Jülg: Spätburgunder Schweigen Ortswein 2023

Jülg: Spätburgunder Schweigen Ortswein 2023

VDP

Zum Winzer

Pinot Noir 100%
rot, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2025–2040
seidig & aromatisch
saftig
Lobenberg: 94/100
Falstaff: 93+/100
Galloni: 92/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Spätburgunder Schweigen Ortswein 2023

94
/100

Die Village-Wein Kategorie ist für Johannes Jülg, der Weinberge in Frankreich hat und als direkter Nachbar zum Elsass natürlich sehr frankophil denkt, immer besonders wichtig und spannend. Er schiebt richtig viel Dampf in die Ortsweine, hier gibt es keine seichten Weinchen. Eine Mischung aus französischen und deutschen Klonen. Vollständig entrappt, aber mit viel Pigeage, also Unterstoßen, weil für Johannes Jülg Struktur und Tannin schon Kernelemente sind. Er sucht aber eine andere Herangehensweise, bringt das Tannin durch die Kerne und durch etwas erhöhte Neuholzanteile. Alles komplett im Barrique ausgebaut. Rappen sind nicht sein Ding, er will die pure Beerigkeit und den Sexappeal behalten. Die Spätburgunder bleiben lange ungeschwefelt in den überwiegend gebrauchten Barriques. Sehr feine kirschige Nase. Dazu rote und blaue Beeren, schöne Blumigkeit, Veilchen, roter Weinbergpfirsich. Immer mehr blaue Frucht, einen Hauch verspielter als im kargen Vorjahr. Der Mund hat schon ordentlich Struktur, aber es ist eben ganz seidiges, kalkiges, aber auch griffiges Tannin. Sehr geschliffen mit feinziseliertem Säurekern. Die satte, reife Frucht gleicht alles aus. Wirklich eine geniale Balance! 2023 war vielleicht nicht unbedingt einfach für Pinot, aber das viele selektieren hat sich definitiv gelohnt. Was für ein großartiger, feiner, balancierter Wein.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

93+
/100

Falstaff über: Spätburgunder Schweigen Ortswein

Warmer Rauch im Duft, Schlehe, Wacholder, dunkle Kirschen, frische Rote Beten, Efeu, Minze, schwarze Oliventapenade. Im Mund elegant, Frucht und Würze, feinkörniger Gerbstoff und schöner Säurefluss, der Fond ist herrlich geschmeidig, lang am Gaumen, weiteres Potenzial.

92
/100

Galloni über: Spätburgunder Schweigen Ortswein

The 2023 Spätburgunder Schweigen matured in second- to fourth-use pièce and some declassified GG wine. A touch of toast colors the supple red cherry on the nose, accompanied by a slight smokiness. More air brings a hint of iron oxide. This has wonderfully bright, tart red fruit, crunch and filigree tannins that lend graceful structure and lovely density. Freshness pervades everything and makes this shine and last. (Bone-dry)

Mein Winzer

Jülg

Das Weingut Jülg im südpfälzischen Schweigen-Rechtenbach ist schon längst kein Geheimtipp mehr. Winzer Johannes Jülg zählt mit seiner absolut eigenständigen und sehr burgundischen Stilistik bereits seit einigen Jahren zur qualitativen Spitze der Pfalz.

Spätburgunder Schweigen Ortswein 2023