Bei Luigi Pira wird immer komplett entrappt. Keine Kaltmazeration, die Gärung dauert ungefähr zweieinhalb Wochen an, danach wird der Wein vier bis sechs Wochen natürlich abgesetzt im großen Stahltank. Während dieser Zeit sinken alle Schwebeteilchen auf den Boden des Tanks. Der Marenca wird erst für ein Jahr in französischen 500-Liter Tonneaux ausgebaut, ein Drittel davon sind Neuholz, der Rest ist in Zweit- und Drittbelegung. Anschließend geht der Wein für ein weiteres Jahr ins große, gebrauchte slawonische Holzfass. Die mittlere Lage des Ortes Serralunga ist Luigi Piras Heimat und Aushängeschild. Seine Reben stehen direkt unterhalb des Weingutes, das sind die allerbesten Lagen von Serralunga. Die Böden sind stark eisen-geprägt und bringen kraftvolle Weine hervor. Das ist schon eine verrückte Situation: auf der einen Seite liegen die Weinberge von Angelo Gaja, auf der anderen Seite am Ortsausgang die Weinberge von Giacomo Conterno, und in der Mitte, im Filetstück, liegen die Weinberge von Luigi Pira. Ich bin überzeugt davon, dass es kein perfekter gelegenes Weingut als Luigi Pira im Herzen Serralungas gibt. Auf den Marenca blickt man direkt, wenn man vom Weingut oben runterschaut. Die Lage ist sehr steil und in perfekter Südexposition. Der Boden im Marenca besteht komplett aus weißem Lehm, was eher mächtige Weine ergibt und diesen Barolo letztlich deutlich vom schwebenden Margheria oder dem klassischen Serralunga unterscheidet. Hier kommt einfach wesentlich mehr Power und mehr Druck ins Glas. Die Lage Marenca scheint zwar heute etwas in Vergessenheit geraten und ist nicht mehr so bekannt, aber in Renato Rattis erster Kartographie der Weinberge der Region war sie bereits 1971 inkludiert. ,Fassmuster, der Wein wird im Dezember 2025 abgefüllt. Leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Im Vergleich zum davor probierten Margheria hat dieser Barolo Marenca ein viel präziseres und »roteres« Frucht Spektrum in der Nase. Klirrend frische rote Johannisbeeren mit Sauerkirschen, zart schwebenden Blüten, Rosen und braunen Gewürzen sowie einer tief brummenden, salzigen, dezent rauchigen Mineralität. Hier ist komprimierte Spannung im Glas, die sich durch eine besonders erstaunliche spannungsgeladene Frische auszeichnet. Ich würde deshalb vom bloßen Riechen allein niemals von einem heißen und trockenen Jahrgang ausgehen, denn aromatisch ist der Marenca sogar eher kühl und definiert. Diese Duftigkeit und verführerische Zartheit dieser Lorelei täuschen allerdings, denn im Mund ist der Marenca ein Wolf im Schafspelz! Monumental viele, prominent strukturierte Serralunga-Tannine bleiben griffig auf der Zunge. Das ist Serralunga Klassik at its best! Immens saftige rote Kirschen bilden in fabelhafter Opulenz das Gegengewicht zur Struktur. Der Jahrgang 2022 stellt sich bei meiner Probe im Oktober 2025 hier bei Luigi Pira als wunderbarer Klassikjahrgang dar. In diesem durchaus herausfordernden Jahrgang wird das großartige Terroir deutlich ins Rampenlicht gestellt. Auch wenn dieser Wein nicht ganz die Frische und Vibration des Jahrgangs 2021 erreicht, so ist er dennoch ein großer und komplexer, etwas reiferer Wein, und einer meiner Lieblingsweine dieses Jahr! Genial guter Stoff!