Hanspeter Ziereisen: Chardonnay Jaspis Nägelin 2023

Hanspeter Ziereisen: Chardonnay Jaspis Nägelin 2023

Holzkiste

Zum Winzer

Chardonnay 100%
weiß, trocken
13,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2044
Verpackt in: 6er OHK
voll & rund
mineralisch
Lobenberg: 98+/100
Parker: 94/100
Deutschland, Baden
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chardonnay Jaspis Nägelin 2023

98+
/100

Nägelin sind die ältesten Chardonnay-Reben von Ziereisen, 1996 gepflanzt. Der Wein bekommt eine Maischestandzeit über Nacht, danach wird langsam mit viel Sauerstoffkontakt abgepresst. Spontan komplett durchgegoren. Der Jaspis Chardonnay verbleibt nicht ganz zwei Jahre im gebrauchten Barrique auf der Hefe. Die Arbeit mit der Hefe ist ohnehin Hanspeters Meisterwerk, kaum jemand arbeitet mit langem Hefelager so gut wie Ziereisen, wohl noch Kühns aus dem Rheingau. Unfiltriert und ungeschönt abgefüllt. Die Nase ist so typisch für HP Ziereisens Holz- und Hefeeinsatz mit viel reduktiver Spannung, sehnig, karg und steinig, leichte Rauchnoten. Dann kommt Salzzitrone, Muschelschale und Feuerstein, gezündete Streichhölzer, grüne Aprikose und grüne Walnuss, etwas weißer Pfeffer. Im Mund erstaunlich elegant, aber auch intensiv und druckvoll in weißer und grün-gelber Frucht mit zitrischen Elementen darin. Weißer Pfirsich, helle Birne, aber alles so unfassbar elegant. Mirabelle, Quitte, leichter Zitrustouch. Unglaublich fein in seiner leicht grünlichen Struktur. Es ist wichtig Chardonnay früh und nicht überreif zu lesen, um die Frische zu bewahren. Mit wenig Oechsle rein in die Vergärung, um diese schlanken Wunderwerke zu kreieren, die dennoch so unglaublich intensiv sind. Ein unglaublicher Kraftwein, der trotzdem total schlank und elegant ist, sehr lang, pikante Mineralität, viel Salz und grandiose Frische mit Anklängen von Minze und Eukalyptus. Das Salz, der kreidige Grip, die feinen Gerbstoffe, alles packt zu und lässt nicht mehr los, belegt den Mund für eine Minute. Wow, was für eine Struktur. Dieser Chardonnay Jaspis muss sich trotz des etwas geringeren Rebalters von »nur« knapp unter 30 Jahren nicht hinter Hubers Bienenberg GG oder Hegers Gras im Ofen verstecken. Einer der besten Chardonnays Deutschlands. Ich bin total begeistert! Schade, dass es davon immer nur so wenig Menge gibt, denn das ist großer Stoff.

