Frank John: Riesling Aus den Gärten 2022

Frank John: Riesling Aus den Gärten 2022

BIO

Neu

Zum Winzer

Riesling 100%
weiß, trocken
11,5% Vol.
Trinkreife: 2025–2047
unkonventionell
mineralisch
voll & rund
Lobenberg: 96/100
Parker: 96/100
Deutschland, Pfalz
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Riesling Aus den Gärten 2022

96
/100

Ein neues, sehr starkes Statement aus dem Hause Frank John! Der »Aus den Gärten« stammt aus einem alten, gartenartigen Weinberg in Haardt, dem ehemaligen Bischofsgarten, mit schweren, sehr kalkhaltigen Tonböden aus. Alte Reben, wie immer genaueste Handarbeit, über zwei Jahre in einem einzelnen Tonneau ausgebaut und im Dezember 2024 komplett ohne Filtration abgefüllt. Die Nase ist sofort da und zieht einen total in den Bann, hocharomatisch und dennoch extrem fein: Feine gelbe, warme Würze von Quitte, reifer Zitrone, Butterblume und kandiertem Ingwer, dazu eine ganz subtile ätherische Note – ein Hauch Bergamotte, Estragon-Öl und Salbei. Darunter liegen zarte Röstaromen und viel Steinigkeit. Regennasser Kalk, etwas Hefewürze und diese ruhige, elegante Holzspur des Tonneaus. Alles ist verwoben, nichts laut, nichts vordergründig. Ein in der Aromatik so unheimlich einzigartiger Riesling. Stilistisch schwer zu greifen und würde einen deshalb blind vor große Herausforderungen stellen – ein bisschen Chenin Blanc, ein bisschen Chardonnay, ein bisschen Riesling. Sehr spannend! Man riecht förmlich den Spaziergang durch den Garten… Am Gaumen dann Textur und Ruhe. Knochen­trocken, aber unglaublich geschmeidig, fast schwerelos. Die Frucht wirkt mild, klar und präzise, getragen von einer feinen, nachhaltigen Tanninstruktur und einer vibrierenden Salzigkeit. Gesalzene Zitrone, wieder Quitte, gelber Apfel und Aprikose. Der Wein gleitet förmlich über den Gaumen, wirkt filigran und gleichzeitig ernsthaft und konzentriert, aber ohne jegliche. Kein Druck über hohe Säure, sondern enorm viel Spannung über Struktur – und das bei diesem moderaten Alkoholgehalt. Irre! Auch im Abgang lang, ruhig, salzig und sehr fokussiert. Ungewöhnlicher Riesling, der eben nicht über klassische Lautstärke kommt, sondern über Finesse, Textur und innere Spannung. Ein wirklich spektakulärer Neuzugang bei Familie John.

