Elio Altare: Barolo Vigneto Arborina 2022

Elio Altare: Barolo Vigneto Arborina 2022 1,5 l

Nebbiolo 100%
rot, trocken
15,5% Vol.
Trinkreife: 2026–2045
voluminös & kräftig
tanninreich
seidig & aromatisch
Lobenberg: 96/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Vigneto Arborina 2022

96
/100

Die Arborina-Parzelle von Altare liegt direkt neben der Arborina-Parzelle von Corino, hat aber noch eine deutlichere Südexposition und ist daher noch wärmer, noch reicher. Das Weingut Altare selbst liegt inmitten der Parzelle, also im Herzen von Annunziata, diesem kleinen Dorf zwischen La Morra und Barolo. Im Stahltank vergoren, dann folgt der Ausbau im Barrique, etwa 20 Prozent davon sind neu. Ungefähr 5.000 Flaschen werden gemacht. Leuchtendes zartes Rubinrot mit einem Hauch Orange und dicken Tränen am Glasrand. Saftige rote eingelegte Kirschen und Himbeergeist steigen aus dem Glas – nach dem zuvor probierten Unoperuno ist der Körper des Arborina nochmal deutlich druckvoller, schiebender und dichter. Dieser Wein hat die Lautstärke eines Opernsängers mit beinahe schwindelerregender Intensität! Über der reichhaltigen roten Frucht tänzeln schwebende Kräuter mit verführerisch duftender Vanille und würziger weißer Lakritz. Im Mund hat in diesem Wein diese unglaublich dichte rote Frucht das Sagen. Süße, reife Erdbeeren sowie reife rote Kirschen und rote Johannisbeeren. Die Tannine sind wunderbar samtig, ultra fein geschliffen und integriert. Auch im Mund liefert dieser Stoff die perfekte Kombination aus der zarten Vanille, mit wärmendem Zimt und verspielt duftender brauner Würze. Etwas Marzipan, weißer Pfeffer sowie rote und schwarze Johannisbeeren, konzentrierte Sauerkirschen und Herzkirschen. In Summe ist dieser Arborina rotfruchtig, druckvoll und doch durch diesen verführerischen Altare-Duft zugleich auch eine Lorelei! 2022 ist wesentlich druckvoller, schiebender und imposanter als in den Vorjahren. Ein reifes, warmes Power Teil mit klarer Ansage!

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

Galloni über: Barolo Vigneto Arborina

The 2022 Barolo Arborina is laced with crushed flowers, vibrant red-toned fruit, mint, white pepper, orange peel and dried herbs. In 2022, the Arborina is a bit more explosively fruity than it usually is, and yet all the elements are very nicely put together. High-toned aromatics are evident. Most notably, the biting tannins that are typical of this site have been tempered somewhat, making the 2022 a relatively accessible young Barolo in this range.

Mein Winzer

Elio Altare

Elio Altare ist das Vorbild für die Erneuerung und die Moderne des Piemonteser Weinbaus. Alle führenden Winzer der Moderne haben von der Weinbergsarbeit bis hin zum Ausbau im Barrique von ihm gelernt.

Barolo Vigneto Arborina 2022