Elio Altare: Barolo Unoperuno 2022

Elio Altare: Barolo Unoperuno 2022

Zum Winzer

Nebbiolo 100%
rot, trocken
15,0% Vol.
Trinkreife: 2027–2045
pikant & würzig
strukturiert
voluminös & kräftig
Lobenberg: 97–98/100
Galloni: 94/100
Italien, Piemont
Allergene: Sulfite,
lobenberg

Heiner Lobenberg über:
Barolo Unoperuno 2022

97–98
/100

Der Unterschied zu anderen Barolo Altares ist, dass der Unoperuno per Hand entrappt wird und somit keinerlei Reste der grünen Stiele enthält. Bei viel Musik, Wein und guter Laune wird hier von Silvia, Elio, dem Kellermeister Tess, vielen Freunden und dem Team jede Beere, eine nach der anderen oder eben »Uno per Uno« mit der Hand abgezupft. Viel sauberer als jede Entrappungsmaschine. Eine Methode, die fast unbezahlbar ist und die im Zuge moderner Technik, wie im Weingut Giacomo Conterno, vielleicht schon fast so gut maschinell erledigt werden könnte. Aber zusätzlich wird natürlich noch einmal jede einzelne Beere in die Hand genommen, alles Unperfekte geht in den Ausschuss. Und das kann dann keine normale Entrappungsmaschine leisten, nur vielleicht die bei höchstpreisigen Weinen aus Bordeaux zum Einsatz kommende, ultra teure optische Laser-Sortiermaschine oder das Gerät von Château Ausone, das mit Zuckerwassermessung funktioniert. Bei der Lese 2025 wollte Silvia Altare diese krasse Methode nochmals auf den Prüfstand stellen. Der Versuch »Maschine gegen Hände« wurde gestartet indem ein Teil jeder Parzelle von Maschinen und ein Teil wie gewohnt von Hand abgebeert wurde. Ihrer Meinung nach sind aromatisch die Hände immer noch vorne, denn keine bezahlbare Maschine kann das so genau aussortieren. Der Wein wird bedeutend klarer und feiner. Der Uno per Uno besteht immer aus vielen der besten Lagen des Hauses: Cannubi, Cerretta und Arborina und Trauben der Cru Lage Sorano aus Serralunga, die zu mehr Druck beiträgt in diesen ansonsten durch die Bereitung schon superweichen Wein. Die allerbesten Trauben jeder Lage werden dafür genommen und Silvia holt diese seit dem Jahrgang 2010 (der allerdings nicht auf den Markt gebracht wurde) tatsächlich in kleinen Eimern, separat aus jedem Weinberg. Es werden sage und schreibe fünf Lese-Durchgänge (!) gemacht. In offenen, stehenden Barriques werden die unverletzten Beeren aus der händischen Entrappung vergoren und dann regelmäßig mit dem Stößel runtergedrückt und angequetscht. Anschließend wird der Unoperuno, wie alle anderen Weine bei Altare, im Barrique ausgebaut. 2022 gibt es gerade einmal drei Barriques (900 Flaschen), eines davon war neu. Fünf komplette Tage lang wurden mit zehn Leuten pro Tag 15-16 Kisten abgebeert. Seit dem Jahrgang 2024 vergärt Silvia übrigens aus reiner Kuriosität jede Lage separat. Der finale Blend wird dann erst nach dem Ausbau gemacht. Zartes, leuchtendes Rubinrot mit einem Hauch Orange. Die Nase ist momentan noch etwas schüchtern. Dieser junge Wein wurde erst vor wenigen Monaten im Juli 2025 abgefüllt und benötigt noch ein paar Monate, um alle Komponenten harmonisch zu integrieren. Dennoch gibt der Wein schon wunderbare, beinahe mystische Aromen tiefer Kräuter und schwebende Noten von Teer, duftender Vanille auf weißem Pfirsich und etwas Bitterorangenschale bei. Die intensive, salzige Mineralität knistert über der wollüstig saftigen, reifen roten Kirsche. Im Mund ist der Unoperuno herrlich reichhaltig, samtig, verführerisch und tiefgehend. Trotzdem ist dieser Wein zugleich der Inbegriff der Zartheit! Die wunderschöne Spannung mit etwas Mahagoni und viel brauner Gewürze schiebt mit unglaublicher Power über die Zunge. Dabei hat der Wein eine Präzision mit salziger, knackiger Säure, roten Johannisbeeren und knallroter Frucht, die mich total erstaunt. Dieser Stoff soll aus einem heißen und trockenen Jahrgang kommen?!? Das ist beinahe unvorstellbar bei so viel genialer, ja sogar perfekter Präzision! Die vielen Tannine sind im ersten Moment samtig, beinahe unscheinbar, doch bauen sich in diesem jungen Wein wie die Eisenhand im Samthandschuh auf der Zunge um kurze Zeit später von dieser monumentalen Welle saftiger roter Kirschen weggespült zu werden. Dieser Wein hat außer seinem immens druckvollen Körper aromatisch wirklich keine Anzeichen von zu viel Sonne oder Hitze. Die Aromen sind auch im Nachhall rotfruchtig und präzise, salzig, mit einer Mischung aus roten und blauen Blüten und einer zarten Spur bitterer Kräuter. Silvias Vosne-Romanée! Leider gibt es wie gesagt gerade mal 900 Flaschen und der Wein wird wie jedes Jahr wieder streng zugeteilt sein.

