightly briny, iodine-laced, red fruit aroma feels volcanic, with a herbal core of nori, soy and dark cherry. Well integrated, long finish, mineral and high quality. Stefan Neumann MS: Dark fruit-scented perfume with subtle earthy undertones, Good concentration and a lovely balance, some delicate notes of cardamom, fresh vanilla. Truly outstanding with some time in the glass. One for the cellar.,
Salwey
Konrad Salwey hat auf seinem Familienweingut in Oberrotweil am Kaiserstuhl neben Friedrich Keller sicher die spannendste Entwicklung der letzten Jahre hinter sich. Salweys Weine bersten vor Spannung… und das ist am Kaiserstuhl eine Leistung.