Dégorgement Tardif steht für bewusst spätes Degorgieren – mehr Zeit auf der Hefe, mehr Komplexität, mehr Tiefe. Nur Partien, die Niko Brandner als wirklich außergewöhnlich einstuft, bekommen dieses verlängerte Hefelager. Der 2020er Blanc de Blancs durfte ganze 46 Monate reifen, ohne Dosage gefüllt, und wird nun als Special Release der Exquisit-Serie präsentiert. Schon die Nase geht sofort in Richtung große Champagne: kühle, kalkige Reduktion, leicht tertiäre Anklänge, zerdrückter Apfel, Birnenschale, Quitte, etwas gelbes Steinobst, Brioche und feine, nussige Hefe. Dazu ein klarer Zitrusstrahl – Salzzitrone, weiße Grapefruit – der dem Sekt enormen Zug gibt. Alles unglaublich sauber, straff und gleichzeitig mit einer gewissen Reife und Cremigkeit unterlegt. Am Gaumen zieht der Wein richtig an. Einerseits schlank, feingliedrig, fast tänzelnd. Andererseits mit einer intensiven, tiefen Frische, die sofort zupackt. Weißes Steinobst, Birne, etwas grüne Äpfel, dazu ein richtig schöner hefig-mineralischer Grip, wie man ihn nur nach langem Hefelager bekommt. Der Chardonnay-Anteil bringt Finesse und Spannung, der Weißburgunder subtile Cremigkeit und Würze. Das wirkt nochmal deutlich ernsthafter und druckvoller als der Blanc de Blancs der Prestige-Linie – mehr Schmelz, mehr Textur, mehr salzige Länge. Der Nachhall ist trocken, kreidig, vibrierend, mit diesem langen, leicht nussigen Hefeausklang, der minutenlang stehen bleibt. Das ist kraftvoller, präziser, klar strukturierter Blanc de Blancs: sehr champagnernah, aber mit der typisch grieselschen Feinheit und Klarheit. Ein echtes Statement-Sektstück und eines der großen Highlights aus dem Griesel-Keller.