Brunate liegt direkt neben, bzw. leicht versetzt unterhalb von La Serra und oberhalb von Cerequio, kurz hinter dem Ortsausgang von La Morra Richtung Barolo. Wie alle Lagen von Voerzio ist auch dieser Weinberg mit nur gut einem Hektar Rebfläche klein. Die Exposition ist Ost-Südost. Der Weinberg liegt durchschnittlich auf ungefähr 380 Meter Höhe. Brunate gilt unter Kennern zusammen mit Cannubi historisch als eine der zwei besten Cru aller Barolo-Lagen der Langhe. Die Böden bestehen aus kalkhaltigem Tuff und Mergelgestein. Jeder Weinstock bringt bei Roberto Voerzio deutlich unter 300 Gramm Beeren aus maximal 5 winzigen Trauben. Nur die stocknahen 5 Trauben werden belassen und einige Zeit vor der Lese wird die untere Hälfte der Traube (mit der höheren Säure) vorsichtig weggeschnitten. Diese Ertragsreduzierung soll aber nicht die Intensität erhöhen, sondern saftige Frucht mit genialer Balance erreichen. Wahrscheinlich ist Voerzio damit der extremste Winzer der Welt. Bei so extremer und qualitativ auch gewünschter Ertragsreduktion ist es dauerhaft jedoch wichtig, die Stockdichte auf Zehntausend je Hektar zu erhöhen. Das erfolgt nach und nach und wird mit Sicherheit auch noch Aufgabe der Folgegeneration um Sohn Davide Voerzio bleiben. Das Durchschnittsalter der Reben in Brunate ist um die 40 Jahre. Natürlich erfolgt hier die Arbeit vom Weinberg bis zum Keller biologisch – auf Robertos Wunsch nicht zertifiziert, da das Ansehen der italienischen Zertifikate wegen diverser Undurchsichtigkeiten arg ramponiert ist. Nur Spontanvergärung. Wie alle Weine Voerzios 100 Prozent entrappt und für zwei Jahre in burgundischen Fässern aus sehr dicht porigem Holz, das minimal getoastet wurde, ausgebaut. 20 bis 25 Prozent der Fässer sind neu, der Rest wurde maximal sechs Mal befüllt. Bei so geringen Erträgen tritt die Traubenreife deutlich schneller ein als bei Standardbetrieben, i.d.R. gibt es hier 3 Wochen Vorsprung, man erntet vor allen Kollegen oder erreicht in kühleren Jahren eine höhere Reife und Komplexität. Auch die Säure liegt bei Voerzio trotz der hohen inneren Reife immer höher, seine Weine sind immer reif und zugleich extrem frisch. Brunate ist leider immer die kleinste Menge. Nicht nur bei Voerzio, sondern auch bei allen anderen, die das Glück haben ein Stück Brunate zu besitzen oder gepachtet zu haben. Die Cru Lage Brunate zeichnet sich dadurch aus, dass sie eben den wahren Kompromiss, die wahre Harmonie darstellt zwischen dem kühlen Weinberg La Serra und dem warmen Cerequio. Eine absolute Kult-Lage, die von vielen für die größte Lage der Ortschaft La Morra gehalten wird. Leuchtendes Rubinrot. Samtige duftende, beinahe burgundische Nase. Cassis, Brombeere, süße rote Kirsche und Erdbeere mit zart verspielten Kräuternoten. Weißer Pfeffer, rote Johannisbeeren, duftende Walderdbeeren, sogar ein Hauch erfrischende Minze spielt mit. Schwebende Vanille vom Holzausbau ist elegant verwoben. Eine insgesamt umwerfende Aromatik! Im Mund ist die klirrend präzise rote Frucht mit den vielen fein geschliffenen Tanninen in harmonischer Balance. Die mittlere bis hohe Säure des Weins scheint alles zu definieren und selbst die Textur des Weins erinnert an rote Johannisbeeren, sie ist fein griffig mit pudriger Mineralität. Salziges, geradliniges Finish mit etwas Bitterschokolade im Nachhall. Dieser Stoff ist präzise und eher kühl als warm, das ist schon ziemlich erstaunlich und ganz klar auf die absolut freakigen Mini-Erträge zurückzuführen, mit denen Roberto Voerzio arbeitet. Diese kompromisslose Herangehensweise zahlt sich ganz besonders in einem herausfordernden Jahr wie 2022 im Weinberg aus.