Der 2023er Batard ist mittlerweile der dritte Batard, den Domaine Marc Morey nach der Neupflanzung erzeugt hat. Es sind noch junge Reben, die ordentlich Wuchskraft haben und einen sehr vitalen, freudestrahlenden Wein ergeben. Der 2023er ist zum Zeitpunkt meiner Probe im November 24 etwas verschlossener als der sehr offene 2022er letztes Jahr. Er zeigt nicht so überschwänglich viel gelbe Frucht, sondern wirkt etwas ruhiger und heller im Ausdruck. Er braucht etwas Luft, aber dann dreht er auf mit gelbem und rotem Pfirsich, chinesischer Pflaume, Litschi und frisch aufgeschlagener Creme double. Die noch etwas reduktive Nase weicht dann einem enorm kraftvollen, tiefen und ausladenden Mund. Die leichte Öligkeit des Batard läuft die Backen hinab, feinste Bitterstoffe aus Grapefruit, Orangenöl und süßem Kalkstein. Irre Tanninstruktur, die im Nachhall aus dem nichts nochmal auftaucht und kräftig zupackt. Lang und länger werdend. Ein Baby, das seinen Höhepunkt vielleicht 2038 haben wird. Die Persistenz ist atemberaubend, das zeigt er auch heute schon. Der Kalkstein steht am Gaumen wie eine Eins, fast als hätte man ein süßes, üppiges Austernwasser geschlürft. Der Vollgas-Wein der Puligny-Pucelles im Keller dieses Jahr, denn bei all seiner Intensität ist der Batard der zartere Wein, der Grand Cru eben.
Der Jahrgang 2023 präsentiert sich als eine perfekte Symbiose aus Klassik und Moderne. Nach den extremen Hitzejahren der Vergangenheit wirken die 2023er wie ein »tiefes Ausatmen«. Sie sind geprägt von seidiger Textur, cremiger Zugänglichkeit und einer hellen, strahlenden Frucht. Besonders beeindruckend ist die Kombination aus Transparenz für das jeweilige Terroir und einer verführerischen Extraktsüße. 2023 war für die Winzer im Burgund ein Befreiungsschlag in Sachen Quantität. Trotz der großzügigen Erträge fehlt es den Weinen nicht an Konzentration, da hohe Extraktwerte einer Verwässerung entgegenwirkten. Das Wetter war über den Sommer moderat mit ausreichend Niederschlag, bis eine extreme Hitzewelle kurz vor der Lese im September für den finalen Schub an Reife und Dichte sorgte. Während die Weißweine an die Reichhaltigkeit von 2018 erinnern, bewahren sie durch eine feine Säurefrische ihre klassische Brillanz. Es ist ein Jahrgang des puren Genusses, der bereits in seiner Jugend viel Freude bereiten wird und bei den Rotweinen an die reiche Eleganz von 2019 erinnert.