Paje ist sicher durch Luca Roagna erst auf dem Schirm der Barbaresco-Liebhaber erschienen. Die immense Finesse kommt von dem reinen Kalkstein-Kalklehm-Terroir direkt oberhalb von Gajas berühmtem San Lorenzo. Die Lage wird durch einen 250 Meter hohen Hügel vom Tanaro Fluss getrennt. Sie ist ein warmes Amphitheater, direkt im Zentrum von Barbaresco. In warmen Jahrgängen ist es hier also noch wärmer, das trägt zum intensiven, beinahe süßen Fruchtprofil des Weins bei. Zusammen mit Montefico ist sie eine der kleinsten Lagen der Produttori. Nur zwei Traubenlieferanten liefern ihre Trauben bei der Kooperative ab. Insgesamt gibt es in der sieben Hektar großen Lage nur wenige Winzer, sie ist also eine der kleinsten Cru Lagen in Barbaresco. Die Trauben werden zu 100 Prozent entrappt und im Stahltank vergoren. Im darauffolgenden Mai kommt der Wein dann ins Holz. Der Ausbau erfolgt zwei Jahre lang in großen, französischen Holzfässern, die kleinsten davon fassen 2.500 Liter, die größten 5.000 Liter. Einmal pro Jahr wird der Wein umgelagert und in ein frisch gereinigtes Fass gefüllt. Am Ende der zwei Jahre ungeschönt abgefüllt und dann mit beinahe einem Jahr Flaschenreife auf den Markt gebracht. Das gehört zur Philosophie der Produttori, selbst der Langhe Nebbiolo genießt hier ein paar Monate Flaschenreife, bevor er released wird. Mittleres, leuchtendes Rubinrot. Samtige, einladende und zugleich vibrierend rot-kirschige Nase. Beim Riechen ist der Wein im ersten Moment noch monumentaler und erhabener, dichter und intensiver als sonst. Der Jahrgang 2021 ist bei den Produttori nicht so offenherzig und direkt nach dem Einschenken unschlagbar hedonistisch wie der absolut herrlich umgarnende Jahrgang 2020, dafür haben die Weine 2021 mehr Definition und sind von dieser unglaublich erhabenen, noblen Eleganz gezeichnet. Der Wein schiebt ultra druckvoll aus dem Glas. Unter dem Strich kann man sicher sagen, dass der Jahrgang 2021 größer ist, es sind Weine mit dem Zeug dazu, viele Jahrzehnte im Keller ihrer Perfektion entgegenzureifen. Schwebende Kräuteraromen, duftender Herbstwald, rotes Leder und schwebende weiße Lakritz mit gebranntem Ton, auch etwas würzigem, rostigem Eisen. Erst nach einer Stunde öffnet sich dieser monumentale junge Wein bei meiner Probe im Oktober 2025. Er gibt sich geschlagen, wird aromatisch zarter, runder und zugänglicher. Der Mundeintritt ist linear und doch hinten raus saftig. Cranberry mit roter Johannisbeere und Sauerkirschen. Millionen ganz feiner, sandiger Tannine kleiden die Seiten des Mundes selbstbewusst aus und hinterlassen würzigen weißen Pfeffer auf der Zunge. Ätherische Kräuter, etwas Salbei, Minze und auch Majoran. Zunächst druckvoll intensiv und schiebend, aber nach einer Stunde im Glas wandelt sich dieser Stoff hin zur Finesse, dabei ist es diese gnadenlos präzise Frische, die dem Wein sein langes Leben verleihen wird. Paje ist immer ein Wein, den man beim ersten Schluck oder sehr schnellen Verkosten unterschätzen könnte, aber er verbirgt definitiv großes, gar fantastisches Potenzial! Momentan ist dieser große Wein eben noch im Dornröschenschlaf!