Der Barolo La Morra ist seit 2016 ein recht neuer Wein bei Voerzio, ein preisliches Zugeständnis an den Markt. Der Wein soll sortimentstechnisch und preislich die Lücke schließen zwischen dem Langhe Nebbiolo und den Barolo-Einzellagen, und somit den Kunden einen Ausblick auf das Potenzial der Spitzenweine geben, bei gleichem kompromisslosen Qualitätsstreben für diesen Wein. Allein schon wegen der Zugabe von Grand Cru-Material ist das ein wirklich ernsthafter Versuch, einen etwas bezahlbareren Wein auf annäherndem Grand Cru-Niveau zu erzeugen. Die Trauben kommen aus den Grand Cru-Lagen La Serra, Fossati, Case Nere und Cerequio. Da gibt es jeweils 8000 Stöcke – eine recht hohe Dichte pro Hektar mit 800 Gramm bis zu einem Kilo Trauben Ertrag pro Stock, bei allen anderen Baroli des Weinguts werden gerade mal 500 Gramm Trauben pro Stock gelesen. Das bedeutet, ein Rebstock ergibt nicht mal eine Flasche Wein! Extrem krass reduziert also. Die Trauben der verschiedenen Lagen werden zusammen vergoren. Es wird mit dem gleichen akribischen An- und Ausbau wie alle Barolo Top-Crus von Voerzio gearbeitet. Bioweinbau, aber ohne Zertifizierung. Nur Spontanvergärung. Wie alle Weine Voerzios 100 Prozent entrappt und mindestens 15, maximal 30 Tage auf der Maische belassen. Anschließend für zwei Jahre in Burgunder Fässern aus sehr dichtporigem Holz, das minimal getoastet wurde, ausgebaut. Es sind immer Fässer von Orion und Vicard. 20 bis 25 Prozent der Fässer sind neu, der Rest wurde maximal sechs Mal befüllt. Nach einem Jahr werden die Fässer abgezogen, gereinigt und dann reift der Wein ein weiteres Jahr in denselben Fässern. Vibrierend leuchtendes, zartes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Die intensive Nase ist ultra schön duftend und zugleich wunderbar dicht. Reife Erdbeeren, auch aromatische Walderdbeeren mit schweren, beinahe samtigen Aromen von Potpourri und etwas Aprikose. Dieses Jahr ist der Holzausbau in diesem Barolo deutlich präsenter als sonst. Eher süße Gewürze wie Zimt, Vanille, ein Hauch Marzipan und etwas Zedernholz. Im Mund ist der Wein griffig strukturiert, die Tannine haben eine beinahe pudrige Struktur, die sich auf die knackige, präzise Frische legt. Vibrierend spannungsgeladene Sauerkirschen, Cranberries und viel rote Johannisbeere. Im Mund scheint der Wein beinahe schwerelos und überraschenderweise – trotz des heißen Sommers – lebt er nicht von seiner Dichte, sondern von seiner bezaubernden Würze. Waldhimbeere, auch etwas Brombeere und Schattenmorellen im Nachhall. Der Comune di La Morra ist immer der Wein Voerzios, der schon früher zugänglich ist. Ein wirklich erstaunlich eleganter, beinahe schwebend tänzelnder und zugleich gnadenlos präziser Barolo!