Markus Molitor: Riesling Graacher Himmelreich Spätlese Grüne Kapsel 2024

Markus Molitor: Riesling Graacher Himmelreich Spätlese Grüne Kapsel 2024

Riesling 100%
weiß, süß
9,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2054
leicht süss
mineralisch
frische Säure
Lobenberg: 97/100
Suckling: 94/100
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Graacher Himmelreich Spätlese Grüne Kapsel 2024

97
/100

Ein kühles Jahr wie 2024 kommt da gerade recht. 2024 ist ein Mega-Jahr für Kabinette und so straff und saftig, dass selbst die grüne Kapsel kaum Restsüße schmeckt. Man musste hart arbeiten, um wirklich total cleane und feine Weine zu ernten. Und diese überragende Filigranität, diese mineralische Super-Finesse, findet sich in der Spätlese der grünen Kapsel durchaus wieder. Die grünen Kapseln haben mir in 2024 besonders gefallen, mehr noch als letztes Jahr, weil sie sooo verspielt und leichtfüßig sind. Das ist voll im Zeitgeist des Low-Alc. – so filigran und zart mit gerade einmal 9.5% vol. und einer kaum vernehmbaren Restsüße. Mehr kann man sich doch nicht wünschen. Der Duft ist glockenklar und präzise mit weißem Tee, zerstoßenen Mandeln, Eisenkraut und Zitronenthymian, sowie grüner Aprikose. Total straight und saftig, nichts Klebriges und am gegenüberliegenden Ende der Schwere-Skala angesiedelt. Die Spätlese hat diesen kleinen Ticken mehr Cremigkeit im Mund als das Kabinett, aber wenn man mal ehrlich ist, ist auch das ein hochfeiner, fast kabinett-artiger schwebender Superstoff in 2024.

Jahrgangsbericht

»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!

94
/100

Suckling über: Riesling Graacher Himmelreich Spätlese Grüne Kapsel

This well-structured Mosel Spatlese tastes dry enough and has excellent depth. There’s a wonderful interplay of Nordic freshness (dill and crisp pears), fine tannins and licorice and spice complexity. Long, deep and energetic finish. Drink or hold.

Mein Winzer

Markus Molitor

Als der blutjunge Markus Molitor 1984 mit 20 Jahren das Weingut an der Mosel vom Vater übernahm, fing er praktisch bei Null an; ohne jede eigene Anbaufläche. Also harte Maloche auf gepachtetem Rebland.

Riesling Graacher Himmelreich Spätlese Grüne Kapsel 2024