G.D. Vajra: Barolo Bricco delle Viole 2022

G.D. Vajra: Barolo Bricco delle Viole 2022

BIO

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
15,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2045
pikant & würzig
saftig
strukturiert
Lobenberg: 97/100
Suckling: 96/100
Jeb Dunnuck: 98+/100
Decanter: 93/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Bricco delle Viole 2022

97
/100

1971 hat man hier auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Damals war das noch revolutionär und erfolgte gegen alle Widerstände der damals massiv agierenden Chemieindustrie. Bricco delle Viole liegt auf 380 bis 450 Metern Höhe in Barolo und ist damit einer der höchstgelegenen Barolo-Weinberge im Piemont. Der Boden besteht hier komplett aus Mergel, einer Mischung aus verdichtetem Ton und Kalk. Eine reine Finesse-Lage und der Grundstein für den Ruhm der Familie Vajra. Der Großteil der Lage wurde zwischen 1949 und 1968 bepflanzt. Aber die Vajras haben auch eine Parzelle, die bereits 1931 gepflanzt wurde. Die Trauben wurden Anfang Oktober 2022 gelesen und 49 Tage lang durch die mit Holzbalken untergedrückte Maische (Capello Submerso) mit den Traubenschalen mazeriert. Am 20. Mai 2025, also ungefähr zwei Monate früher als sonst abgefüllt. Brillant leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Die Nase dreht nach dem Ravera nochmal in Intensität auf und schaltet einen Gang runter – der Bricco delle Viole ist dieses Jahr wieder der imposanteste Wein der Familie Vajra. Konzentrierte, attraktiv saftige rote und dunkle samtige Kirsche, reife Heidelbeeren mit noblem, beinahe schwebendem Teer-Aroma, Lakritz, frisch gedrehter Erde, weißem Pfeffer und viel tiefer brauner Würze. Die Nase ist erhaben, elegant und brummt zugleich tief erdig mit zarten Aromen des nobel duftenden weißen Trüffels – man möchte diesen jungen Wein am liebsten direkt trinken, er streckt einladend und herrlich duftend seine Arme aus dem Glas. Mit der Zeit entwickeln sich Aromen eingelegter Rosen, schwerer dunkler Blüten, von würzigem gebratenem Fleisch, eisenhaltigem Blut und der dunkel brummenden Mineralik. Insgesamt schlägt er dichtere und tiefere Töne an als in den Vorjahren. Auch im Mund hat dieser Bricco eine phänomenale Konzentration! Wie eine zusammengedrückte Feder knallen reife, süße Kirsche, Veilchen und Orangenabrieb auf die Zunge. Die Tannine verschwinden nach dem Schlucken zunächst und tauchen dann fein geschliffen an den Seiten des Mundes in größerer Struktur wieder auf. Im Nachhall türmen sie sich zu einem mächtigen Konstrukt auf. Der Wein hat auch im Mund diese zitrische Frische von Orangenabrieb, im Spiel mit der reichhaltigen, schweren, beinahe süßen Schwarzkirsche. 2022 ziehen sich diese würzigen, fleischigen Noten, sowie die Aromen erfrischender Orangenzesten durch alle Weine des Weinguts. Dieser profunde Bricco delle Viole strotzt vor mineralischer Salzigkeit und ist zugleich sehr saftig charmant – in diesem jungen Stadium während meiner Probe im Oktober 2025 ist klar, dass er wieder einige Asse im Ärmel hat. Mit ein paar Monaten Flaschenreife wird er zulegen und noch runder und geschliffener werden. Giuseppe Vajra hat die Erfahrung gemacht, dass der Bricco delle Viole aus allen Vajra Weinen am längsten Reifezeit im Keller benötigt. »Bricco delle Viole ist der intellektuelle Bruder des Ravera, er flüstert bedacht und ist nie laut. Ravera ist der Marketing Guy, er weiß genau, wie man um den Finger wickelt und umgarnt.« sagt Giuseppe. Total anmutiger Stoff!

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

96
/100

Suckling über: Barolo Bricco delle Viole

A very absorbing nose, showing flowers, passion fruit, sandalwood and crunchy red berries. The palate is medium- to full-bodied, with a detailed, precise tannin structure and tender fruit, finishing firm and focused. From one of the higher-altitude crus in Barolo. This needs two to three years to soften. Better from 2029.

98+
/100

Jeb Dunnuck über: Barolo Bricco delle Viole

A jeweled ruby color, the 2022 Barolo Bricco delle Viole saw one of the largest crop losses in the vintage, with roughly 20 to 30 percent of the fruit lost. Aromas of cherry cordial, framboise, preserved roses, and fresh lavender lead into a stunning palate that is pure, long, and beautifully balanced. As is often the case, this cuvée stands out in the range and may well be among the highlights of the vintage across the region. Drink 2026-2046.

93
/100

Decanter über: Barolo Bricco delle Viole

Always the last to be picked, GD Vajra’s Bricco delle Viole was brought in between 5–12 October – decidedly early for this cool site. It was a bit stern and closed when I tried it, with raspberry and macerated cherry eventually giving way to dark florals. Those lovely violet, lilac and delicate alpine blossoms build with ethereal intensity. Similarly tight, the palate comes across as slender, accentuating its structure, but deftly chiselled tannins have nothing to be ashamed of in this precisely constructed gem. Underlying vibrancy and finesse prevail.

Mein Winzer

G.D. Vajra

Zwischen La Morra und Barolo gelegen, sitzt das familiengeführte Weingut Vajra auf den blaugrauen Mergelböden des Tortoniums, die duftige Eleganz und florale Finesse in den Weinen befördern. Der perfekte Ausdruck des Bodens kann aber nur gelingen, wenn die Weinberge darauf eingestimmt sind. Familie...

Barolo Bricco delle Viole 2022