Reinhold und Cornelia Schneider: Ruländer R Spätlese 2024

Reinhold und Cornelia Schneider: Ruländer R Spätlese 2024

Zum Winzer

Grauburgunder 100%
weiß, trocken
12,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2039
voll & rund
niedrige Säure
Lobenberg: 93+/100
Deutschland, Baden
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Ruländer R Spätlese 2024

93+
/100

Lobenberg: Dieser Wein steht auf Vulkangestein in 250 bis 350m Höhe in Endingen. Die Trauben reifen daher langsamer und werden demzufolge zuletzt geerntet bei Schneider. Der Weinberg ist traditionell ein Ruländer-Weinberg, hier stand nie irgendwas anderes solange sich die Schneiders zurück erinnern können. Schon zu Zeiten der Vorväter wurde von den Genossenschaften für Ruländer aus dieser Lage ein Zuschlag gezahlt, weil sie immer eine höhere Güte hatten. Eine absolute Traditionslage in Endingen. Daher kommt von hier auch die Topselektion der Familie. Ganztraubenpressung über mehrere Stunden, langsam und oxidativ. Teilweise machen die Fässer eine spontane Malo. Große gebrauchte Holzfässer ab 500 bis 1700 Liter. Spontan vergoren und ausgebaut. Duftige Apfelnase, gelb und grün, schon in der Nase ist der Wein cremig und charmant, dazu reifer Pfirsich, Grapefruit, Orangenschale, Kumquat. Guter Grip am Gaumen, feines Salz und Mineralik, die weit über jene eines Standard-Grauburgunders hinausgehen. Die Textur, die Mineralität, Saft und Salzigkeit sind beeindruckend. Der Speichel fließt und man greift immer wieder zum Glas, obwohl der Wein so einen Dampf hat. Im langen Nachhall wieder Orangenzesten und Mandarinen in der Mitte, das gibt tolle Frische. Dann ganz zum Schluss noch eichte Kaffee-Noten, Röstaromen vom Holz. Insgesamt ein extrem charmanter, cremiger, fülliger Ruländer, ohne dabei aber fett zu sein. Ein Wein mit einer unerwartet großen Feinheit und Finesse. Toller Wein.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

Mein Winzer

Reinhold und Cornelia Schneider

Das Weingut Reinhold & Cornelia Schneider existiert erst seit 1981. Damals entschieden die Schneiders aus der örtlichen Genossenschaft auszutreten. Nun wollten die besonders Ehrgeizigen und Begabten alles nur der Qualität unterordnen, daher mussten sie lernen neue Wege zu gehen.

Ruländer R Spätlese 2024