Prunotto: Barbaresco 2022
100
- Nebbiolo 100%
- rot, trocken
- 14,0% Vol.
- Trinkreife: 2025–2038
- pikant & würzig
- seidig & aromatisch
- strukturiert
- Lobenberg: 93/100
- Suckling: 91/100
- Falstaff: 92/100
- Jeb Dunnuck: 90/100
- Italien, Piemont
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Prunotto S.R.L., Corso Barolo 14, 12051 Alba CN, Italien
Heiner Lobenberg über:
Barbaresco 2022
/100
Prunottos Barbaresco stammt aus Weinbergen in Treiso und Neive. Handernte in voller Reife, komplette Entrappung, anquetschen und dann 8-12-tägige, zügige Vergärung bei 28 bis zu 30 Grad, dann folgt der Ausbau im großen Holz aus französischer und slowenischer Eiche zwischen 500 und 3.000 Litern. Malo zügig noch vor Weihnachten. Verbleib im Holz und auf der Feinhefe für 12 Monate, dann Abzug und finaler Blend im großen Stahltank. Der Wein wurde im Juli 2024 auf Flaschen gefüllt. Zartes, leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Die Nase ist voll saftiger Erdbeeren, auch etwas duftender Walderdbeere mit einem Hauch Minze, getrockneter Blutorangenschale, Himbeerstrauch und nassem Kalkstein. Sehr schwebend, floral und aromatisch rotfruchtig. Auch ein erster Hauch der noblen Teer-Aromatik kommt hinzu. Im Mund sind die Tannine zart und griffig, beinahe von kalkiger Textur. Aromatisch ist der Wein trotz des recht warmen Jahrgangs überraschend rotfruchtig, präzise und mit berauschender Frische ausgestattet. Hagebutten, Cranberries und rote Johannisbeeren – alles bleibt elegant, beinahe schwebend auf der Zunge, im Nachhall mit etwas getrockneter Minze und Potpourri. Fein tänzelnd und burgundisch zart. Oberstes Ziel bei Prunotto ist es, Weine zu machen, die sowohl jung Spaß machen als auch einige Jahre im Keller vergessen werden können. Dieser Barbaresco ist eine schicke Visitenkarte dieser Stilistik.
Jahrgangsbericht
2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.
/100
Suckling über: Barbaresco
An overt style, the candied nose showing red fruits, raspberries, roses and a touch of gingerbread. Sweet and medium-bodied on the palate, this has refreshing acidity and velvety tannins that turn dustier in the savory finish. Try from 2026.
/100
Falstaff über: Barbaresco
Leuchtendes Rubin mit granatroten Nuancen. Feinwürzige Nase, nach süßer Kirsche, Hibiskus, Leder und etwas Kardamom. Am Gaumen geprägt von süßer Frucht, im harmonischen Zusammenspiel mit sehr gut integriertem Tannin und animierender Säure, bis ins lange Finish.
/100
Jeb Dunnuck über: Barbaresco
A translucent medium ruby hue, the 2022 Barbaresco is zesty and spicy on the nose with forward notes of anise, orange zest, fresh mint, cranberry, and dried earth. The palate shows the fruity and sunny side of the vintage, and it’s medium-framed and light on its feet, with a clean and easygoing feel. It’s not the most profound wine, but it offers a lot of immediate appeal. Drink 2025-2032.
Prunotto
Alfredo Prunotto verhalf im Jahre 1923 der nach dem 1. Weltkrieg in Schwierigkeiten geratenen Genossenschaftskellerei »Vine delle Langhe« in Alba zu neuem Leben. Der sehr junge Alfredo war seit Beginn der 1904 in Serralunga gegründeten Genossenschaft ihr Sekretär und Berater.