Oddero: Barolo Rocche di Castiglione 2022
100
- Nebbiolo 100%
- rot, trocken
- 14,0% Vol.
- Trinkreife: 2027–2050
- seidig & aromatisch
- strukturiert
- pikant & würzig
- Lobenberg: 100/100
- Italien, Piemont
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Poderi e Cantine Oddero, Fraz. Santa Maria Tetti 28, I-12064 La Morra CN
Heiner Lobenberg über:
Barolo Rocche di Castiglione 2022
/100
Die 0,66 Hektar große Parzelle der Familie Oddero liegt auf 250 Höhenmetern im oberen Teil der Lage. Die über 70-80 Jahre alten Reben stehen auf extrem kargen, felsigen Kalksteinböden und zählen zu den ältesten des Weinguts. Bereits als Isabellas Großvater die Lage kaufte, waren die Rebstöcke ziemlich alt. Es war die erste Einzellage, die das Weingut separat ausgebaut hat. Seit 2008 werden die Reben biologisch bearbeitet und ab 2010 erlangte das Weingut die Zertifizierung. Wie alles bei Oddero in penibler Handlese geerntet – nur kerngesunde Trauben kommen ins Fass. Die Trauben werden größtenteils entrappt, das Weingut verwendet ungefähr 10 Prozent Ganztrauben für die Cru Lagen, und nach 25-30 Tagen auf der Maische kommen die Weine 20-30 Monate lang in große 20 hl fassende Botti. Nach der Abfüllung folgt ein weiteres Jahr Flaschenlager, bevor der Wein auf den Markt kommt. Müsste sie wählen, so wäre der Rocche di Castiglione der Lieblings-Weinberg der jungen Winzerin Isabella Oddero. Die Trauben wurden noch vor dem Monvigliero am 29.September 2022 gelesen. Der Rocche verblieb mit 29 Tagen eine etwas längere Zeit auf der Maische als die anderen Weine, aber mit sehr sanftem Überpumpen – der Fokus lag ganz klar auf sanfter Extrahierung. Der 24-monatige Ausbau erfolgte im Anschluss im großen 20 hl fassenden französischen Holz Botte, das 2008 erstmals in Betrieb genommen wurde. Am 10. Juni 2025 wurden 2.600 Flaschen abgefüllt. Leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Was für eine perfekte, hedonistische Nase! Intensive, konzentrierte saftige rote Kirsche und Himbeeren im Spiel mit zart schwebender Erdigkeit. Dieser Wein legt eine Harmonie und eine Spannung an den Tag, die ich so aus dem Jahrgang 2022 sonst bisher selten im Glas hatte. Zart schwebende braune Gewürze mit mystischem Teer, ein Hauch Anis, sowie wunderbar duftende, erdige Herbstwald-Aromen und Rosenblüten. Reife Aprikose mit schwebendem blonden Tabak und etwas weißer Nougat. Mmmh! Ein herrliches Dufterlebnis! Der Rocche ist dieses Jahr sogar noch schwebender als der Monvigliero. Auch im Mund ist alles stimmig, der Wein gleitet in beeindruckender Frische und Präzision über die Zunge. Die Tannine sind samtig und geschliffen – dieser Stoff ist echt herausragend und überraschenderweise sogar eher kühl, was die Frucht angeht. Rote Kirsche, Granatapfel, rote Johannisbeeren und wieder ein Hauch Orangenzeste treten druckvoll und salzig auf die Zunge. Hier ist nichts süß, sondern alles ist präzise und finessenreich. Sehr zart und fein mit einer burgundischen Harmonie zum Niederknien. Der Wein wird etwas früher zugänglich als der Jahrgang 2021, und hat dennoch ob seiner großartigen Balance und Struktur das Zeug dazu und das Potenzial im Keller zu reifen. Ganz im Stil von Oddero ist dieser Rocche kein lauter Wein, der reinknallt, sondern eine Orgie der Finesse und der Zartheit. Eine feine Dame, die erobert werden möchte! Für mich ist das ein feiner und doch übergroßer Rocche! Absolut herausragender Stoff!
Jahrgangsbericht
2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.
Galloni über: Barolo Rocche di Castiglione
The 2022 Barolo Rocche di Castiglione is stellar. It shows the pedigree of this site in spades. Vinification in an oak upright was a benefit in giving the wine mid-palate depth and textural presence not found in most wines in 2022. Dark red cherry fruit, rose petal, dried herbs, licorice and cedar build effortlessly in the glass. The 2022 is an especially somber, intense wine for this site. It is seriously impressive in the early going.
Oddero
Das alteingesessene Familienweingut Oddero ist alles andere als eingestaubt! Die siebte Generation zählt zu den Winzer-Rockstars der Region Barolo.