Markus Molitor: Riesling Ürziger Würzgarten Spätlese Weiße Kapsel 2023

Markus Molitor: Riesling Ürziger Würzgarten Spätlese Weiße Kapsel 2023

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
11,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2048
frische Säure
mineralisch
exotisch & aromatisch
Lobenberg: 96+/100
Parker: 96/100
Suckling: 94/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Ürziger Würzgarten Spätlese Weiße Kapsel 2023

96+
/100

Im Würzgarten haben wir Einzelpfahlerziehung, uralte Reben. Eine ganz fantastische Lage mit überwiegend wurzelechten Stöcken. Neben dem Erdener Prälat stehend, auf einem roten Verwitterungsschiefer mit hohen Eisenanteilen, extrem steil, teilweise terrassiert. Sicherlich eine der ausdrucksstärksten Lagen der Mosel überhaupt. Was für eine grandiose Nase. Das Typische aus Ürzig. Orangenzesten. Einzelpfahlerziehung und kleinste Erträge aus uralten Reben – das spürt man in diesem Wein. Was für eine aberwitzige Kombination aus Finesse und aromatischer Tiefe! Der Wein ist für einen Würzgarten hochfein, verspielt, fast tänzelnd wie ein Saarwein, hat dabei aber so ungeheuerlich viel Schubkraft schon im Duft. Ein ätherisches Parfüm aus Stein, Salz, Kräutern und Gewürzen. Ein Prise Safran und Nelkenpfeffer, dann kommen Litschi und Orangenabrieb mit Volldampf an, Sanddorn und roter Tee. Ein aromatischer Kracher, wahnsinnig komplex, immer neue Nuancen tauchen auf. Dabei ist er im Mund so fein und kühl, so geschmeidig und cremig aus der Orange und Orangenblüte mit Grapefruit und Safran. Wahnsinn. Ich bin hin und weg von dieser Traum-Spätlese. Ich weiß gar nicht, ob mein Liebling aus der Zeltinger Sonnenuhr das toppen kann dieses Jahr, wir werden sehen. Wie ein Biss in eine gelbe Kiwi, saftig und fordernd zugleich. Und diese so hochfeine Salzigkeit, gar nichts Aggressives, sondern die große Feinheit in Samt und Seide bei zugleich aufregender Mineralität. Das hat zuletzt 2019 so gut zusammengepasst – und geht vielleicht sogar noch darüber hinaus, weil es den größeren Delikatessenfaktor hat. Der Wein steht für Minuten im Mund und ist doch so geschliffen elegant. Großes Kino und ich bin umso trauriger, dass es kein Kabinett aus dem Würzgarten gibt dieses Jahr! Aber die Spätlese ist eine Klasse für sich.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

96
/100

Parker über: Riesling Ürziger Würzgarten Spätlese Weiße Kapsel

Molitor's 2023 Riesling Ürziger Würzgarten Spätlese (White Capsule) is clear yet intense, refined and characterful on the nose that integrates sur lie and lemon nuances, intense stone fruit aromas and its unmistakable salinity with delicate airy floral notes. Crystalline and refined on the palate, this is a light yet juicy, quite intense and savory Würzgarten Spätlese with impressive complexity, grip and tension yet also finesse and stimulating elegance. 11% stated alcohol. Natural cork. Tasted at the domaine from AP 69 24 in January 2026.

94
/100

Suckling über: Riesling Ürziger Würzgarten Spätlese Weiße Kapsel

Very striking aromas of wild strawberry and red-fleshed vineyard peach. Juicy and elegant on the precisely nuanced, barely medium-bodied palate. Long, racy and filigree finish with a wild-strawberry intensity. Not bone dry, but very clean and straight. Drink or hold.,

Mein Winzer

Markus Molitor

Als der blutjunge Markus Molitor 1984 mit 20 Jahren das Weingut an der Mosel vom Vater übernahm, fing er praktisch bei Null an; ohne jede eigene Anbaufläche. Also harte Maloche auf gepachtetem Rebland.

Riesling Ürziger Würzgarten Spätlese Weiße Kapsel 2023