1971 hat man hier auf biologische Bewirtschaftung umgestellt. Damals war das noch revolutionär und erfolgte gegen alle Widerstände der damals massiv agierenden Chemieindustrie. Bricco delle Viole liegt auf 380 bis 450 Metern Höhe in Barolo und ist damit einer der höchstgelegenen Barolo-Weinberge im Piemont. Der Boden besteht hier komplett aus Mergel, einer Mischung aus verdichtetem Ton und Kalk. Eine reine Finesse-Lage und der Grundstein für den Ruhm der Familie Vajra. Der Großteil der Lage wurde zwischen 1949 und 1968 bepflanzt. Aber die Vajras haben auch eine Parzelle, die bereits 1931 gepflanzt wurde. Die Trauben wurden Anfang Oktober 2022 gelesen und 49 Tage lang durch die mit Holzbalken untergedrückte Maische (Capello Submerso) mit den Traubenschalen mazeriert. Am 20. Mai 2025, also ungefähr zwei Monate früher als sonst abgefüllt. Brillant leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Die Nase dreht nach dem Ravera nochmal in Intensität auf und schaltet einen Gang runter – der Bricco delle Viole ist dieses Jahr wieder der imposanteste Wein der Familie Vajra. Konzentrierte, attraktiv saftige rote und dunkle samtige Kirsche, reife Heidelbeeren mit noblem, beinahe schwebendem Teer-Aroma, Lakritz, frisch gedrehter Erde, weißem Pfeffer und viel tiefer brauner Würze. Die Nase ist erhaben, elegant und brummt zugleich tief erdig mit zarten Aromen des nobel duftenden weißen Trüffels – man möchte diesen jungen Wein am liebsten direkt trinken, er streckt einladend und herrlich duftend seine Arme aus dem Glas. Mit der Zeit entwickeln sich Aromen eingelegter Rosen, schwerer dunkler Blüten, von würzigem gebratenem Fleisch, eisenhaltigem Blut und der dunkel brummenden Mineralik. Insgesamt schlägt er dichtere und tiefere Töne an als in den Vorjahren. Auch im Mund hat dieser Bricco eine phänomenale Konzentration! Wie eine zusammengedrückte Feder knallen reife, süße Kirsche, Veilchen und Orangenabrieb auf die Zunge. Die Tannine verschwinden nach dem Schlucken zunächst und tauchen dann fein geschliffen an den Seiten des Mundes in größerer Struktur wieder auf. Im Nachhall türmen sie sich zu einem mächtigen Konstrukt auf. Der Wein hat auch im Mund diese zitrische Frische von Orangenabrieb, im Spiel mit der reichhaltigen, schweren, beinahe süßen Schwarzkirsche. 2022 ziehen sich diese würzigen, fleischigen Noten, sowie die Aromen erfrischender Orangenzesten durch alle Weine des Weinguts. Dieser profunde Bricco delle Viole strotzt vor mineralischer Salzigkeit und ist zugleich sehr saftig charmant – in diesem jungen Stadium während meiner Probe im Oktober 2025 ist klar, dass er wieder einige Asse im Ärmel hat. Mit ein paar Monaten Flaschenreife wird er zulegen und noch runder und geschliffener werden. Giuseppe Vajra hat die Erfahrung gemacht, dass der Bricco delle Viole aus allen Vajra Weinen am längsten Reifezeit im Keller benötigt. »Bricco delle Viole ist der intellektuelle Bruder des Ravera, er flüstert bedacht und ist nie laut. Ravera ist der Marketing Guy, er weiß genau, wie man um den Finger wickelt und umgarnt.« sagt Giuseppe. Total anmutiger Stoff!