Die Kooperative besteht aus 54 Mitgliedern, die völlig unterschiedlich in der Größe sind. Alle Nebbiolo werden zu 100 Prozent in die Kooperative geliefert und nur top-gesundes Lesegut aus stark verringerten Erträgen wird angenommen. Unter 7.000 Kilo pro Hektar ist der Maximalertrag. Bezahlt wird nach Qualität der Trauben, nicht nach Lage oder Namen, das heißt eben auch, alle Winzer sind angehalten nur erstklassige Trauben abzuliefern. pH-Werte, Säuren, Tanningehalte und Traubengesundheit – alles wird penibel geprüft vor der Bezahlung. Ovello ist die größte Lage der Produttori. Wir haben hier zwei verschiedene Expositionen: Ost und West. Einige kühle Parzellen also und auch welche, die Wärme und reife Frucht beitragen. Ovello hat einen wichtigen historischen Wert für die Produttori del Barbaresco, denn von hier kamen die ersten Traubenproduzenten, die ihre Trauben ablieferten und somit die Produttori gründeten. Die Kooperative hat hier 18 Trauben-Lieferanten und mehr als 35 Hektar Rebfläche. Von der Riserva werden aber maximal 16.000 Flaschen aus den besten Parzellen gemacht, was 20 Prozent der Lage entspricht. Der Rest geht in den Barbaresco-Ortswein. Die Trauben werden zu 100 Prozent entrappt und im Stahltank vergoren. Im darauffolgenden Mai kommt der Wein dann ins Holz. Der Ausbau erfolgt drei Jahre lang in großen, französischen Holzfässern, die kleinsten davon fassen 2.500 Liter, die größten 5.000 Liter. Einmal pro Jahr wird der Wein abgezogen und in ein frisch gereinigtes Fass gefüllt. Am Ende der drei Jahre ungeschönt abgefüllt. Der Wein wird mit beinahe einem Jahr Flaschenreife auf den Markt gebracht. Das gehört zur Philosophie der Produttori, selbst der Langhe Nebbiolo genießt hier ein paar Monate Flaschenreife, bevor er released wird. Leuchtendes Rubinrot. Die »weinige«, herrlich duftende, elegante, reife rote und schwarze Kirschfrucht spielt mit noblen Aromen von Teer, Eisenkraut und einer beinahe graphit-artigen, dunklen und etwas staubigen Mineralität. Darüber schwebt der Orangenabrieb, der diesem mächtigen Wein seine verspielten Fingerabdruck verleiht. Im Mund hat dieser Ovello eine große Balance und viel von allem: Tannin, Säure, Frucht. Dieses Jahr schiebt er wie eine Dampfwalze voran, die Tannine legen sich über die Zunge, um im nächsten Moment von der Frucht überdeckt zu werden. Im Nachhall kommt etwas Milchschokolade und rote Johannisbeere unter der sonst eher dunklen Aromatik hervor. Ein Wein von beeindruckender Tiefe und reichhaltiger sowie zugleich monumentaler Mineralität. Die griffigen, aber sehr feinen Tannine schmelzen dahin – 2021 brauchen die meisten Produttori Riserva-Weine ein paar Jahre länger im Keller als der wesentlich zugänglichere Jahrgang 2020. Aldo Vacca, der CEO der Produttori del Barbaresco, vermutet, dass die 2021er für ein paar Jahre »dicht machen werden«. Wie das auch große Pinots aus großen Jahren hin und wieder tun, neigt auch die Nebbiolo manchmal zu so einer Reduktion.