Oddero: Barolo Villero 2022

Oddero: Barolo Villero 2022

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2050
seidig & aromatisch
strukturiert
pikant & würzig
Lobenberg: 98–100/100
Galloni: 94/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Villero 2022

98–100
/100

Villero ist DIE ikonische Cru Lage in Süd-West Exposition aus Castiglione Falletto, ganz in der Nähe der ebenfalls gefeierten Lage Rocche in Süd-Ost Ausrichtung. Hier bestehen die Böden aus reichhaltigem Kalkstein und sind noch konzentrierter als beispielsweise die Böden der sandigeren Lage Rocche di Castiglione. Es ist die größte Einzellage von Oddero, denn die Familie besitzt hier seit den 1970er-Jahren 0,8 Hektar über 50 Jahre alter Rebstöcke. Villero wurde 2004 erstmals als Cru-Lage separat ausgebaut, das Team hat also schon viele Jahre Erfahrung mit der Parzelle. Die Trauben werden von Hand aussortiert und anschließend zum Großteil entrappt. In alle Einzellagen gehen ungefähr 10 Prozent Ganztrauben mitsamt der Rappen. Generell wird die Lage meist mit dem »Capello Submerso«, als dem beinahe 70 Tage lang untergedrückten Tresterhut gemacht. Allerdings hat sich das Team in den Jahrgängen 2022, 2023 und 2024 dagegen entschieden, weil es nicht positiv zur Komplexität oder Qualität des Weins beigetragen hätte. Stattdessen wurde er in diesen Jahren immer 25-30 Tage lang auf der Maische belassen, 2022 waren es genauer gesagt 27 Tage. Anschließend wurde diese Riserva 25 Monate lang im 4 hl fassenden Stockinger Eichenfass ausgebaut. Nach der Abfüllung folgt ein weiteres Jahr Flaschenlager, bevor der Wein auf den Markt kommt. Die Parzelle Sori del Pomeriggio wurde am 30. September 2022, also einen Tag nach dem Rocche, gelesen und dann einen Monat nach den Lagen Rocche und Monvigliero am 3. Juli 2025 abgefüllt. Leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Süße, konzentrierte, rote Kirsche mit schwebendem weißem Pfeffer und immens aromatischen weißen Rosenblüten auf rauchigem Gesteinsmehl. Zarte Aromen von Teer, Orangenschalen, etwas Minze, Thymian und Salbei gehen in die Richtung ätherischer Kräuter. Alles ist hier sehr feingliedrig und finessenreich. Im Mund liefert dieser Stoff eine beeindruckende Spannung aus saftiger Nektarine mit linearen, dezent salzigen roten Johannisbeeren. Wow! Das regt den Speichelfluss an, mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Die Tannine sind unglaublich zart und geschliffen, beinahe von seidiger Textur, aber es sind sehr viele davon. Sie legen sich samtig, aber nicht trocken auf die Zunge. Wohlgemerkt, der Wein wurde erst drei Monate vor meiner Probe abgefüllt und aus Erfahrung zeigt sich Nebbiolo in diesem Stadium dann gerne etwas »direkter« und körniger. In diesem Wein werden die Tannine garantiert noch in die saftige Frucht integriert. Die tonhaltigen Böden verleihen diesem Villero wohl seine überraschend eisenhaltige Mineralität. Dieser Wein hat eine so wunderbare Größe und Dichte auf der Zunge – nach dem zart schwebenden Rocche ist er ein ganz anderes Biest! Pietro Oddero vergleicht ihn mit einer Harley »manchmal weiß man bei dem lauten klopfenden Geräusch nicht sofort, was da ankommt, ein Flugzeug oder ein Motorrad!« Im Gegensatz zum imposant schiebenden Villero von Brovia interpretiert das Weingut Oddero die Lage in all ihrer Feinheit und Verspieltheit. Dieser Stoff ist absolut herrlich!

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

94
/100

Galloni über: Barolo Villero

The 2022 Barolo Villero is one of the highlights in this range from Oddero. Strong spiced and mentholated notes meld into a core of dark red-tone fruit. Leather, incense, tobacco, dried herbs, lavender and graphite lend notable layers of dimension. Bold and explosive, with tons of energy, the 2022 is very complete, not to mention an unqualified success for the year. All this needs is time to soften a bit.,,,

Suckling über: Barolo Villero

A layered wine with floral aromas of roses and violets as well as red cherries, some meaty character and savory depth. Supple attack. Medium-bodied, it shines with density, showing thick, dusty tannins and chewy acidity. Tight, austere finish. Best after 2026.

Mein Winzer

Oddero

Das alteingesessene Familienweingut Oddero ist alles andere als eingestaubt! Die siebte Generation zählt zu den Winzer-Rockstars der Region Barolo.

Barolo Villero 2022