Rebholz, Ökonomierat: Chardonnay R 2023

Rebholz, Ökonomierat: Chardonnay R 2023

BIO

Zum Winzer

Chardonnay 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2039
frische Säure
mineralisch
Lobenberg: 96–98/100
Galloni: 93/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chardonnay R 2023

96–98
/100

Der Chardonnay R wächst in der Lage Im Sonnenschein, wo auch das Top-Weißburgunder GG herkommt. Also Kalksteinfels, auch mit leichter Lössauflage. Kurze Maischestandzeit. Auf der Korbkelter gepresst. Spontan vergoren in burgundischen Barriques, etwa ein Drittel Neuholz. Einige Fässer machen eine Malo, viele aber nicht, das ergibt einen hohen Spannungsbogen. Chardonnay ist nach dem Kastanienbusch Riesling der zweitwichtigste Wein bei Rebholz. Familie Rebholz arbeitet seit 1987 mit Chardonnay, hat also über 30 Jahre Erfahrung mit der Sorte und das merkt man hier auch eindeutig, denn der Chardonnay R hat sich in der Topliga dieser Rebsorte in Deutschland etabliert. Zudem hat Hans Rebholz immer wieder bei Comte Lafon im Burgund gearbeitet und nochmal viel burgundisches Know-How dazu gebracht. Der Chardonnay wurde hier über die Jahre immer feiner, dezenter, kühler und kalkiger in der Aromatik. Rauchige, aber sehr elegante Spannung aus Feuerstein und viel kalkiger Mineralität in der Nase. Hefige Würze von Brioche, gelbem Apfel, Marille und Zitrone darunter. Tiefe Gelbfruchtigkeit, aber null Überreife in der Nase. Am Gaumen mit immenser Kraft, aber auch sehr klar auf reifer Zitrusfrucht laufend. Die kalkige Mineralität schwingt mit, vibriert mit ordentlich Druck im Untergrund. Gesalzene Mandel, Quitte, wieder gelber Apfel auch dazu. So klar, obwohl er immer unfiltriert abgefüllt wird. Gerade wenn man die Attacke aus dem intensiven Kalkschmelz verarbeitet hat, wird man von einer berauschenden Welle hoch feiner Salzigkeit überwältigt. Lang und länger werdend, elegant, kristallin, immenser Spannungsbogen. Schon anspruchsvoll und mit ordentlichem Zug aus der Salzigkeit und grandioser Säure, aber am Ende eben auch mit pfälzischer Cremigkeit und Dichte, dass man ein Stück tiefer in den Sessel rutscht.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

93
/100

Galloni über: Chardonnay R

The 2023 Chardonnay R was grown on limestone with a layer of loess. It opens with a smooth, hazelnut-tinged smokiness. The palate is fine, tender, creamy, long and understated. This is so subtle, balanced and shining with freshness. (Bone-dry),,,

Mein Winzer

Rebholz, Ökonomierat

Der Wahlspruch von Hansjörg Rebholz vom Weingut Ökonomierat Rebholz in Siebeldingen lautet: Keine Kompromisse! Dass er damit nicht schlecht fährt, zeigen zahlreichen Auszeichnungen und nicht zuletzt seine Weine, die mit zu den besten gehören, die man in der Pfalz bekommen kann.

Chardonnay R 2023