Asili ist eine historische Einzellage in Barbaresco. 1961 erwarb Giovanni Roagna diese Parzelle. Der Vecchie Viti ist ein extrem limitierter Wein, von dem es alljährlich nur gut tausend Flaschen gibt, denn hier gehen nur Trauben der ältesten circa 90 Jahre alten Reben rein. In allen Roagna Weinen werden auch Ganztrauben, also mitsamt der Stiele vergoren – das trägt im Mund zur Frische und einem niedrigeren Alkoholgehalt bei, und an der Nase zum Aroma. Durch das hohe Alter der Reben sind die Stiele in der Lage Asili besonders reif und duftig, daher ist der Rappen-Anteil höher als in Lucas anderen Weinen und beträgt hier circa neun Prozent. Luca macht alle seine Cru-Lagen-Weine gleich: relativ späte Lese, denn die vollständige phenolische Reife hat bei Roagna einen wichtigen Stellenwert, um diese unglaubliche Finesse und die geschliffenen, feinen Tannine zu erreichen. Nach der Gärung bleibt der Trester zwei weitere Monate lang im Kontakt mit dem Wein, bevor er abgezogen wird. Im Anschluss folgen 5 Jahre Ausbau, davon mindestens drei Jahre in großen Garbelotto- Holzfässern, der Rest in Beton. Bei Garbellotto reift das Holz mindestens zehn Jahre bevor es in Weinfässer verwandelt wird, dadurch ist es mild und enthält keine bitteren Aromen mehr. Luca nutzt dennoch neue Holzfässer nur für seine Weißweine. Für die Roten steht der extrem langsame Austausch des Weins mit Sauerstoff im Vordergrund. Die Fässer sind 10 cm dick, also mehr als viermal so dick wie ein Barrique, dadurch ist die Oxidation eben extrem sanft und langsam. Dieser Jahrgang 2020 bedeutet Luca Roagna eine Menge, denn sein erster Sohn Alessandro wurde geboren! Und zum Glück ist das hier ein absolut herausragender Jahrgang. Leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Schon in der Nase ist dieser Asili Vecchie Viti die wahrscheinlich zarteste Versuchung der Welt! Ein absoluter Traum im Glas! Momentan hat der frisch geöffnete Wein noch eine zarte Reduktion. Duftend reife, bunte Waldbeeren, auch die verführerisch aromatischen Walderdbeeren und zart schwebende Kräuter im Spiel mit zart rauchiger, finessenreicher Mineralität schweben daher. Etwas von dem klassischen Teer-Aroma mit duftenden Blättern im sonnigen Herbstwald und gebranntem Ton. Diese ultra tiefgehende, zarte Würze mit einem Hauch Vanille und der dunklen Erdigkeit, rostigem Eisen, Blut und einer würzigen, fleischigen Aromatik – die Nase ist ein Inbegriff der Konzentration, sowohl von Frucht als auch von Mineralik. Magischer Stoff! Im Mund schwappt saftig reife und süße Erdbeere mit ultra zarten, leicht griffigen Tanninen und etwas weißem Pfeffer auf die Zunge. Ich probiere den Wein nach den Alten Reben aus der Lage Pira und dieser Asili hat viele, zarte und griffige Tannine und definitiv auch eine größere Struktur. Ein Wein der gnadenlosen Feinheit, unbeschreiblich schön, anhaltend und tief – Alessandro wird mit Sicherheit noch an seinem 50. Geburtstag viel Freude daran haben! Luca nickt und schmunzelt erfreut über diesen Kommentar. Der Asili Vecchie Viti ist immer ein Wein, der sich fast schleichend trotz all seiner Finesse und frischer Präzision langsam aber sicher zu einer fantastischen Größe aufbaut, ebenso wie das große Burgunder tun. Diese extra Tiefe der alten Reben mit berührender Komplexität tritt in herausragender Feinheit ans Tageslicht. Ein herausragender, wunderbarer Wein, der mit etwas Flaschenreife noch mehr an Komplexität zulegen wird. Luca trinkt seine Weine übrigens manchmal gerne nach 3-4 Jahren, aber wenn man etwas warten kann, wird dieser Jahrgang im Alter von 10 Jahren in seinem perfekten Trinkfenster sein.