Die Kooperative besteht aus 54 Mitgliedern, die völlig unterschiedlich in der Größe sind. Alle Nebbiolo werden zu 100 Prozent in die Kooperative geliefert und nur top-gesundes Lesegut aus stark verringerten Erträgen wird angenommen. Unter 7.000 Kilo pro Hektar ist der Maximalertrag. Bezahlt wird nach Qualität der Trauben, nicht nach Lage oder Namen, das heißt eben auch, alle Winzer sind angehalten nur erstklassige Trauben abzuliefern. pH-Werte, Säuren, Tanningehalte und Traubengesundheit – alles wird penibel geprüft vor der Bezahlung. Vom Fluss starten wir mit Pora über Paje immer weiter den Hang hinauf zu Rabaja, die höchste Lage in Barbaresco auf fast 300 Höhenmetern, also nochmal 50 Meter über dem Pajé. Die Lage ist in perfekter Südexposition und einem sehr windigen Mikroklima. Die Böden sind hier komplett weiß von Ton und Kalkstein durchzogen. Hier haben wir generell wie auch im Montefico, Montestefano und Muncagota mehr Tannine für die Struktur. Die Trauben werden zu 100 Prozent entrappt und im Stahltank vergoren. Im darauffolgenden Mai kommt der Wein dann ins Holz. Der Ausbau erfolgt drei Jahre lang in großen, französischen Holzfässern, die kleinsten davon fassen 2.500 Liter, die größten 5.000 Liter. Einmal pro Jahr wird der Wein umgelagert und in ein frisch gereinigtes Fass gefüllt. Am Ende der drei Jahre ungeschönt abgefüllt. Der Wein wird mit beinahe einem Jahr Flaschenreife auf den Markt gebracht. Das gehört zur Philosophie der Produttori, selbst der Langhe Nebbiolo genießt hier ein paar Monate Flaschenreife, bevor er released wird. Tiefes leuchtendes Rubinrot mit konzentrierten, öligen Tränen am Glasrand. Was für eine herrliche Nase! Dicht, opulent, kompakt und doch zugleich so offenherzig. Die meisten 2021er der Produttori halten sich bei meiner Probe im Oktober 2025 erhaben zurück, aber nicht dieser Rabaja! Dunkelrote, reife, saftige Kirschen und rote Pflaumen sind mit zarten braunen Gewürzen und ätherischen Kräuternoten verwoben. Nobles Mahagoni- und Zedernholz, brauner Pfeffer und etwas wärmender Zimt und auch die erdigen Herbstwald Aromen mit goldenen Blättern gehen in die süße braune Gewürzrichtung. Darunter verbirgt sich Blut und tiefergehendes, rostiges Eisen. Diese einladende, verführerische Nase lädt zum ersten Schluck ein! Und dann lässt die Nebbiolo die Katze aus dem Sack und haut ordentlich auf die 12! Die typischen unendlich vielen griffigen Tannine dieser großen Lage gleiten fein geschliffen über die Zunge. Sie krabbeln sozusagen von links nach rechts. Die harmonische Balance des Weins ist garantiert, denn die opulente Frucht kann alles locker aufnehmen. Allerdings wird es noch ein paar Jahre im Keller dauern, bis dieser Wein in seiner perfekten Harmonie auch wirklich maximal Freude bereiten wird! Aldo Vacca, der CEO der Produttori del Barbaresco, vermutet, dass die 2021er für ein paar Jahre »dicht machen werden«. Wie das auch große Pinots aus großen Jahren hin und wieder tun, neigt auch die Nebbiolo manchmal zu so einer Reduktion. 2021 wird später zugänglich sein als der noch deutlich saftigere Jahrgang 2020. Die verlockend saftige Frucht spielt mit der wunderbaren Würze des Weins, der minutenlang im Nachhall auf der Zunge bleibt. Erstaunlich für einen Barbaresco, muskulös und ein komplettes Gegenstück zum Finesse-Teil Paje. Hier sind wir eher in Pommard, sowohl was die Aromatik angeht als auch die Struktur. Imposanter Stoff aus einem herrlichen Piemont-Jahrgang. Ein Meisterwerk!