Wer hätte vor 10 bis 15 Jahren gedacht, dass die Mosel zum Eldorado der Burgundersorten werden könnte? Auch bei den Einstiegsweinen mit so einer verblüffenden Frische und Aromatik, sowie gleichzeitig eine Hohe Reife. Man sagt zwar, dass die Burgundersorten besonders kalkaffin sind, aber der Schiefer gibt ihnen einen richtig spannenden Kick, eine gewisse Salzigkeit. Der Oszillograph zwischen Reife und Frische ist hier wirklich famos an der Mosel mittlerweile und so ist das auch bei diesem Einstiegs-Pinot-Blanc von Molitor. Der Wein wird aus eigenen Rebbeständen geerntet und ist eine Gutsabfüllung. Der Pinot Blanc wird zu rund 20 Prozent im Holz ausgebaut, was der charmanten Cremigkeit absolut zuträglich ist. In 2024 hat es generell an der Mosel und vor allem auch am Haus Klosterberg leider deutliche Frostschäden gegeben, sodass die Ernte bei den Pinot Blancs sehr klein ausgefallen ist. Der kühlere und nasse Witterungsverlauf hat das natürlich noch weiter dezimiert, da musste schon ordentlich selektiert werden, selbst im Einstiegsbereich. Zugleich zeigt so ein kühleres Jahr die Eigenständigkeit der Mosel mit dieser Rebsorte, denn es ist eben keine fette Wuchtbrumme in Gelbfrucht und Opulenz, sondern ein sehr geschliffener, saftig-kühler Weißburgunder mit Cool Climate-Charakter. Schon der Duft ist bezaubernd, changiert zwischen weißem Pfirsich, Quittenschale und gelbem Apfel, mit etwas Brioche und gelben Blüten als Überbau. Im Mund wird es dann mehr zur Mirabelle, aber schön knackig unter der cremigen Textur. Sehr lang anhaltend, steht richtig satt im Mund. Molitors extrem guter Holzeinsatz und das lange Hefelager tragen den Wein. Das passt schon wie die Faust aufs Auge, weil es in der Nase nahezu nicht spürbar ist, aber im Mund nochmal eine ganz neue Dimension und Länge eröffnet. Für einen Einstiegswein ist das große Klasse, wow!