Roberto Voerzio: Barolo Del Comune di La Morra 2022

Roberto Voerzio: Barolo Del Comune di La Morra 2022

Holzkiste

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2040
Verpackt in: 6er OHK
fruchtbetont
seidig & aromatisch
voluminös & kräftig
Lobenberg: 94/100
Suckling: 94/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Del Comune di La Morra 2022

94
/100

Der Barolo La Morra ist seit 2016 ein recht neuer Wein bei Voerzio, ein preisliches Zugeständnis an den Markt. Der Wein soll sortimentstechnisch und preislich die Lücke schließen zwischen dem Langhe Nebbiolo und den Barolo-Einzellagen, und somit den Kunden einen Ausblick auf das Potenzial der Spitzenweine geben, bei gleichem kompromisslosen Qualitätsstreben für diesen Wein. Allein schon wegen der Zugabe von Grand Cru-Material ist das ein wirklich ernsthafter Versuch, einen etwas bezahlbareren Wein auf annäherndem Grand Cru-Niveau zu erzeugen. Die Trauben kommen aus den Grand Cru-Lagen La Serra, Fossati, Case Nere und Cerequio. Da gibt es jeweils 8000 Stöcke – eine recht hohe Dichte pro Hektar mit 800 Gramm bis zu einem Kilo Trauben Ertrag pro Stock, bei allen anderen Baroli des Weinguts werden gerade mal 500 Gramm Trauben pro Stock gelesen. Das bedeutet, ein Rebstock ergibt nicht mal eine Flasche Wein! Extrem krass reduziert also. Die Trauben der verschiedenen Lagen werden zusammen vergoren. Es wird mit dem gleichen akribischen An- und Ausbau wie alle Barolo Top-Crus von Voerzio gearbeitet. Bioweinbau, aber ohne Zertifizierung. Nur Spontanvergärung. Wie alle Weine Voerzios 100 Prozent entrappt und mindestens 15, maximal 30 Tage auf der Maische belassen. Anschließend für zwei Jahre in Burgunder Fässern aus sehr dichtporigem Holz, das minimal getoastet wurde, ausgebaut. Es sind immer Fässer von Orion und Vicard. 20 bis 25 Prozent der Fässer sind neu, der Rest wurde maximal sechs Mal befüllt. Nach einem Jahr werden die Fässer abgezogen, gereinigt und dann reift der Wein ein weiteres Jahr in denselben Fässern. Vibrierend leuchtendes, zartes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Die intensive Nase ist ultra schön duftend und zugleich wunderbar dicht. Reife Erdbeeren, auch aromatische Walderdbeeren mit schweren, beinahe samtigen Aromen von Potpourri und etwas Aprikose. Dieses Jahr ist der Holzausbau in diesem Barolo deutlich präsenter als sonst. Eher süße Gewürze wie Zimt, Vanille, ein Hauch Marzipan und etwas Zedernholz. Im Mund ist der Wein griffig strukturiert, die Tannine haben eine beinahe pudrige Struktur, die sich auf die knackige, präzise Frische legt. Vibrierend spannungsgeladene Sauerkirschen, Cranberries und viel rote Johannisbeere. Im Mund scheint der Wein beinahe schwerelos und überraschenderweise – trotz des heißen Sommers – lebt er nicht von seiner Dichte, sondern von seiner bezaubernden Würze. Waldhimbeere, auch etwas Brombeere und Schattenmorellen im Nachhall. Der Comune di La Morra ist immer der Wein Voerzios, der schon früher zugänglich ist. Ein wirklich erstaunlich eleganter, beinahe schwebend tänzelnder und zugleich gnadenlos präziser Barolo!

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

94
/100

Suckling über: Barolo Del Comune di La Morra

A graceful wine with youthful strawberries, mint, licorice, bark and restrained blood oranges on the nose. Medium-bodied and crunchy, with firm, dusty yet dynamic tannins and crisp acidity. Tasty finish. Try after 2026.

Mein Winzer

Roberto Voerzio

„Der Barolo, den ich anstrebe, soll ein strenger Wein sein, komplex an der Nase und am Gaumen sehr feurig. Man soll verstehen, dass er Frucht bester Weinberge ist, geduldiger und emsiger Arbeit, großer Leidenschaft, in großer Einfachheit und mit Respekt vor der Natur.“ (Roberto Voerzio)

Barolo Del Comune di La Morra 2022