Wer hätte vor 10 bis 15 Jahren gedacht, dass die Mosel zum Eldorado der Burgundersorten werden könnte? Auch bei den Einstiegsweinen mit so einer verblüffenden Frische und Aromatik, sowie gleichzeitig eine Hohe Reife. Man sagt zwar, dass die Burgundersorten besonders kalkaffin sind, aber der Schiefer gibt ihnen einen richtig spannenden Kick, eine gewisse Salzigkeit. Der Oszillograph zwischen Reife und Frische ist hier wirklich famos an der Mosel mittlerweile und so ist das auch bei diesem Einstiegs-Pinot-Blanc von Molitor. Der Wein wird aus eigenen Rebbeständen geerntet und ist eine Gutsabfüllung. Der Pinot Blanc Einstern* wird im großen Holz und Barriques ausgebaut, was der charmanten Cremigkeit absolut zuträglich ist. In 2024 hat es generell an der Mosel leider drastische Frostschäden gegeben, sodass die Ernte bei den Pinot Blancs sehr klein ausgefallen ist. Der kühlere und nasse Witterungsverlauf hat das natürlich noch weiter dezimiert, da musste schon ordentlich selektiert werden, selbst im Einstiegsbereich. Zugleich zeigt so ein kühleres Jahr die Eigenständigkeit der Mosel mit dieser Rebsorte, denn es ist eben keine fette Wuchtbrumme in Gelbfrucht und Opulenz, sondern ein sehr geschliffener, saftig-kühler Weißburgunder mit Cool Climate-Charakter. Die Nase des Pinot Blanc Einstern* ist ein sehr deutlicher Step-up vom Haus Klosterberg Pinot Blanc. Wir bekommen spürbar mehr Dichte, höhere Konzentration und mehr Druck, bei gleichzeitig mehr Feinheit und Eleganz. Das ist schon ein richtig komplexer, vielschichtiger Wein. Er duftet intensiv und mit einem Touch Exotik aus dem Glas, pinke Grapefruit, Lavendel, Omas Apfelkuchen, Orangenblüte. Im Mund kommt deutlich Feuerstein hinzu, der einen spürbaren Spannungsbogen aufbaut. 2024 ist wie eine etwas feinere Version von 2021, es ist ähnlich kühl aber nicht ganz so brachial, schon reifer und runder und schlotziger aus der gelben Frucht, weniger grünlich. Wunderbar auf der glockenklaren Frucht laufend, ohne zu fruchtig zu sein. Das ist ein Spiel, das Markus auch beim Riesling großartig beherrscht. Ganz dezent stützendes im Hintergrund ein Touch vom großen Holz. Gehört sicher zu den besten Weißburgundern Deutschlands in diesem Bereich. Ein sensationell eleganter Wein für diesen Preis.
»Here comes the rain again…« – das Weinjahr 2024 war rasant und aufwühlend. Eine deutlich kühlere Vegetationsperiode mit wechselnden Regen- und Trockenphasen forderte die Winzer heraus. Der frühe Austrieb im April wurde von heftigen Spätfrösten abgelöst, die Ahr, Nahe, Nordbaden, Saar und Ruwer besonders hart trafen und zu teils dramatischen Ernteausfällen führten. Viel Manpower, bedingungsloser Einsatz und sorgfältige Selektion waren entscheidend. Die besten 2024er Weine zeigen eine bemerkenswerte Finesse mit überraschend viel Stoffigkeit und schlanker Kraft. Der kühlere Ausdruck erinnert an die präzisen Klassiker 2016, 2008, 2004 und 2002. Sie sind extrem klar gezeichnet und definiert und besitzen häufig mindestens ein Volumenprozent weniger Alkohol als die Vorjahre. Umso überraschender ist die Substanz und innere Dichte, die durch ausgiebige Sommerniederschläge und eine langsame Reifung bis in die kühlen Nächte der späten Lese ermöglicht wurde. Die Trauben erreichten enorm hohe Extraktwerte, die mit 2023 konkurrieren. »Die schönsten Aromen gedeihen im Schatten.« wie Florian Lauer immer sagt. Die Säuren sind »nordisch-straff« und vibrierend, aber reifer und weniger einschneidend als im “krachenden” 2021. Die Weine bieten eine genussvolle Cremigkeit, ohne ihr elektrisierendes Rückgrat zu verlieren. Der 2024er ist ein harmonischerer und feinerer Jahrgang als ebenfalls kühlere 2021, zudem ist es aromatisch in einem klassischeren und schlankeren Profil angesiedelt als die »Vollgas-2023er«. Bei vielen Weinen wurde ein Level erreicht, das mit dem Benchmark-Jahrgang 2023 mithalten kann, auch wenn die Mengen besonders bei den Großen Gewächsen teils sehr gering sind. Es gibt so viele wunderschöne, filigrane, saftig-dichte und auch richtig lecker-delikate Weine in diesem Jahr. Und das kann in dieser Leichtigkeit und finessenreichen, athletischen Form heute eben fast nur noch in Deutschland so geerntet werden. Franken glänzt mit exzellenten Silvanern mit kühlem Saft und eleganter Stoffigkeit. An Mosel-Saar-Ruwer wurde im restsüßen Bereich von Kabinett bis Auslese absolute Weltklasse geerntet, trotz mancherorts verheerender Frostschäden. Die Nahe glänzt 2024 nicht nur mit Riesling in ultrafokussierter Manier, sondern auch mit Burgundern dieses Jahr – genau wie die Südpfalz! Der wärmeren Mittelhaardt steht ein kühleres Jahr immer mehr als gut. Von Christmann über Bürklin bis Winning ist das der Stoff aus dem Riesling-Träume sind. In Rheinhessen hat wohl der Rote Hang sein Jahr der Jahre, so viele Mega-GGs nach den schwierigen Trockenjahren dort ein Segen… wow!