Jahrgangsbericht

All in all der wärmste Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen! An Vorurteilen gegenüber solchen Witterungsverhältnissen mangelt es uns als weinbauliche Nord-Nation ja nicht. Von den Winzern hatten wir aber schon einiges Erfreuliches gehört. Mit ein klein wenig gesunder Skepsis, aber gewaltiger Vorfreude starteten wir direkt nach der ProWein in unsere vierwöchige Verkostungsreise durch Deutschland. Schon wieder ein Rekordsommer also. Da geht das Kopfkino los. Wird ein Tim Fröhlich vor uns sitzen, der mit kaltschweißiger Stirn erstmals zugeben muss, dass die Star Wars-Ära endgültig vorbei ist? Keine surrenden Laserschwerter in den Fässern?! Knackt der immer trockener werdender Oliver Haag mit seiner Juffer-Sonnenuhr den historischen Brauneberger Alkoholrekord? Und wann wird Konrad Salwey wohl geerntet haben – Ende Juli? Wir waren ja auf alles gefasst. Doch dann glitzern die ersten Weine im Glas: fein, leichtfüßig, harmonisch, zugänglich und …elegant! 12% Alkohol! Wow!! Das glaubt einem ja keiner, der es nicht selbst auf der Zunge hatte. Der Jahrgang zeigt – bei den von uns verkosteten Weingütern, anders als etwa 2003 und 2018 – im Jungstadium kaum Anzeichen eines extremen Hitzejahres. Verblüffend. Mit der fortschreitenden Mediterranisierung der klimatischen Verhältnisse geht die Schere zwischen progressivem Weinbau und den geeignetsten Standorten und allem anderen immer weiter auseinander. Wir sehen das von Frankreich über Italien, Spanien und eben auch in Deutschland. Jeder hat mit sich ungeahnt rasch verändernden Bedingungen zu kämpfen. Doch wer im An- und Ausbau nicht vor 10 Jahren stehengeblieben ist, der beherrscht – fraglos mit teils immensem Arbeitseinsatz und Commitment – selbst solche dramatischen Trockenphasen und massive UV-Intensität. Fakt ist aber auch, dass die deutschen Top-Winzer in kaum einem Jahrgang zuletzt so viel abgestuft haben, so penibel waren in ihrer Traubenselektion und so hart mit der Auswahl der Gebinde bei der Cuvetierung. Lange wurde nicht mehr so viel Wein im Fass wegverkauft, gerade auch aus den jüngeren Rebanlagen und ultratrockenen Standorten. So selektiv wie die Winzer sollten auch wir Weintrinker mit dem Jahrgang sein. Wer sich auf Top-Lagen, Top-Weinbau und Top-Betriebe fokussiert, wird ein Füllhorn an atemberaubend guten, wunderbar eleganten Weinen finden. 2022 ist kein Jahr zum wahllosen Draufloskaufen. Denn von Bordeaux über die Rhône bis nach Deutschland sind sich Winzer in einem einig: einfach war der Jahrgang nicht. Trotz Jahrhundertsommer wurden mitnichten aus jedem Weinberg einheitlich große Qualitäten geerntet. Denn in 2022 ist durch die paradoxe Transparenz der Weine ein faszinierend klares geschmackliches Abbild der Terroirs zu erkennen – und damit auch der feinsten klimatischen Unterschiede. Rebalter, lokale Regenmengen, Wasserhaltefähigkeit, Bewirtschaftung, Laubarbeit, Erntezeitpunkt. Diese Details zählen in einem so extremen Jahr wie 2022 noch mehr als sonst. Denn selbst die kleinsten Fehlentscheidungen oder Defizite der Standorte werden von den Weinen kanalisiert. Der Jahrgang mag auf den ersten Blick nicht so durch die Bank makellos strahlen wie es vielleicht ein 2019 tat oder so mitreißend rassig wie 2021 aus dem Glas kommen. Wir sind eher bei eleganter Frucht ohne Üppigkeit, bei sehr balanciertem, reifem Säurespiel und Zugänglichkeit wie sie auch die schicken Jahre 2020, 2017 oder 2012 hatten. In der Spitze versprechen manche 2022er auf Augenhöhe mit den genannten zu sein – und zeigen Potenzial womöglich sogar darüber hinauszuwachsen. Einige Weine sind berauschend gut. Was für ein unendlich feiner, kühler, kraftvoller Morstein bei Wittmann, Christmanns Hammer-Idig, ein superintensives Ungeheuer bei Bürklin, ungeahnt tänzerisch-leichtfüßige, brillante Kabinette von Saar und Mosel, eine superbe Kollektion bei Luckerts, eine Juffer-Sonnenuhr bei Haag, die keinen Alkoholrekord bricht, sondern mit feingliedrigem Zug glänzt und ganz große Klasse auch bei Loewen. Es gibt so viel Grandioses zu entdecken in diesem Jahr und ich denke auch Weltklasse war drin. Weil der Jahrgang sich regional so unterschiedlich präsentieren kann, habe ich mich entschlossen kleine Abrisse der Regionen zu skizzieren. Genauere Details finden Sie in den neuen Verkostungsnotizen. Tauchen wir also ein ins heterogene, faszinierende, verführerische und teils so überraschend feine 2022, das viele Anklänge von 1999 (trockener Sommer, Regen im September), der Köstlichkeit von 2009 und dem ebenfalls verblüffend delikaten 2020 hat.

96
/100

Parker über: Riesling Aus den Gärten

Aged in a single Mercurey tonneau for two years and bottled in December 2024, the 2022 Riesling Aus den Gärten is from a limestone and Lettenkeuper vineyard from the former Lieberich-Merkel Weingut in Haardt. The vines in this garden-like vineyard are old, and the nose of this cloudy, intensely yellow-colored wine is intense and super aromatic yet fine, with rose petal and ripe, lush pear, quince, ginger and lemon aromas intertwined with delicate notes of spicy tannins, mocha and cacao beans, sur lie notes and newer-tonneau aromas. Very elegant and refined on the textural palate, this is a weightless, highly finessed, stimulating saline and even filigreed Riesling with a fine but sustainable tannin structure, salinity and a long, serious finish. It's a spectacular new entry for this family domaine. Natural cork. Tasted at the domaine in January 2025.

Mein Winzer

Frank John

Gerlinde und Frank John erwarben im Jahr 2002 den Hirschhorner Hof, renovierten diesen dann aufwändig und setzten das Fundament für das Familienweingut. Gemeinsam mit den Kindern Dorothea und Sebastian werden hier Weine nach dem Motto „Große Weine alter Schule“ auf die Flasche gebracht. Frank John...

Riesling Aus den Gärten 2022