Mit der Übernahme der Domäne in Herxheim beginnt für Odinstal ein neues Kapitel: erstmals Pinot Noir im Portfolio. Der Honigsack ist 2024 der erste Spätburgunder aus diesem Haus, und was für ein spannendes Debüt! Gerade einmal fünf Barriques wurden gefüllt. Die Lage liegt auf etwa 240 Metern Höhe, erstaunlich hoch für die Mittelhaardt, direkt auf der Abbruchkante des Berntals, oberhalb von Rings’ Felsenberg. Nur 30 Zentimeter Bodenauflage, dann massiver Kalkstein, schwerer tertiärer Kalkboden mit enormem Ausdruckspotenzial. Die Reben wurden 2008 überwiegend mit burgundischer Genetik gepflanzt, ein Teil geht noch weiter zurück. 2024 war ein verrieseltes Jahr, die Mengen entsprechend winzig. Vergoren mit rund 70% Ganztrauben, 30% entrappt, alles sehr behutsam: keine Unterstoßen, kaum Überschwallen, nur leichte manuelle Eingriffe, zarte Maischegärung über eine Woche bis zehn Tage. Das Ziel: ein fruchtbetonter, trinkiger Stil, der die Herkunft klar ausspielt. In der Nase eine feine, fast schwebende Aromatik: kleine Fliederblüten, Veilchen, Schattenmorelle, Himbeermark. Ganz dezent eine kühle, kalkige Würze dahinter, subtil floral, leicht verspielt, aber mit klarer Linie. Am Gaumen tänzelnd und zart: rote Kirsche, Himbeere, wieder Schattenmorelle. Ganz feines, seidiges Tannin, kaum spürbar, nur als Rahmen vorhanden. Enorm saftig, hell, floral und von vibrierender Frische getragen. Nichts Schweres, nichts Holziges, sondern pure Klarheit und Feinheit, geprägt vom massiven Kalkstein, der dem Wein trotz seiner Leichtigkeit Struktur und Länge gibt. Der Honigsack 2024 ist kein Pinot der Opulenz, sondern einer der Eleganz, Trinkigkeit und Feinheit – ein lupenreines Debüt, das Lust macht auf mehr. Kalkgeprägte, burgundische DNA, übersetzt in die Höhenlagen der Mittelhaardt. Ein Start, der zeigt, welches Potenzial Pinot Noir künftig im Odinstal-Kosmos entfalten kann.
»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!