Jahrgangsbericht

2022 war in ganz Europa ein von Hitze und Trockenheit geprägter Jahrgang. Im Piemont fiel bereits im Winter 2021 kaum Schnee, und es regnete lediglich im Mai und dann wieder im August in sehr kleinen Mengen, was ein wenig zur Erleichterung der Reben beitrug. Vom Austrieb bis zur Lese verlief die Wachstumsperiode ungefähr zwei bis drei Wochen früher als im Durchschnitt. Dieses Jahr war also von extremem Wetter gezeichnet, aber glücklicherweise war es sehr regelmäßig und konstant heiß und trocken – vom Austrieb bis zur Weinlese während des »Indian Summer« – und es gab keine Hitzespitzen. Da die Trockenheit nicht plötzlich eintrat, bildeten die Reben dementsprechend kleinere Blätter und weniger Trauben aus. Vielleicht kamen sie deshalb so erstaunlich gut mit diesen erschwerten Bedingungen klar, weil sie sich seit dem Frühling langsam an diese Situation »gewöhnen« konnten.2022 kann unmöglich generalisiert werden, und jeder Wein verdient es, einzeln betrachtet zu werden. Die etwas kühleren Höhenlagen im Piemont sind häufig auch von durchlässigeren Böden geprägt und dieses Jahr aufgrund der Trockenheit deshalb nicht automatisch besser. So sind 2022 ton- und lehmhaltige Böden mit besserem Wasserhaltevermögen deutlich vorteilhafter als sandigere. Die sonst »besten« Cru-Lagen zeichnen sich durch ihre besonders »perfekte« Ausrichtung zur Sonne und somit noch wärmeren Temperaturen aus. Auch das Alter der Reben und die Herangehensweise jedes Weinguts in den Weinbergen konnte einen entscheidenden Unterschied machen. Wurde durch sanftes Entblättern der Sonnenschutz gewährleistet und die Böden nicht unnötig durch Pflügen geöffnet, was zum stärkeren Verdunsten von Wasser führt, hatten es die Reben bedeutend leichter. Aufgrund der Trockenheit bestand kein Krankheitsdruck, es gab weder Pilzkrankheiten noch Fäulnis, was die Arbeit während der Wachstumsperiode auch erleichterte. In Summe brachten die berühmtesten Lagen 2022 nicht automatisch die besten Weine hervor, wohl aber die kühleren und lehmigeren Böden mit gutem Wasserspeicher der »alten« Terroirs aus Castiglione, Serralunga und Monforte d’Alba, teilweise auch Verduno. 2022 ist laut Aussage von Luca Currado-Vietti vom qualitativen Potenzial her riesig, im Ergebnis aber wegen zweier fehlender Regenschauer im August und September und zwei Grad zu hoher Spitzentemperatur haarscharf unterhalb eines Jahrhundertjahrgangs hängen geblieben. Die Winzer, die viel Zeit in die Weinberge investierten und zudem bereits vor oder bei der Lese gnadenlos aussortiert haben, brachten die beeindruckendsten Weine hervor. Was nicht perfekt oder gar vertrocknet war, gelangte gar nicht erst in den Gärtank. Im Durchschnitt bedeutet das 15 bis 40 Prozent kleine Erträge gesunder und konzentrierter Trauben. Im Keller musste aufgrund des höheren Verhältnisses von Traubenschalen zum Saft sanft extrahiert werden; der Ausbau erfolgte oft ein paar Monate kürzer als sonst und somit etwas reduktiver, um die Frische der Weine zu bewahren.Der Jahrgang 2022 hat einen wunderbaren »Überraschungseffekt«, denn wer überreife Weine erwartet hat, wird das Gegenteil im Glas finden! Die Trockenheit bremste. Aber seit im Jahrgang 2003 ebenfalls Hitze auf Trockenheit traf, haben die Winzer viel dazu gelernt. Was bereits bei den Bordeaux Primeur Proben des Jahrgangs 2022 deutlich wurde, stimmt auch im Piemont: In der Spitze kann 2022 enorm was! Die Weine sind so konzentriert wie 2017, aber mit deutlich mehr Frische ausgestattet. Aromatisch sind sie herrlich intensiv und bereit, eine unwiderstehliche Performance abzuliefern. Die Struktur der Tannine hängt dabei von den oben genannten Faktoren ab. Es gibt strukturiertere Weine, die aber durch ihre Fruchtbalance dennoch meist durchaus harmonisch sind. Ich versichere, dass mit Offenheit ausgestattete Nebbiolo-Liebhaber dieses Jahr mit der ein oder anderen Neuentdeckung belohnt werden, denn 2022 gibt es durchaus viele hervorragende und gar überragende Weine im Piemont, auch wenn 2021 sicher über alle Regionen gesehen harmonischer und gleichmäßiger in seiner Weltklasse rüberkam.

94
/100

Galloni über: Barolo Unoperuno

The 2022 Barolo Unoperuno offers up sweet red-toned fruit, sweet spice, mint, blood orange and new leather, showing all the natural richness of the year. Ripeness is pushed forward, and yet all the elements are so well balanced. The blend of vineyard sites works well in tempering some of the more exuberant qualities of 2022. The Unoperuno is the most overtly ripe of the Altare wines. Most of the fruit is from Cannubi, Cerretta and Arborina, with smaller bits from Sorano and Bricco.

Mein Winzer

Elio Altare

Elio Altare ist das Vorbild für die Erneuerung und die Moderne des Piemonteser Weinbaus. Alle führenden Winzer der Moderne haben von der Weinbergsarbeit bis hin zum Ausbau im Barrique von ihm gelernt.

Barolo Unoperuno 2022