J. J. Prüm: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Auslese Lange Goldkapsel 2022

J. J. Prüm: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Auslese Lange Goldkapsel 2022 0,375 l

Weinclub

VDP

Limitiert

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, süß
7,5% Vol.
Trinkreife: 2032–2072
exotisch & aromatisch
mineralisch
sehr süss
Lobenberg: 97–100/100
Suckling: 99/100
Mosel Fine Wines: 98/100
Parker: 98/100
Gerstl: 20+/20
Deutschland, Mosel Saar Ruwer
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Zeltinger Sonnenuhr Auslese Lange Goldkapsel 2022

97–100
/100

Lobenberg: Auf dem Papier ist das eine Beerenauslese, allerdings hat Team Prüm entschieden, dass es geschmacklich nicht so tief im Botrytis-Beerenton ist wie BAs sein sollen für Prüms. Es gibt erstmals überhaupt eine LGK aus dem Zeltinger Himmelreich – das ist also ein Premierenwein. Ein hochfeiner Beerenton, der zwar nicht so tief und druckvoll ist, aber unglaublich schick und verspielt, duftig und fein. Weiße Blüten, Kirschblüte, Papaya, weißer und gelber Pfirsich in höchstkonzentrierter Form. Ultraintensiv und ultrafein zugleich, ein Wunderwerk von Süßwein. Zeltingen ist ja immer völlig eigen, hat einen anderen Charakter als die perfektionistische Sonnenuhr und das aufregende Himmelreich, aber in dieser hohen Konzentration tritt die brachial salzige Mineralität etwas in den Hintergrund und wir nähern uns mehr der steinig-duftigen, toll balancierten Zugänglichkeit und Üppigkeit des Himmelreichs in 2022 an. Einfach schön. Süßwein wie aus dem Bilderbuch. Der Wein ist zwar teuer, aber in seinem Unikatstatus und noch dazu als Erstlingswerk aus diesem Hause in dieser Lage mit langer Goldkapsel, ist das eben auch ein sehr besonderer Wein. Ultralimitiert und nur in winziger Menge erzeugt. 97-100/100

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

99
/100

Suckling über: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Auslese Lange Goldkapsel

-- Suckling: Hard to believe that this nobly-sweet masterpiece was possible in 2022! Here is a very lush and creamy Auslese with incredible aromas of exotic fruit coulis plus a slew of tropical flowers. So much ripe papaya on the full-bodied palate! Fantastic concentration, creaminess and vitality right through the super-long and compact finish. Drinkable now, but best from 2030. 99/100

Verkostungsnotiz
98
/100

Mosel Fine Wines über: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Auslese Lange Goldkapsel

-- Mosel Fine Wines: The 2022er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese LGK was made from shriveled rather than botrytized fruit and was fermented down to noble- sweet levels of residual sugar. It offers a gorgeously refined and sumptuous nose of almond paste, pineapple, honeyed yellow peach, tangerine, candied orange zest, fresh apricot, passion fruit, thyme, and smoke. The wine proves magnificently playful on the rich yet refined palate. There is great sweetness and intensity, but also airy and elegant elements which come into play. The energy and finesse in the magnificently long finish are remarkable. What a stunning dessert wine! 2037-2102 98/100

98
/100

Parker über: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Auslese Lange Goldkapsel

-- Parker: The 2022 Zeltinger Sonnenuhr Auslese (Long Gold Capsule) is super precise and refined on the finely flinty nose that shows highly elegant and well-concentrated but still very delicate fruit. On the palate, this is a generous, sweet yet filigreed and refined, super concentrated and stimulating saline Auslese with a long and intense, finely concentrated finish that represents very fine botrytis berry and bread aromas. This is a spectacular Auslese that could have been sold as Beerenauslese as well, but in the end, it had too much Auslese character for the Prüm family: too filigreed, too digestible, too frisky. It will be a great and food-friendly wine in 10 or 15 years. 7.5% stated alcohol. Natural cork. Tasted at the domaine from AP 21 23 in January 2025.

20+
/20

Gerstl über: Riesling Zeltinger Sonnenuhr Auslese Lange Goldkapsel

-- Gerstl: Nochmals einen Tick mehr von allem - so präsentiert sich die Lange Goldkapsel. Das ist schon sehr nahe an einer Beerenauslese, denn die Intensität ist enorm. Daraufhin erklärte uns Katharina Prüm, dass es eigentlich eine Beerenauslese ist bzw. die Konzentration davon hat, aber die Frische und die Balance immer noch so perfekt sind, dass sie den Wein noch als Auslese klassifizieren wollten. Die Fruchtaromatik geht hier noch stärker ins Tropische und präsentiert einen Korb voller Früchte. Gleichzeitig kommt auch die herrliche Frische zum Vorschein und verschafft dem Wein viel Strahlkraft und Eleganz. Auch im Auftakt dicht, intensiv und hocharomatisch. Dann setzt die Säure ein und bringt die erhoffte Balance ins Spiel. Obwohl die Intensität dadurch nicht weniger wird, bekommt die Auslese so einen äusserst trinkfreudigen Fluss, was Lust auf den nächsten Schluck macht. Eine gigantische Auslese, die alle Grenzen sprengt.

Mein Winzer

J. J. Prüm

Das Weingut J. J. Prüm entstand 1911 nach der Erbteilung des Stammgutes auf die sieben Kinder des letzten Inhabers, Mathias Prüm. Heute werden die legendären Weine von Dr. Manfred Prüm und seiner Familie erzeugt.

Riesling Zeltinger Sonnenuhr Auslese Lange Goldkapsel 2022