Schon seit einigen Jahren hatten die beiden Winzer Michael Linke und Franz Hofbauer ein Konzept für diesen Wein im Kopf. Ihre Idee war es, einzelne Trauben aus den kargsten und ältesten Parzellen ihrer Toplagen separat zu lesen und daraus eine Lagencuvée der absoluten Spitzenklasse zu vinifizieren. Dafür haben sie einzelne Stöcke in markiert und nur die besten, sehr kleinbeerigen Trauben für ihr »Großes Werk« selektiert. Die Lagenweine sollten dabei aber nicht geschwächt werden. Die Parzellen liegen sehr weit oben, oft in direkter Lage am Wald, sind somit deutlich kühler. Im Keller wurde dann genau so gearbeitet wie auch bei den Lagenweinen – Ganztraubenpressung, anschließend Gärung und Ausbau im Edelstahl. Wow, was für eine ultraklare, kühle Nase! Eine feine, salzige Brise mit ganz zart rauchigen Akzenten gespickt. Viel zerstoßenes Gestein, Kalk und dezent Feuerstein. So reintönig, aber dabei eine erstaunliche Tiefe ausstrahlend. Mit etwas Luft kommen dann Zitrusfrüchte in allen Facetten zum Vorschein. Amalfizitrone, ein Hauch Bergamotte, Calamansi und Grapefruit. Auch ein Hauch von Bergminze und Melisse schwingt mit. Im Mund dann der totale Geradeauslauf – irre Vibration, unfassbar zupackend! Scharf gezeichnet auf dieser klirrenden, glockenklaren Säureader laufend. Saftige, reife Zitrussäure umspielt die Zungenränder. In der Mitte finden sich noch etwas grünliche Marille und Quitte wieder. Kräutrige Noten, dann eine ordentliche Ladung Salz und ein kalkiger Grip, der die Zunge belegt. Sehr griffige Textur mit leicht herben Noten im Nachhall. Beeindruckende Tiefe und Konzentration, ohne jemals fett zu werden. Total schlank und fokussiert. Das ist ein eher untypischer Wachauer Riesling, hier werden eher Erinnerungen an ein Kirchenstück oder einen Morstein wach, aber er zeigt dennoch die ganz eigene, kühle DNA des Spitzer Grabens. Zurecht trägt dieser Wein den Titel »Großes Werk«, denn das ist er definitiv – ein ganz großer, moderner Wachauer Riesling!