Luigi Pira: Barolo Vigna Marenca 2022
100
- Nebbiolo 100%
- rot, trocken
- 14,5% Vol.
- Trinkreife: 2029–2045
- voluminös & kräftig
- seidig & aromatisch
- strukturiert
- Lobenberg: 97–98+/100
- Galloni zu 2021: 97/100
- Vinum zu 2021: 96/100
- Italien, Piemont
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Luigi Pira, Via XX Settembre, 9, 12050 Serralunga d'Alba (CN), ITALIEN
Heiner Lobenberg über:
Barolo Vigna Marenca 2022
/100
Bei Luigi Pira wird immer komplett entrappt. Keine Kaltmazeration, die Gärung dauert ungefähr zweieinhalb Wochen an, danach wird der Wein vier bis sechs Wochen natürlich abgesetzt im großen Stahltank. Während dieser Zeit sinken alle Schwebeteilchen auf den Boden des Tanks. Der Marenca wird erst für ein Jahr in französischen 500-Liter Tonneaux ausgebaut, ein Drittel davon sind Neuholz, der Rest ist in Zweit- und Drittbelegung. Anschließend geht der Wein für ein weiteres Jahr ins große, gebrauchte slawonische Holzfass. Die mittlere Lage des Ortes Serralunga ist Luigi Piras Heimat und Aushängeschild. Seine Reben stehen direkt unterhalb des Weingutes, das sind die allerbesten Lagen von Serralunga. Die Böden sind stark eisen-geprägt und bringen kraftvolle Weine hervor. Das ist schon eine verrückte Situation: auf der einen Seite liegen die Weinberge von Angelo Gaja, auf der anderen Seite am Ortsausgang die Weinberge von Giacomo Conterno, und in der Mitte, im Filetstück, liegen die Weinberge von Luigi Pira. Ich bin überzeugt davon, dass es kein perfekter gelegenes Weingut als Luigi Pira im Herzen Serralungas gibt. Auf den Marenca blickt man direkt, wenn man vom Weingut oben runterschaut. Die Lage ist sehr steil und in perfekter Südexposition. Der Boden im Marenca besteht komplett aus weißem Lehm, was eher mächtige Weine ergibt und diesen Barolo letztlich deutlich vom schwebenden Margheria oder dem klassischen Serralunga unterscheidet. Hier kommt einfach wesentlich mehr Power und mehr Druck ins Glas. Die Lage Marenca scheint zwar heute etwas in Vergessenheit geraten und ist nicht mehr so bekannt, aber in Renato Rattis erster Kartographie der Weinberge der Region war sie bereits 1971 inkludiert. ,Fassmuster, der Wein wird im Dezember 2025 abgefüllt. Leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Im Vergleich zum davor probierten Margheria hat dieser Barolo Marenca ein viel präziseres und »roteres« Frucht Spektrum in der Nase. Klirrend frische rote Johannisbeeren mit Sauerkirschen, zart schwebenden Blüten, Rosen und braunen Gewürzen sowie einer tief brummenden, salzigen, dezent rauchigen Mineralität. Hier ist komprimierte Spannung im Glas, die sich durch eine besonders erstaunliche spannungsgeladene Frische auszeichnet. Ich würde deshalb vom bloßen Riechen allein niemals von einem heißen und trockenen Jahrgang ausgehen, denn aromatisch ist der Marenca sogar eher kühl und definiert. Diese Duftigkeit und verführerische Zartheit dieser Lorelei täuschen allerdings, denn im Mund ist der Marenca ein Wolf im Schafspelz! Monumental viele, prominent strukturierte Serralunga-Tannine bleiben griffig auf der Zunge. Das ist Serralunga Klassik at its best! Immens saftige rote Kirschen bilden in fabelhafter Opulenz das Gegengewicht zur Struktur. Der Jahrgang 2022 stellt sich bei meiner Probe im Oktober 2025 hier bei Luigi Pira als wunderbarer Klassikjahrgang dar. In diesem durchaus herausfordernden Jahrgang wird das großartige Terroir deutlich ins Rampenlicht gestellt. Auch wenn dieser Wein nicht ganz die Frische und Vibration des Jahrgangs 2021 erreicht, so ist er dennoch ein großer und komplexer, etwas reiferer Wein, und einer meiner Lieblingsweine dieses Jahr! Genial guter Stoff!
Jahrgangsbericht
2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.
Luigi Pira
Das Weingut Luigi Pira liegt traumhaft schön am Hang eines riesigen Talkessels mitten in Serralunga d’Alba mit vielen der besten Lagen des Barolo.