Das ist ein Late Release aus 2026 – der Wein erscheint erstmalig und wurde bis dato von Molitor in der Schatzkammer weitergereift, weil es so ein unglaublich großer Stoff ist. Dieser Wein war nach dem 100-Punkte Doctor trocken in 2016 der zweithöchstbewertete Wein von Stephan Reinhardt bei Parker damals. Molitor hat ihm den Wein gezeigt, dann aber entschieden, trotz hoher Punkte, dass er wieder im Keller verschwinden sollte, weil er noch nicht auf dem perfekten Zenit für den Release war. Im Winter 2025 kam das Weingut dann auf uns zu und hat uns diesen bisher nie veröffentlichten Kellerschatz angeboten. Natürlich könnten wir nicht daran vorbeigehen, denn der Wein ist absolute Weltklasse und auch ein stückweit Entwicklungsgeschichte des großen Obermeisters Markus Molitor, der damals wie heute eine einzigartige, unverkennbare Handschrift an der Mosel pflegte, die in dieser Form anderswo unerreicht ist. Und 2017 markiert nicht nur ein superspannendes Rieslingjahr, das neben 2016 und 2018 vielleicht etwas unterging, sich heute aber oft genial präsentiert, sondern auch noch den Oldschool-Molitor-Stil. Heute ist er spürbar stahliger, trockener und feiner geworden. Damals war sein Style noch etwas opulenter und wuchtiger, aber nicht weniger beeindruckend. Somit ist Fass 42 auch eine stilistische Reise zu einem etwas barrockeren Rieslingstil, der mir genauso gut gefällt wie der modernere und straffere – nur findet man das bei den Topwinzern kaum noch heute. Dichte, üppige, gelbe Frucht von Maracuja bis Yuzu, auch Crème Brûlée und Eisenkraut, in Salz und Zucker gewendete Zitrusfrucht, kandierte Orangenzesten. Der Mund ist eine Verführung, cremig und seidig, mit karamelligem Schmelz, der zwar eine erste Reife anzeigt, aber Jahrzehnte davon entfernt ist, müde zu werden. Jugendlich und energetisch wirkt der Wein trotz seiner wuchtigen Konzentration. Eingemachte Quitte, gelbe Birne. Was für ein köstlicher, schmelzig-dichter und zugleich atemberaubend mineralischer Riesling. Die Salzspur zieht sich mitten durch den opulenten Körperbau und lässt ihn fast auf der Zunge tanzen. Ein bisschen erinnert es an Löwensteins Terrassenmosel aus den frühen 2000er Jahren oder das benachbarte Elsass. Durch diese wahnsinnig hohe Mineralität behält er in seiner Power eine elektrisierende Balance, das ist schlicht genial. Eines von Molitors Meisterwerken – und im Vergleich zu vielen seiner anderen Topweine verhältnismäßig auch sehr preiswert!