Luigi Baudana - G.D. Vajra: Barolo Serralunga d'Alba 2022

Luigi Baudana - G.D. Vajra: Barolo Serralunga d'Alba 2022

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
15,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2040
strukturiert
pikant & würzig
Lobenberg: 94–95/100
Suckling: 94/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Serralunga d'Alba 2022

94–95
/100

Der Basis-Barolo von Luigi Baudana stammt aus den Top-Lagen Cerretto und Baudana, aber er wird aus den Trauben der etwas jüngeren Reben gemacht. Die Familie Vajra hat nach der Übernahme des Weinguts 2009 entschieden, die beiden Parzellen zusammen zu vinifizieren, um die eigenständigen Crus Cerretto und Baudana qualitativ zu heben. Alle Baudana-Weine in Serralunga wurden am 5. Oktober 2022 gelesen. Der Wein blieb 36 Tage lang auf den Traubenschalen und wurde wie alle anderen Baroli 22 Monate lang in großen Botti ausgebaut. Mittleres, leuchtendes Rubinrot. Sehr attraktive und offenherzige Nase mit brillant klarer, roter Kirschfrucht, knackiger, perfekt ausgereifter, süßer Erdbeere, Himbeere, Orangenabrieb und intensiv kalkiger, beinahe staubiger Mineralik. Sie legt sich rauchig, sogar graphitartig mit intensiven, aber auch schwebend leichten Aromen von gepresster Orange, Pfirsich, dunklen Blüten und auch getrocknetem Potpourri über die Frucht. Animalische Würze von Blut, Fleisch, sowie braune Gewürze wie Nelken und Zigarrenkiste. Eine enorm anmutige und sehr elegante Nase eines erhabenen Barolo. Auch im Mund ist die Frucht glockenklar mit präzisen roten Johannisbeeren, zart duftenden Walderdbeeren, salzig würzigem Kalkstein, weißem Pfeffer und aromatischen frischen Kräutern. Die vielen reifen Tannine sind geschliffen und bleiben mit ihrer Textur von cremiger, nasser Kreide auf der Zunge liegen. Giuseppe Vajra kommentiert, dass das Magnesium im Boden der Weinberge den Baudana-Weinen Präzision, aber auch eine eher lineare Struktur verleiht. Im Mund ist der Wein dieses Jahr erstaunlich rotfruchtig und von kühler Eleganz sowie genialer Frische gezeichnet. Ein kleiner und mineralisch geladener Vosne-Romanée im Glas! Wieder ganz klar einer der besten Village-Weine des Jahrgangs in seiner Preisklasse und ein sehr schicker Barolo!

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

94
/100

Suckling über: Barolo Serralunga d'Alba

Aromas of sour cherries, hibiscus and dried flowers. The palate is very cohesive and delicate, with transparent red fruit, polished focused tannins and gentle acidity. Very harmonious and approachable. Drink now or hold.

Mein Winzer

Luigi Baudana by G.D. Vajra

Luigi Baudanas Vater starb, als er 14 Jahre alt war. Alt genug für die Arbeit, leider nicht alt genug um guten Wein zu machen. Luigi war aber entschlossen den Hof weiter zu betreiben, nichts wollte er verkaufen.

Barolo Serralunga d'Alba 2022