Nach der Handlese zum Teil im Beton, zum Teil im Holz vergoren und anschließend 24 Monate in großen Botti ausgebaut. Also doppelt so lange wie bei den meisten anderen Weingütern, denn die DOC verlangt nur einen Ausbau von 12 Monaten. Schon beim Einstieg wird die kompromisslose Herangehensweise von Riccardo Campinoti deutlich. Mittleres, leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Was für eine wunderbar duftende, ätherische Nase! Heu, schwebender kubanischer Tabak und getrocknete Rosenblüten. Sehr attraktiv und wunderbar erdig, beinahe sogar burgundisch mit roter Tonerde und Orangenabrieb auf reifer Himbeere, Boysenbeere und etwas Pflaume. Die Frucht präsentiert sich im perfekten, frisch geernteten Zustand – hier ist nichts überreif. Im Mund gleitet der Wein mit frischer Erdbeere und roter Kirsche über die Zunge. Die Tannine sind samtig, beinahe cremig und bauen sich langsam und griffig auf. Sie hinterlassen überraschenderweise eher gelbe Aromen wie Kumquat und Mandarinenschale sowie zarte braune Gewürze, die in einen langen und mineralisch-salzigen Nachhall übergehen. Dieser Wein wäre woanders wahrscheinlich ein Brunello! Das ist ein Rosso di Montalcino der anderen Art – mit dieser Aromenvielfalt geht richtig die Post ab! Die Höhenlage sorgt eben auch in warmen und heißen Jahrgängen für wunderbare Frische. Hier im Nordwesten Montalcinos, wo das Weingut Le Ragnaie situiert ist, liegt mit Sicherheit die Zukunft der Region. Eine wunderbare, harmonische Balance macht den Wein elegant und zugänglich, er ist wahrscheinlich der zarteste Rosso di Montalcino der Topliga, der schon in seinem jugendlichen Stadium einfach wunderbar viel Freude bereitet. Ein toller Wein!