Jahrgangsbericht

Der Winter 2022 auf 2023 brachte endlich, wovon wir in den letzten Jahren oft zu wenig hatten: Niederschlag. Dank Regen satt, waren die Wasserreserven nach dem viel zu trockenen 2022 endlich wieder gut gefüllt, was den Reben einen vitalen Start ins Frühjahr eröffnete. Nahezu keine Frostschäden und paradiesisches Wetter begleiteten eine tolle Austriebs- und Blütezeit, die die Winzerherzen höherschlagen ließ. Es folgte, woran wir uns – mit Ausnahme von 2021 – bereits gewöhnt haben: ein heißer und (zu) trockener Sommer. An den kargsten Standorten gab es wie im Vorjahr etwas Trockenstress. Die älteren Reben kamen aber aufgrund der satten Winterniederschläge glimpflich und sehr gesund durch den provençalischen Frühsommer. Nichtsdestotrotz hätte 2023 eine mittlere Katastrophe werden können, wenn die Trockenheit bis zur Lese so durchgepowert hätte, doch ausgerechnet der sonnenverwöhnte August brachte die Kehrtwende auf den Hacken, denn es war der regenreichste August seit langem. Ab Anfang/Mitte September – gerade recht zur Lesezeit – machte das Wetter vielerorts erneut eine Kehrtwende und schwenkte zurück zu sonnig-warmen, trockenen Verhältnissen. Die bereits kühleren Nächte ermöglichten eine hocharomatische Ausreifung, die 2023 diese gewaltige Fruchtstärke und kühle Brillanz beschert hat. Tatsächlich sahen die Trauben mancherorts aus wie von einem anderen Stern: goldgelb, hochreif und voll praller Energie und Saft. Ob 2023 wirklich DAS Jahr der Jahre ist, steht natürlich noch in den Sternen, aber die Vorzeichen sind mehr als grandios… es ist aus mehreren Gründen der faszinierendste Jahrgang der letzten Jahre. Kein Jahr zuvor war in der Vegetationsperiode so »sonnig« UND so »nass« zugleich. Also doch kein reines (Wein-)Wunder, dass 2023 diese wundervolle geschmackliche Mischung zwischen den aromatisch-dichten 2018ern und 2019ern, sowie den rassig-kühlen 2012ern und 2013ern ist. Warme, satte Agrumenfrucht ohne Ende, von Grapefruit bis Quitte ist alles dabei – und darunterliegend immer wieder dieser mitreißende Speichelturbo. Die Weine haben mehr Dichte als in 2020, eine höhere Reife als in 2021 und mehr Geschmeidigkeit als in 2022 – deshalb gefällt mir der Jahrgang beim Riesling in der Breite bisher auch besser als seine Vorgänger. 2023 kann sowohl 2021er Riesling-Freaks als auch Fans des runderen 2018 abholen. Die Einzigartigkeit der 2023er Rieslinge liegt im Akkord aus beeindruckender Dichte, die selten schwer wirkt, glasklarem Terroircharakter und einem Trinkfluss für die Götter. Die höhere Wasserverfügbarkeit der Reben hat vielen Weinen einen schwer in Worte zu fassenden »Fluss« verliehen. Die Besten sind so reich und geschmeidig, dennoch nie fett oder überwältigend, immer freudvoll und saftig. Vor allem im direkten Vergleich mit dem phenolisch-festeren und etwas kargeren Vorjahr 2022, ist das ein Quantensprung in Richtung früher Trinkbarkeit und Gourmetfaktor. Ich kann mir gut vorstellen, dass 2023 sogar bei den großen Weinen für eine längere Zeit offen und zugänglich bleibt. Das gibt dem Jahr potenziell ein riesiges Trinkfenster, denn dank tiefer pH-Werte und großer Balance ist das allemal auch ein Jahrgang für den Keller. In der Spitze sind die 2023er buddhistische Rieslinge. Keines der letzten drei Jahre hatte ein so stimmiges Gesamtbild aus expressiver Frucht, samtig-dichter Textur und perfekt reifen Säuren. 2023 fließt einfach – Hedonismus pur!

94
/100

Parker über: Chardonnay Jaspis Nägelin

From 30-year-old vines, the 2023 Jaspis Chardonnay Nägelin opens with an intense and elegant, quite complex sur lie and chalky as well as zesty lemony and also a little phenolic nose that intertwines with a certain sweetness from the aging in small and newer oak. Medium- to full-bodied, lush and round on the palate, with flinty nuances, this is an rich and elegant, complex, thoroughly mineral and tensioned, seriously structured yet always refined and salivating Chardonnay from vines planted in the Hard cru in 1996. It has an elegant and aromatic aftertaste with fine minerals, even if still a little drying. Bottled unfiltered with 13% stated alcohol. Natural cork. Tasted from lot L 20 25 in February 2026.

Mein Winzer

Hanspeter Ziereisen

Den in Mischwirtschaft betriebenen Hof seiner Eltern wollte der gelernte Zimmermann Hanspeter Ziereisen zunächst nicht weiter führen, zu mühsam war der Broterwerb als Landwirt im Spargeldominierten Markgräflerland.

Chardonnay Jaspis Nägelin 2023