Bei Millot bekommen die Weine, wie bei Grivot in Vosne, eine Kaltmazeration von rund einer Woche bevor die Spontangärung beginnt. Fermentation in Edelstahl und Betontanks, null Holz. Gewisse Ganztraubenanteile von bis zu 50 Prozent in der Vergärung. Der Ausbau findet dann ganz klassisch in Barriques statt. Der Vosne Village wächst in zwei Parzellen: Violets und Hautes-Mazières. Letzteres ist eine der Top-Village-Lagen und liegt nicht weit von Suchots und Echezeaux. Erstere Parzelle liegt benachbart zum Clos de Vougeot. Wunderschöne blaurote Frucht mit Unterholz und Lakritze über Waldbeeren, einfach köstlich. Die Tannine sind superzart, hintersinnig und poliert ohne Ende. Was für ein Charme-Jahr 2023 doch ist. Die Weine schmecken schon aus dem Fass berauschend gut und werden wohl auch nach der Abfüllung sehr zugänglich und fruchtstark bleibend. Das ist ganz klassisches Handwerk bei Millot, und das schmeckt man auch. Wenig Technik, superbe Weinbergsarbeit, klassischer Ausbau. So liebe ich Burgunder, immer zugänglich und ausgewogen.
Der Jahrgang 2023 präsentiert sich als eine perfekte Symbiose aus Klassik und Moderne. Nach den extremen Hitzejahren der Vergangenheit wirken die 2023er wie ein »tiefes Ausatmen«. Sie sind geprägt von seidiger Textur, cremiger Zugänglichkeit und einer hellen, strahlenden Frucht. Besonders beeindruckend ist die Kombination aus Transparenz für das jeweilige Terroir und einer verführerischen Extraktsüße. 2023 war für die Winzer im Burgund ein Befreiungsschlag in Sachen Quantität. Trotz der großzügigen Erträge fehlt es den Weinen nicht an Konzentration, da hohe Extraktwerte einer Verwässerung entgegenwirkten. Das Wetter war über den Sommer moderat mit ausreichend Niederschlag, bis eine extreme Hitzewelle kurz vor der Lese im September für den finalen Schub an Reife und Dichte sorgte. Während die Weißweine an die Reichhaltigkeit von 2018 erinnern, bewahren sie durch eine feine Säurefrische ihre klassische Brillanz. Es ist ein Jahrgang des puren Genusses, der bereits in seiner Jugend viel Freude bereiten wird und bei den Rotweinen an die reiche Eleganz von 2019 erinnert.