Lobenberg: Die Lage Rio Sordo liegt im Süden des Barbaresco-Gebiets, südlich von Pora in Richtung Treiso. Es ist eine überwiegend sandige, nach Süden exponierte Lage, mit ein bisschen Lehm-Einsprengseln. Ein Tal, das direkt vom Fluss Tanaro hochläuft, hat großen Einfluss. Insgesamt ist Rio Sordo eher eine leichtere, verspieltere Lage innerhalb der Crus von Barbaresco. Nur zwei Winzer liefern die Trauben für diesen Wein bei den Produttori ab. Die Trauben werden zu 100 Prozent entrappt und im Stahltank vergoren. Im darauffolgenden Mai kommt der Wein dann ins Holz. Der Ausbau erfolgt drei Jahre lang in großen, französischen Holzfässern, die kleinsten davon fassen 2.500 Liter, die größten 5.000 Liter. Einmal pro Jahr wird der Wein abgezogen und in ein frisch gereinigtes Fass gefüllt. Am Ende der drei Jahre ungeschönt abgefüllt. Der Wein wird mit beinahe einem Jahr Flaschenreife auf den Markt gebracht. Das gehört zur Philosophie der Produttori, selbst der Langhe Nebbiolo genießt hier ein paar Monate Flaschenreife, bevor er released wird. Mittleres, leuchtendes Rubinrot. Die Nase ist voll reifer roter Frucht, aber auch erfrischenden Noten wie eingelegten Schlehen, Sauerkirschen und Herzkirschen, alles ist mit zarter Erdigkeit gezeichnet. Die Aromatik des Rio Sordo erinnert mich immer wieder an einen Pinot Noir, so auch dieses Jahr. Er ist elegant, aber zugleich auch bestimmt. Schwebende braune Gewürze wie frisch geriebene Muskatnuss, Lorbeerblatt, auch etwas eingelegte Minze klinken sich in diese duftende Erdigkeit wunderbar ein. Im Mund schnellt der Rio Sordo dann wie ein Pfeil mit Spannung über die Zunge. Die vielen, feinen Tannine breiten sich kaleidoskopartig im Mund aus – als würden sie auf der roten Johannisbeerwelle bis in alle Ecken der Zunge gleiten. Die feine kalkige Textur des Weins hallt lange nach. Etwas erfrischende Orangenzeste, ätherische, dezent bittere Kräuter, konzentrierte Kirschen, reife Himbeeren und rote Waldbeeren im Schlepptau. Dieser Stoff ist genial, aber man muss Präzision in Form von guter Säure mögen – für mich sind diese Spannung und Frische in einem Wein vereint eine wahre Freude. 2021 ist nicht umsonst ein Jahrhundertjahrgang, die Weine sind durch ihre erhabene Größe gezeichnet und dabei definierter und nicht direkt bei meiner Probe im Oktober 2025 so offenherzig, wie es diese unschlagbar charmanten 2020er waren. Aldo Vacca, der CEO der Produttori del Barbaresco vermutet, dass die 2021er für ein paar Jahre »dicht machen werden«. Wie das auch große Pinots aus großen Jahren hin und wieder tun, neigt auch die Nebbiolo manchmal zu so einer Reduktion. Ich empfehle daher, diese 2021er wirklich nicht vor 2028 zu öffnen. Dafür sind sie für ein langes Leben ausgestattete, große, klassische Weine!