Griesel & Compagnie: Chardonnay Prestige Brut Nature 2021

Griesel & Compagnie: Chardonnay Prestige Brut Nature 2021

Zum Winzer

Chardonnay
weiß, trocken
Flaschengärung
Perlend
12,0% Vol.
Trinkreife: 2026–2039
mineralisch
frische Säure
unkonventionell
Lobenberg: 95+/100
Vinum: 96/100
Deutschland, Hessische Bergstraße
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Chardonnay Prestige Brut Nature 2021

95+
/100

Dieser Stoff braucht definitiv keine Vergleiche mit einigen der schicksten Blanc de Blancs Winzerchampagner zu scheuen! Selektive Handlese in kleinen Kiste, sehr lang und schonend abgepresst, nur der Most wird ganz leicht geschwefelt um einer übermäßigen Oxidation vorzubeugen. Der Ausbau der Grundweine erfolgt dann komplett ohne Schwefel, jeweils hälftig im Holz und im Edelstahl. Anschließend ganze drei Jahre Hefelager. Also im Prinzip die gleiche Herangehensweise wie bei Vintage-Champagner. Er bekommt keine Dosage, also kompromisslos trocken. Dieser Sekt kommt zwar erst im Herbst auf den Markt, denn etwas Ruhe wird ihm sicher noch gut tun, aber schon jetzt präsentiert er sich einfach so gut und weckt unheimliche Vorfreude. Rauchige Kalksteinnoten im spielerischen Wechsel mit gelbem Apfel, Marille und Kruste von frischem Sauerteigbrot. Dazu feine Kräuteruntertöne. Schon die Nase verrät, dass das kein »rundgelutschtes Sektchen«, sondern ein sehr charaktervoller Schäumer mit Ecken und Kanten ist. Dementsprechend dann auch am Gaumen mit brachial zupackender Struktur. Wow, die reifen Zitrusnoten beanspruchen die Papillen, dazu diese kristalline Textur mit salziger Mineralität und geschliffenen Gerbstoffen. Total spannungsgeladen, dabei auch so saftig und animierend. Leichte Noten von hellem Steinobst dazu. Beeindruckende Länge mit feinem Schmelz im Nachhall aus dem langen Hefelager. Genau der richtige Sekt für all diejenigen, die puristische und dabei dennoch balancierte und vor allem trinkige Schaumweine schätzen.

Jahrgangsbericht

Mit den letzten Jahrgängen im Hinterkopf antizipierten die Winzer wie gewohnt einen eher trocken-warmen Witterungsverlauf. Doch 2021 machte recht schnell klar: nicht mit mir! Austrieb und Blüte waren bereits von ungewöhnlich nordisch-rauem Wetter begleitet und im Vergleich zu den Vorjahren »relativ spät« – im langjährigen Mittel also quasi normal. Die meisten deutschen Weinberge blieben von Frost verschont. Die recht harsche Witterung sorgte jedoch nahezu überall für Ertragseinbußen durch die windige, verregnete und dadurch unregelmäßige Blütephase. Der darauffolgende Sommer brachte zunächst keineswegs die Wende. Dramatisch konzentrierte Sommerniederschläge setzten der vorherigen Trilogie der heiß-trockenen Jahre ein jähes Ende und machten den Pflanzenschutz 2021 zu einer Sisyphusarbeit. Die Topwinzer haben 2021 Marathondistanzen in den Weinbergen abgeleistet, um der Situation Herr zu werden. Durch den zusätzlich hohen Personaleinsatz ist es in der Produktion für viele eines der teuersten Jahre aller Zeiten. Ein Glück, dass der Riesling als adaptierte Nord-Rebe stoisch in Wind und Wetter steht wie ein Islandpferd. Denn im Grunde wurde im Herbst immer klarer: Wenn man im Sommer richtig Gas gegeben hat, konnte das noch ein unglaublich starker Jahrgang werden – und so kam es dann auch. Nach diesem echten Cool-Climate-Sommer, der bis Ende August anhielt, retteten der September und ein Goldener Oktober den Weinjahrgang dann fast im Alleingang. Ein stabiles Hoch über Mittel- und Osteuropa sorgt für dieses seit Jahrhunderten bekannte Phänomen. Die Sonnenscheindauer ist gegen Oktober mit noch immer über 10 Stunden sehr hoch, dafür ist die Tag-Nacht-Amplitude schon viel ausgeprägter als noch im August. Da die Nächte länger werden, kann die Luft in Bodennähe stärker auskühlen. Das sorgt für eine langsame Ausreifung bei langer Hangzeit am Stock und trotzdem stabil bleibenden Säuren. Gerade der Riesling liebt das besonders, aber auch die Burgundersorten brillieren mit kühler Frische. Denn 2021 ist ein so spannendes, krachendes und zugleich kristallines Weißwein-Jahr, wie wir es lange nicht mehr hatten. Wer keine Angst vor berauschender Frische hat und sich gerne von hoher Spannung aus der Kurve tragen lässt, der wird mit 2021 seine größte Freude haben. Alle anderen sollten sich besser an die gar nicht so unähnlich gebauten, aber etwas freundlicheren 2020er halten.

96
/100

Vinum über: Chardonnay Prestige Brut Nature

Klar leuchtendes Goldgelb. Feine Perlage, beim Eingießen spürbares Mousseux. In der Nase Holzwürze und feine Röstigkeit, dazu Birne und Melone, hefig unterlegt. Am Gaumen knochentrocken, mit elektrisierender Spannung und betonter, jahrgangstypischer Säure. Heuig strohige Anklänge, prägnanter Holzton. Sehr hoher Schliff, präzise bis an die Schmerzgrenze, mit langem, straffem Nachhall.

Mein Winzer

Griesel & Compagnie

Wer über deutschen Schaumwein spricht, kommt nicht mehr um Griesel drumherum. Das noch relativ junge Sekthaus hat sich innerhalb kürzester Zeit zu den Top-Produzenten in Deutschland hochgearbeitet und bringt die hessische Bergstraße wieder auf die Karte.

Chardonnay Prestige Brut Nature 2021