Villero ist DIE ikonische Cru Lage in Süd-West Exposition aus Castiglione Falletto, ganz in der Nähe der ebenfalls gefeierten Lage Rocche in Süd-Ost Ausrichtung. Hier bestehen die Böden aus reichhaltigem Kalkstein und sind noch konzentrierter als beispielsweise die Böden der sandigeren Lage Rocche di Castiglione. Es ist die größte Einzellage von Oddero, denn die Familie besitzt hier seit den 1970er-Jahren 0,8 Hektar über 50 Jahre alter Rebstöcke. Villero wurde 2004 erstmals als Cru-Lage separat ausgebaut, das Team hat also schon viele Jahre Erfahrung mit der Parzelle. Die Trauben werden von Hand aussortiert und anschließend zum Großteil entrappt. In alle Einzellagen gehen ungefähr 10 Prozent Ganztrauben mitsamt der Rappen. Generell wird die Lage meist mit dem »Capello Submerso«, als dem beinahe 70 Tage lang untergedrückten Tresterhut gemacht. Allerdings hat sich das Team in den Jahrgängen 2022, 2023 und 2024 dagegen entschieden, weil es nicht positiv zur Komplexität oder Qualität des Weins beigetragen hätte. Stattdessen wurde er in diesen Jahren immer 25-30 Tage lang auf der Maische belassen, 2022 waren es genauer gesagt 27 Tage. Anschließend wurde diese Riserva 25 Monate lang im 4 hl fassenden Stockinger Eichenfass ausgebaut. Nach der Abfüllung folgt ein weiteres Jahr Flaschenlager, bevor der Wein auf den Markt kommt. Die Parzelle Sori del Pomeriggio wurde am 30. September 2022, also einen Tag nach dem Rocche, gelesen und dann einen Monat nach den Lagen Rocche und Monvigliero am 3. Juli 2025 abgefüllt. Leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Süße, konzentrierte, rote Kirsche mit schwebendem weißem Pfeffer und immens aromatischen weißen Rosenblüten auf rauchigem Gesteinsmehl. Zarte Aromen von Teer, Orangenschalen, etwas Minze, Thymian und Salbei gehen in die Richtung ätherischer Kräuter. Alles ist hier sehr feingliedrig und finessenreich. Im Mund liefert dieser Stoff eine beeindruckende Spannung aus saftiger Nektarine mit linearen, dezent salzigen roten Johannisbeeren. Wow! Das regt den Speichelfluss an, mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Die Tannine sind unglaublich zart und geschliffen, beinahe von seidiger Textur, aber es sind sehr viele davon. Sie legen sich samtig, aber nicht trocken auf die Zunge. Wohlgemerkt, der Wein wurde erst drei Monate vor meiner Probe abgefüllt und aus Erfahrung zeigt sich Nebbiolo in diesem Stadium dann gerne etwas »direkter« und körniger. In diesem Wein werden die Tannine garantiert noch in die saftige Frucht integriert. Die tonhaltigen Böden verleihen diesem Villero wohl seine überraschend eisenhaltige Mineralität. Dieser Wein hat eine so wunderbare Größe und Dichte auf der Zunge – nach dem zart schwebenden Rocche ist er ein ganz anderes Biest! Pietro Oddero vergleicht ihn mit einer Harley »manchmal weiß man bei dem lauten klopfenden Geräusch nicht sofort, was da ankommt, ein Flugzeug oder ein Motorrad!« Im Gegensatz zum imposant schiebenden Villero von Brovia interpretiert das Weingut Oddero die Lage in all ihrer Feinheit und Verspieltheit. Dieser Stoff ist absolut herrlich!