Elvio Cogno: Barolo Cascina Nuova 2022
100
- Nebbiolo 100%
- rot, trocken
- 14,5% Vol.
- Trinkreife: 2026–2040
- seidig & aromatisch
- saftig
- strukturiert
- Lobenberg: 94/100
- Suckling: 94/100
- Italien, Piemont
- Allergene: Sulfite,
Abfüller / Importeur: Elvio Cogno, Valter Fissore, Località Revera 2, 12060 Novello, ITALIEN
Heiner Lobenberg über:
Barolo Cascina Nuova 2022
/100
Der Cascina Nuova wird aus den jungen, über 20 Jahre alten Reben der Toplage Ravera gewonnen. Dieser Wein ist stets etwas früher zugänglich und präsentiert sich als Charmeur mit fast schwebender Leichtigkeit. Valter Fissore belässt seine Weine traditionell relativ lange im Kontakt mit der Maische; hier sind es 40 bis 50 Tage mit »Submerged Cap« im Fass. Das heißt, der Trester wird mit einem Netz unter der Weinoberfläche gehalten, wodurch die Extraktion von Farbe und Tanninen sanfter erfolgt. Im Anschluss wird der Wein zwei Jahre lang in großen Garbelotto-Eichenfässern von 32 hl und 50 hl ausgebaut. Mit diesem Wein verdient das Weingut eigentlich kein Geld. Valter Fissore sieht ihn dafür als Investment in die Zukunft – der Cascina Nuova ist ein »Educational Wine«. Kunden sollen durch den attraktiven Preis und die frühere Trinkbarkeit dieses Barolos das Weingut kennenlernen und in den Bann der Region gezogen werden. In den letzten Jahren wurde unendlich viel Zeit und Energie in die Weinberge gesteckt, was sich heute durch eine fantastische, burgundische Finesse und Perfektion zeigt. 2022 hat Valter einen Großteil seiner besten, nach der Tochter benannten Lage Vigna Elena deklassifiziert und in den Cascina Nuova geblendet, zudem flossen auch alle Trauben der Lage Bricco Pernice hier ein. Dieser »kleine« Wein wurde 2022 also massiv »aufgepimpt« – ähnlich wie bei Elio Grasso, wo die besten Trauben der Lage Rüncot je nach Jahrgang hin und wieder in den Langhe Nebbiolo Gavarini fließen und ihn zum absoluten Top-Tipp seiner Preisklasse machen. Dieser Cascina Nuova 2022 wurde zwei Monate vor meinem Besuch Ende August 2025 abgefüllt. Mittleres, leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Die Nase ist dicht und zugleich elegant: rote Herzkirschen, duftende, reife Himbeeren und besonders viel dunkle Frucht in Form von reifen Zwetschgen, Brombeeren und Heidelbeeren, gepaart mit etwas saftiger, erfrischender ätherischer Orange. Im Glas entwickelt sich eine tiefgehende Erdigkeit mit zart rauchiger Mineralität: gebrannter Ton, feuchte dunkle Erde und etwas Teer. Dazu gesellt sich duftender Herbstwald mit einem Hauch schwebender, süßer Vanille und blondem Tabak. In diesem Jahr ist das Bouquet des Cascina Nuova eher dunkel und erhaben brummend; sogar Nuancen von Nelke und schwarzem Assam-Tee steigen aus dem Glas. Der junge Wein wandelt sich im Minutentakt, und es scheint beinahe unmöglich, ihn heute bereits perfekt und fair zu erfassen. In jedem Fall besitzt er eine wunderbare Komplexität sowie Intensität und eine beeindruckende Erhabenheit – beinahe so, als wäre der Wein erwachsen geworden. War er letztes Jahr noch samtig und verspielt, wird es nun ernst. Das Geheimnis ist, wie erwähnt, dass Valter Fissore sich dazu entschieden hat, 2022 keinen Vigna Elena zu produzieren und die Trauben dieser alten Reben stattdessen in diesen Wein fließen zu lassen. Daher wurden 30.000 Flaschen gefüllt statt der üblichen 20.000 – sozusagen ein ganz besonderer Schnapper für Insider! Am Gaumen rollen frische rote Johannisbeeren und saftige, reife Erdbeeren erfrischend und in wunderbarer Spannung über die Zunge. Im Nachhall kleiden feine, geschliffene und leicht körnige Tannine den Mund aus. Wieder finden sich dunkle Kirschen und Brombeeren, dazu etwas 100-prozentige Schokolade mit ätherischen Kräutern. Der 2022er ist dichter, strukturierter und linearer als der 2021er. Er besitzt definitiv eine zusätzliche Tiefe und Power aufgrund der Trauben aus den besonders alten Parzellen. Es ist ein Wein, der druckvoll schiebt und zugleich die Leichtigkeit der Lage Ravera verkörpert – wohldefiniert und überraschenderweise viel kühler am Gaumen, als man erwarten würde. Ein klassischer Barolo-Stil mit ordentlich »Grip«. Aufgrund dieser Präzision und Intensität hat der Cascina Nuova trotz der früheren Zugänglichkeit locker zehn bis 15 Jahre Lagerpotenzial.
Jahrgangsbericht
2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.
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Suckling über: Barolo Cascina Nuova
A graceful wine with aromas of mint, dried cherries, strawberries, cinnamon and red currants. Well-packed tannins that are ripe and velvety, with a full body, crisp acidity and a tight but savory and fragrant finish. Drinkable now, but best from 2027.
Elvio Cogno
Das Traditionsweingut Elvio Cogno verfügt über rund 12 Hektar Eigenbesitz in der Gemeinde Novello, alleine 5 Hektar davon sind in der herausragenden Einzellage Ravera angesiedelt.