Elio Grasso: Barolo Ginestra Casa Mate 2022

Elio Grasso: Barolo Ginestra Casa Mate 2022

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
14,5% Vol.
Trinkreife: 2028–2045
voluminös & kräftig
tanninreich
pikant & würzig
Lobenberg: 97–98/100
Suckling: 94/100
Jeb Dunnuck: 97/100
Galloni: 95/100
Decanter: 94/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Ginestra Casa Mate 2022

97–98
/100

Ginestra ist die Einzellage, ein Amphitheater in ungefähr 400 Metern Höhe. Auch hier – wie im Gavarini Chiniera – sind die Reben eine traditionelle »Selection Massale«, die hier seit Jahrzehnten betrieben wird. Also angepasste Reben an genau diese Lage. Die Blüte ist immer rund acht Tage eher als im Chiniera, entsprechend auch die Lese. Die Lage liegt 100 Meter tiefer und ist damit wärmer und reichhaltiger. Es müssen außerordentlich gesunde Trauben gelesen werden, um sich 30 bis 40 Tage Gärphase und Mazeration erlauben zu können. Jede Unsauberkeit durch Botrytis und Co. würde durch die lange Verweildauer verstärkt werden. Hier bei Grasso werden alle Trauben mit einer extra entwickelten Entrappungsmaschine komplett entrappt. Selbst jedes noch so kleine Stielchen wird aussortiert. In großer slawonischer Eiche ausgebaut. Der Wein wurde im Juli abgefüllt 2025. Mittlere, leuchtende, rubinrote Farbe mit einem Hauch Orange. Mit diesem Jahrgang gehe ich vorsichtig bei jedem Wein auf den Prüfstand. Aber Wow! Was für eine wunderbar attraktive Nase! Intensiver weißer Trüffel auf zarter roter Kirschfrucht, duftende Noten von süßem Tabak und zarten Kräutern mit Blut, würziger Fleischbrühe, dann wieder das herrlich duftende Aroma eines Herbstwalds im Sonnenschein mit gefallenen Blättern. So eine unschlagbare Feinheit und Vielschichtigkeit an Gewürzen und wunderbar schwebenden, duftenden Komponenten. Dunkle Pflaumen, Brombeeren und Teer bilden eine tief brummende Basis, auf der sich dieser unschlagbar schöne Duft aufbaut. Im Mund gleitet eine saftige, schier monumentale Welle roter und schwarzer Kirsche, saftiger reifer Erdbeere, auch erfrischender schwarzer Johannisbeere über die Zunge. Zurück bleiben Millionen kleiner Tannine, die von der Textur her ebenfalls der roter Johannisbeeren gleicht. Sie haben noble Klasse und sind ultra zart und fein. Ein Hauch Vanille, Milchschokolade, Muskatnuss, Lorbeerblatt, grüner Tee und Lakritze. Erstaunlicherweise ist dieser heiße Jahrgang hier präzise und elegant, sogar eher kühl, was die Aromatik und das Mundgefühl anbelangt. Von seinem betörenden Duft mit viel rotfruchtiger, schwebender Erdbeere über die Präzision im Mund ist dieser Casa Maté ein sehr faszinierender Wein. Er ist weniger saftig als 2021, aber dennoch perfekt definiert und samtiger im Mund. 2022 wird er etwas früher zugänglich sein. Er ist trotz der monumentalen Struktur insgesamt stilistisch etwas feiner und zarter als 2021, aber wie gesagt zugleich eine aromatische Schönheit. Neben dem Rüncot ist der Casa Maté der zweite monumental imposante Barolo des Weinguts. Sehr, sehr schicker Stoff und einer der besten 22er in der gesamten Langhe!

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

94
/100

Suckling über: Barolo Ginestra Casa Mate

A restrained wine with licorice, graphite, meat, pressed flowers and red fruit on the nose. Medium-bodied, it shows dusty yet crunchy tannins with refreshing acidity. Quite classic and good in the finish. Try after 2027.

97
/100

Jeb Dunnuck über: Barolo Ginestra Casa Mate

Pouring a bright ruby red color, the 2022 Barolo Ginestra Casa Maté reveals a deeper, spicier profile. Notes of dark cherries, fresh tobacco, spiced earth, and gravelly soil reflect the greater clay content of this site. Medium to full-bodied, it moves into another gear on the palate, combining muscular depth with elegance. The tannins are ripe and seamless, and the finish is long and layered with mineral undertones. A superb expression of this vineyard, around 16,000 bottles were produced. Drink 2027-2047.

95
/100

Galloni über: Barolo Ginestra Casa Mate

The 2022 Barolo Ginestra Casa Matè is terrific. Deeply pitched spice, menthol and pine overtones give the 2022 its characteristic balsamic notes. Pliant and deep, with stunning balance, the Casa Matè is without question one of the wines of the vintage. Polished, silky tannins and a burst of red-toned fruit punctuate the finish. This is sublime stuff.

94
/100

Decanter über: Barolo Ginestra Casa Mate

The estate’s single-vineyard Barolos have been made since 1982, and despite their close proximity, their personalities are patently distinct and identifiable even in the parched, hot 2022 vintage. Casa Maté conveys a more mature fruit and balsamic character compared to Gavarini Chiniera but is not lacking in freshness. Mint, liquorice and tea waft temptingly, and the palate is packed with dark currant brambles and dusty mineral undertones. Tight-knit tannins create a sizzle of tension in this layered, sophisticated and cellarworthy wine.

Mein Winzer

Elio Grasso

Elio Grasso ist ein Grand Seigneur des Piemont. Kaum ein Erzeuger kann so konstant Spitzenweine vorweisen wie er, der tatkräftig von seiner Gemahlin Marina und Sohn Gianluca unterstützt wird. Dabei ist der erfolgreiche Anwalt und Geschäftsmann als Quereinsteiger und Autodidakt in das elterliche...

Barolo Ginestra Casa Mate 2022