Fratelli Alessandria: Barolo Monvigliero 2022

Fratelli Alessandria: Barolo Monvigliero 2022

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2029–2047
strukturiert
saftig
pikant & würzig
Lobenberg: 97–98+/100
Suckling: 94/100
Jeb Dunnuck: 95/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Monvigliero 2022

97–98+
/100

Das Weingut wurde schon 1830 als Fratelli Dabbene gegründet und 1870 in der dritten Generation in Fratelli Alessandria umbenannt. Hier ist alles noch wie früher. Das Weingut ist in einem charmanten, uralten Haus aus dem 18. Jahrhundert untergebracht, mitten im Zentrum des historischen Ortes Verduno. Es gibt nur zehn Weingüter in Verduno, der Randgemeinde von La Morra in Richtung des Flusses Tanaro. Fratelli Alessandria ist ohne Zweifel neben den Cousins vom Weingut Burlotto, DER Superstar-Betrieb im Ort. Ein reiner Familienbetrieb, der heute in achter Winzer-Generation von Vittore und seinem Onkel Alessandro, der 17 Jahre jünger ist als Vittores Vater, geführt wird. Die Weine werden ausschließlich aus Trauben der eigenen Weinberge gemacht. Das gesamte Weingut hat nur 15 Hektar, die sich auf die besten Lagen von Verduno und Monforte verteilen. Dieser Barolo kommt aus einer nur 1,4 Hektar kleinen Parzelle im Ort Verduno mit über 50 Jahre alten Reben. Durch die Nähe zum Fluss Tanaro ist es die kühlste Lage von Fratelli Alessandria, hier gibt es größere Schwankungen zwischen Tages- und Nachttemperaturen, was zu einer längeren und ausgeglicheneren Reifung der Trauben am Weinstock beiträgt. Der Weinberg hat eine Süd-Südwest-Exposition auf 300 bis 350 Metern Höhe. Heller Kalkstein mit ein bisschen Lehm und Schwemmsand. Der erste Jahrgang dieses genialen Weins der Fratelli Alessandria wurde 1978 gemacht. Die Trauben werden komplett entrappt und nur minimal angequetscht. Vergoren wird im Stahltank für drei bis maximal vier Wochen, mit langem Verbleib auf der Maische. Es wird nur übergepumpt, um den Trester feucht zu halten, die Kerne sinken dabei zu Boden. Nach der Malo geht es in 2.500-Liter Holzfässer aus slawonischer Eiche, die nur alle 25 Jahre gewechselt werden. Alle vier verschiedenen Baroli von Fratelli Alessandria werden auf diese Art gemacht. Sie sollen das Terroir abbilden – keine unterschiedliche Machart, nie kleines Holz, nie neues Holz. Es folgt ein dreijähriger Ausbau – das machen außer Fratelli Alessandria und Giuseppe Mascarello nicht viele andere Erzeuger. Ich probiere ein Fassmuster aus einem Blend der beiden Fässer, das Vittore anteilig für meine Probe im Oktober 2025 gemischt hat. Der Wein wurde am 27. September 2022 gelesen, einen Tag vor der Lage San Lorenzo. Mittleres, leuchtendes Rubinrot. Die Nase startet mit einer Mischung aus reifer saftiger Kirschfrucht unter ätherisch duftenden Kräutern und schwebendem Teer. Ein Hauch Orangenabrieb kommt hinzu, der sich mit der Zeit wieder verflüchtigt. Die tiefe, monumentale Erdigkeit des Weins hat bereits in diesem jungen Stadium viel zu sagen! Sie ist immens steinig, auch etwas rostiges Eisen und frisch gedrehte Erde kommt dazu. Dieser Monvigliero ist schon ziemlich komplett und »weinig«. Die schöne und etwas frühere Zugänglichkeit ist eines der Charaktermerkmale des Jahrgangs 2022. Dafür ist sie nicht von dieser sonst für die Lage typischen, dichten floralen Aromatik gezeichnet. Der erste Schluck und die Augen gehen auf. Wow! Was für eine gnadenlose Spannung! Der Monvigliero hat mehr Säure als der zuvor probierte, cremige San Lorenzo. Orangensaft und -abrieb mit roter Kirsche und präzise tänzelnden roten Johannisbeeren auf dezent bitteren Kräutern, Anis und Minze. Ein Wein der gnadenlosen Präzision! Die Tannine sind fein geschliffen, präsent und passen in herrlicher Balance zur präzisen Frische und der opulenten Frucht des Weins. Ich bin hin und weg – während die Nase immer burgundischer wird, ist diese salzige, animierende, spannungsgeladene Frische im Mund einfach nur schön. So unendlich zart, raffiniert und voller Finesse, dabei doch zugleich faszinierend dicht und erhaben. Dieser Monvigliero scheint zudem schon beinahe in seinem Trinkfenster angekommen zu sein. Vittore vermutet, dass dieser Jahrgang die ersten 15 Jahre am meisten Freude bereiten wird. Es ist kein übergroßer Monvigliero in Intensität und Power, aber ein sehr, sehr beeindruckender, reifer, delikater und wunderbar spannender Wein!

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

94
/100

Suckling über: Barolo Monvigliero

This has a subtle nose of blood oranges and underbrush. It shows a wonderful combination of ethereal yet substantial red fruit, focused tannins and integrated acidity, making it very cohesive and attractive. A couple of years will do this wine good. Better in 2028.

95
/100

Jeb Dunnuck über: Barolo Monvigliero

A uniform medium red garnet hue, the 2022 Barolo Monvigliero is lifted and elegant, offering aromas of fresh mint, preserved cranberries, bright spice, and earthy minerality. Medium-bodied, it remains focused and vibrant with refreshing energy and an even, balanced finish. The wine has lovely tension and finesse, capturing the more delicate character typical of Monvigliero. Drink 2026-2036.

Galloni über: Barolo Monvigliero

The 2022 Barolo Monvigliero shows why this is such a great site. Even in the torrid and parched 2022 vintage, the Monvigliero retains all of its signatures. Crushed flowers, bright red-toned fruit, chalk, mint, rose petal, white pepper and vibrant saline notes all race out of the glass. This has real potential.

Mein Winzer

Fratelli Alessandria

Fratelli Alessandria ist ohne Zweifel der Superstar-Betrieb im Ort Verduno. Es ist eine Randgemeinde von La Morra in Richtung Tanaro Fluss. Die Weinberge liegen im Schnitt über 300 Meter hoch, manche liegen auf bis zu 400 Metern Höhe.

Barolo Monvigliero 2022