Saalwächter: Spätburgunder Alte Reben 2023

Saalwächter: Spätburgunder Alte Reben 2023

Limitiert

Zum Winzer

Spätburgunder 100%
rot, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2027–2043
pikant & würzig
seidig & aromatisch
Lobenberg: 94+/100
Deutschland, Rheinhessen
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Alte Reben 2023

94+
/100

Der Spätburgunder »Alte Reben« stammt aus Carsten Saalwächters Lieblingsweinberg in Ingelheim. Über 50 Jahre alte Reben, reiner Muschelkalk. Die Erträge sind hier sehr gering, die Trauben dafür aber konzentriert und aromatisch. Auch wieder mit einem gewissen Anteil Ganztrauben vergoren. Natürlich ungeschönt und unfiltriert, ganz nach der Devise von seinem Lehrmeister Hanspeter Ziereisen. In der Aromatik sind wir hier deutlich intensiver und kraftvoller, auch einen Hauch dunkler als beim rotfruchtigen Spätburgunder Gutswein. Hohe Intensität, schon viel steinige Mineralik in der Nase. Rund 20 Prozent Ganztraubenanteil, spontan vergoren im geschlossenen Holzgärbottich. Keine Schönung, keine Filtration. Wie sein Lehrmeister Ziereisen macht auch Carsten Saalwächter Landwein. Ausbau für 18 Monate in französischen Barriques, rund 50 Prozent neues Holz. Das ist deutlich mehr als in früheren Jahren, aber Carsten hat einfach festgestellt, dass seine Pinots das Holz einfach gut aufnehmen und komplexer und feiner im Geschmack werden. Dafür lässt er die Weine nicht mehr so lange im Fass, nimmt sie rund ein halbes Jahr früher heraus zur Abfüllung und reift lieber in der Flasche. Die Nase der Alten Reben ist nicht mehr so reduktiv und dunkelbeerig wie in früheren Jahren, sondern etwas mehr in der roten, kirschigen Frucht, dunkel schattierte Sauerkirsche, Boysenberry, Lorbeerblatt, das typische Saalwächter-Cassis ist schon noch da, aber nur in Anklängen, wummert ganz fein im Hintergrund. Im Mund breitet sich der Spätburgunder mit einer fast körnigen Textur über die Zunge aus. Wow, was für ein Grip. Spürbare Mineralik irgendwo zwischen Graphit und Kalkstein, fesselnd und zupackend. Wahnsinnige Säurefrische, zieht die Kirsche mit rasanter Geschwindigkeit über die Zunge. Die charakteristische kühle Kräuternote zeichnet Carsten Saalwächters Weine alle aus, aber durch seine leichten Stellschrauben in der Vinifikation ist es etwas rotfruchtiger und feiner geworden. Das ist wirklich ein sehr eigenständiger, charaktervoller Spätburgunder. Beeindruckende Komplexität aus den alten Reben!

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

Mein Winzer

Saalwächter

Das Weingut Saalwächter liegt mit seinen 11.5 Hektar im beschaulichen Ingelheim am Rhein. Dem Rheingau gegenüberliegend auf der anderen Rheinseite, ganz im Norden Rheinhessens auf diesem famosen Muschelkalkplateau. Carsten Saalwächter hat uns direkt beim ersten Besuch auf dem Weingut ausgesprochen...

Spätburgunder Alte Reben 2023