G.D. Vajra: Barolo Ravera 2022

G.D. Vajra: Barolo Ravera 2022

BIO

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
15,0% Vol.
Trinkreife: 2028–2045
strukturiert
saftig
pikant & würzig
Lobenberg: 96/100
Suckling: 95/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Ravera 2022

96
/100

1971 hat man hier auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Damals war das noch revolutionär und erfolgte gegen alle Widerstände der damals massiv agierenden Chemieindustrie. Ravera ist die berühmteste Lage in Novello, der hervorragendste und bekannteste Erzeuger ist sicherlich das Weingut Elvio Cogno und inzwischen auch Vietti. Ravera ist ein großes Amphitheater mit einer Tonformation wie eine Lasagne: rote und helle Schichten wechseln sich ab. Sehr komplexe und feine Weine allesamt, und Vajra ist voll dabei. Die Parzelle der Vajras liegt direkt unterhalb der von Elvio Cogno und besteht hauptsächlich aus ton- und eisenoxidhaltigem Boden. Am 4. Oktober 2022 gelesen und anschließend 47 Tage lang durch die mit Holzbalken untergedrückte Maische (Capello Submerso) mit den Traubenschalen mazeriert. Am 20. Mai 2025 abgefüllt. Brillante, rubinrote Farbe. Was für eine schöne, tiefgehende, cremige Kirsch-Nase! Intensive, reife, schwarze und rote Kirschen, Schattenmorellen mit schweren ätherischen Kräutern und grünem Tabak, Lakritz, weißem Pfeffer, etwas Eisen, Blut und frischem Fleisch. Nach einem Moment kommen schwebende rote Blüten, Veilchen, Lindenblüten und etwas erfrischende Minze dazu. Dieses Jahr ist die Aromatik noch komprimierter und druckvoller als sonst. Ein Hauch Pfirsich und Nektarine sowie Blutorange tragen zur schwebenden Frische des Weins bei. Giuseppe Vajra lächelt »Bricco delle Viole ist der intellektuelle Bruder des Ravera, er flüstert bedacht und ist nie laut. Ravera ist der Marketing Guy, er weiß genau, wie man um den Finger wickelt und umgarnt.« Im Mund ist dieser Ravera reichhaltig und saftig. Konzentriertes Kirsch-Gelee mit roten Johannisbeeren hinterlässt nach dem Schlucken enorm viele geschliffene, aber auch breite und etwas »eckige« Tannine auf der Zunge. Salzige braune Lakritz, Zedernholz und braune Gewürze kommen dazu. Im Mund ist der Wein druckvoll schiebend mit dezent bitterem Kräuter- und Minzlikör auf der Zunge. Ein Konzentrat dieser erhabenen Eleganz der meist burgundisch anmutenden Lage Ravera. Im Mund lassen mir die Aromen von würzigem rostigem Eisen und die salzige Mineralität das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

95
/100

Suckling über: Barolo Ravera

Tea, hibiscus, orange rind, sandalwood and dried flowers. Really aromatic and absorbing. Medium-bodied, with a transparent, ethereal sense of fruit and a backbone of tannins that gives definition all the way to the end. Unique balance, from the famed vineyard in Novello. Better from 2029.

Mein Winzer

G.D. Vajra

Zwischen La Morra und Barolo gelegen, sitzt das familiengeführte Weingut Vajra auf den blaugrauen Mergelböden des Tortoniums, die duftige Eleganz und florale Finesse in den Weinen befördern. Der perfekte Ausdruck des Bodens kann aber nur gelingen, wenn die Weinberge darauf eingestimmt sind. Familie...

Barolo Ravera 2022