Bei Millot bekommen die Weine, wie bei Grivot in Vosne, eine Kaltmazeration von rund einer Woche bevor die Spontangärung beginnt. Fermentation in Edelstahl und Betontanks, null Holz. Rund 30 Prozent Ganztrauben in der Gärung auch beim Savigny Village, das gibt Festigkeit und feine Krautwürze, die diesem Charme-Dorf sehr gut steht, dass es nicht in die Breite geht. Der Ausbau findet dann ganz klassisch in Barriques statt. Der Savigny wächst in drei Parzellen, die komplementär reifen, zwei sehr spät und eine sehr früh, das gibt dann eine schöne Balance. Die Nase ist eher rotfruchtig und sehr würzig, wir haben Amarenakirsche und Pain d’Epices, zudem auch etwas Nelke und weißen Pfeffer. Der Mund wird von straffen, herbsaftigen Tanninen getragen, er hat genau den richtigen Grip unter der Extraktsüße des sonnigen Jahrgangs. Das kommt auch daher, dass Millot so ein Meisterhändchen mit den Rappen hat.
Der Jahrgang 2023 präsentiert sich als eine perfekte Symbiose aus Klassik und Moderne. Nach den extremen Hitzejahren der Vergangenheit wirken die 2023er wie ein »tiefes Ausatmen«. Sie sind geprägt von seidiger Textur, cremiger Zugänglichkeit und einer hellen, strahlenden Frucht. Besonders beeindruckend ist die Kombination aus Transparenz für das jeweilige Terroir und einer verführerischen Extraktsüße. 2023 war für die Winzer im Burgund ein Befreiungsschlag in Sachen Quantität. Trotz der großzügigen Erträge fehlt es den Weinen nicht an Konzentration, da hohe Extraktwerte einer Verwässerung entgegenwirkten. Das Wetter war über den Sommer moderat mit ausreichend Niederschlag, bis eine extreme Hitzewelle kurz vor der Lese im September für den finalen Schub an Reife und Dichte sorgte. Während die Weißweine an die Reichhaltigkeit von 2018 erinnern, bewahren sie durch eine feine Säurefrische ihre klassische Brillanz. Es ist ein Jahrgang des puren Genusses, der bereits in seiner Jugend viel Freude bereiten wird und bei den Rotweinen an die reiche Eleganz von 2019 erinnert.